Einzelbild herunterladen
 

Hcrsfelder Anzeiger.

Np* 53, Hersfeld, den 4. Juli. 186O4

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr. bei den Postanstalten koMmtder übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Rar^=...-8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Der Spion Napoleon s.

(Fortsetzung.)

Und wer sind Sie, der also mit einem Officier des Kaisers spricht?

Ich sage Ihnen nochmals, daß mein Name Dupres ist. Wenn Sie sich einen Officier des Kaisers nennen, so wundert es mich, daß Sie sich Dinge heransnehmen, die derselbe sehr strenge ahnden würde, kämen solche , ihm zu Ohren, und ich muß Ihnen sagen, daß ich die Macht habe, es zu seiner'Kenutnißnahme zu bringen.

Es ist gut, mein Herr, es ist gut, entgecsiMe Le- force, thun Sie, was Ihnen beliebt, mich aber werden Sie nicht in Furcht versetzen, denn ich fürchte mich vor Niemanden, nickt einmal vor dem Kaiser.

£ Mit diesen Worten kehrte Leforce Dupres den Rücken.

Dieser kehrte nun zu Bändel zurück, nachdem er den Schlosser mitgenommen hatte, der ihm nochmals die Thüre des Zimmers'anffchließen mußte, in welchem sich die Gouvernante befand.

Diese schlief so fest, daß sie nichts vernahm.

Nachdem der Schlosser sich entfernt hatte, sagte Dupres zu Bändel:

Jetzt schließe die Thüre fest zu, Du lässest Nie­manden. ein.

Dann geht es mir schlimm, entgegnete Baudel, mit diesen Franzosen ist nicht zu spaßen, sie wirrhschasten ja hier in Berlin wie die Türken.

Das laß meine Sorge sein, Du hälft die Thüre verschlossen und öffnest sie nur auf mein Geheiß. Uebri- gens wirst Du morgen ganz früh znr Frau von Blu­menberg gehen

Was soll ich dort thun? fragte Baudel.

Du giebst einen Brief an daS Fräulein ab.

Air welches Fräulein?

Du bist ein Schwachkopf, Bändel, Du hättest doch errathen sollen, daß das Fräulein hier ist?

Hier? sagte Bändel ganz zerstreut, indem er sich umsah, als müßte seine junge Herrin hinter ihm stehen.

Ja hier in Berlin.

Das' ist nicht möglich, Herr Dupres, wie würde

sie denn hier sein, ohne sich in Ihrem Hause zu befin­den oder ohne es. mich wenigstens wissen zu lassen, wo sie ist. *

Weil Du ein Dummkopf bist, und ihr mit aller Treue nichts nützen kannst. Der Bediente des Herrn von ^lumenberg war hier. Als Du mir das mittheil- test, da ahnte ich sofort den Zusammenhang der Sache. Der Bediente ging zur Gouvernante hinauf und sprach mit ihr. Fiel es Dir gar nicht auf und forschtest Du nicht, in wessen Namen er kam und was er mit der Gouvernante zu sprechen hatte? Behüte! Du dachtest nicht daran! Der Mensch hat dem Weibe den Aufent­halt Deiner Herrin verrathen, nachdem er Dich ausge­forscht hatte und wußte, daß es gewissen Leuten darum zu thun sei, ihn zu kennen, Das ist die ganze Geschichte. Jetzt aber werde ich der Herr im Hause sein. Du öff­nest nicht, sage ich Dir, wenn ich es nicht befehle, und wenn auch das Haus gestürmt würde. Ich bin jetzt müde und werde mich niederlegen. Oben stehen ja Bet­ten genug. Wenn etmrs verfällt, dann weckst Du mich. Hast Du mich verstanden?

L>ehr wohl, sagte Bändel, der noch immer so ver- duzt aussah, daß Dupres lächeln mußte,

Dupres ging hinauf und trat abermals in das Ca- binet der Gouvernante; sie schlief noch so fest, wie zuvor.

Er legte sich nieder, unb da der junge Mann in der That sehr ermüdet ivar, so schlief er ebenfalls bald ein.

Nach Mitternacht weckte ihn aber Baudel, indem er ihm anzeigte, daß stark gepocht würde.

Dupres trat an's Fenster, öffnete es und fragte, wer da sei.

Die Antwort lautete:

Leforce!

Es ist hier kein Nachtquartier für Sie, rief Du­pres auf die Straße Hinabi Sie haben in diesem Hause hier nichts zu suchen.

Leforce knirschte, schlug mit seinem Degen an die Thür und schrie:

Deutscher Esel, dafür sollst Du mir büßen!

Dupres gab keine Antwort und schloß das Fenster wieder zu.

Leforce tobte und wüthete noch einige Minuten, doch mochte er es wohl nicht für gerathen halten, die Straße