Hersfelder ANzelg cr.
^ 54, Hersfeld, den 7. Juli. IKGO.
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Der Spion Napoleon s.
(Fortsetzung.)
Das werden wir sogleich sehen, entgegnete Dupres, eine Stunde gebe ich Ihnen Zeit. Ihre Sachen zusammen zu packen; nach Verlauf dieser Zeit werden Sie ohne Erbarmen vor die Thür gesetzt.
Ich will scheu, wer das thun wird, entgegnete die Gouvernante.
Sie haben also nicht die Absicht, meinen Befehlen Folge zu leisten, sagte Dupres. Nun, dann werde ich selbst Hand anlegen.
Bändel, der bei dieser Scene gegenwärtig war, erhielt nun von Dupres den Auftrag, Alles, was der Gouvernante gehörte, zusammen zu packen. Diese wollte das verhindern, aber Dupres packte sie bei den Armen und ihr einen tödtlichen Blick zuwerfend, sagte er:
Sträuben Sie sich nicht. Ich weiß, daß Sie eine Seele, die Ihrer Obhut anvertraut war, um einige tausend Francs verschachert haben; ich weiß, daß Sie mit diesem elenden Leforce ein Bündniß abgeschlossen haben, welches das Verderben Ihrer Herrin bezweckt. Ich habe von Allem die bündigsten Beweise. Leforce ist bereits arretirt. Ihnen steht das Schicksal bevor, auf öffentlichem Markt gestäupt zu werden — aber um Der Ehre meiner Cousine willen, von der ich nicht will, daß sie in's Gerede kommen soll, will ich Sie ungehindert gehen lassen, wenn dies sofort geschieht. Bei dem geringsten Sträuben jedoch, sind Sie meine Gefangene und auf einen Wink von mir werden Sie nach dem Gefängnisse abgeführt.
Diese Worte brachten die Gouvernante zur Besinnung. Sie hatte schon einmal Duspres Macht dem Obristen Clemens gegenüber kennen gelernt; sie wußte daß der junge Mann in französischen Diensten stand, und einen unerklärlichen, aber bedeutenden Einfluß aus- übte. Sie zweifelte nicht daran, daß er seine Drohungen ausführen könne. Nachdem sie das bedacht, nahm sie einen andern Ton gegen Dupres an. Sie suchte sich zu vertheidigen, Alles zu leugnen und sich selbst als ein Opfer der Jntricgue darzustellen, aber Dupres wußte .zu viel, um sie nicht bald zu überzeugen, daß dieses Vor
haben lächerlich und erfolglos sein müsse. Nun bat si ihn um Aufschub, aber auch hierin zeigte sich Dupres unerbittlich und nach Verlaufe weniger Stunden hatte die Gouvernante ihre Sachen zusammen gepackt, eine Berline stand vor der Thür und das intriguante Weib fuhr ab, indem sie einen stillen Schwur rhat, sich an ihrem Vertreiber rächen zu wollen.
Jetzt ist das Haus gesäubert! sagte Dupres zu Bändel. Nun schließe die Läden und packe sämmtliche Gegenstände von einigem Werth zusammen, ich werde Dir den Ort bestimmen, wohin sie gebracht werden sollen. Das Haus aber schließest Du dann und gehst zu Deiner Herrin.
Sie soll also nicht wieder hierher zurückkommen? fragte Bändel.
Vorläufig nicht, sie wird Berlin verlassen und Du wirst sie begleiten, abxx,. wenn Dir Deine Zukunft lieb ist, wenn Dir Dein eigenes Gück am Herzen liegt, dann wirst Du mir jede Woche einige Male über sämmtliche Vorfälle über Alles, was Du siehst und hörst, berichten.
Du wirst das unter eigenen Adresse thun, die ich Dir geben werde. Es ist dies nöthig zum Schutze Deiner Herrin, denn Du siehst, zu welchen Rasereien der Obrist sich durch seine Leidenschaft hat hinreißen lassen. Es ist also nöthig, daß ich Deine Herrin unsichtbar schütze, ohne daß sie es weiß und ohne daß sie im geringen deshalb beunruhigt wird.
Bändel versprach die Befehle Dupres' genau zu befolgen. Nun erst verließ dieser das Haus, nachdem Bändel dasselbe wieder fest zugeschlossen hatte.
Aber Leforce-- kehrte nicht zurück, vielleicht war er mit der Gouvernante schon zusammen gerroffen und hielt es gerathen einem solchen energischen Charakter, wie dem des jungen Mannes, gegenüber, auf seinem Unrecht nicht zu bestehen. Bändel konnte in aller Ruhe packen und am andern Tag war das Haus verschlossen und verlassen. Niemand befand sich im Innern und selbst die nächsten Nachbarn meinten, daß es — wie es damals nicht ungewöhnlich war, um der Last der Einquartierung zu entgehen — aufgegeben und verlassen worden war.
Einige Tage später reiste Amalie nach Wien, Du prcs nach Danzig. (Forts, folgt.)