Her Zfelöcr Anzeiger.
Nv. L2. Heröfeld, den 30. Zuni. 1860*
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Der Spion Napoleon s.
(Fortsetzung.)
_ Allerdings, sie spielen sogar eine wichtige Rolle darin, meine Schöne, sie sind diejenigen, durch deren Vermittelung wir in alle Geheimnisse eingeweiht werden, welche für uns das sind, was für den gewöhnlichen Gauner Gold und Edelsteine sind. Wir forschen nur nach Geheimnissen und setzen sie dann in klingende Münze um/ Es ist aber bei uns Mode, nichts dem Papiere anzuvertrauen, sondern Alles mündlich miteinander ab- zumachen. Wenn dies auch beschwerlicher ist, so ist es dafür auch sicherer, und wenn es mehr Ausgaben verursachte so müssen wir dafür um so urehr verdienen. Jeder aber, der unserm Bunde beitritt, muß zunächst uns gleich einen Dienst leisten, muß irgend etwas zu unserm. Nutzen ausführen, und das, was er mit seinem Kunststücke verdient, gehört der Gesellschaft. Wir verzinsen die Summe in einer Nacht und weihen bei dieser Gelegenheit das neue Mitglied ein.
Ist denn diese Gesellschaft immer beisammen?
. Nein; aber je drei Mitglieder, wo sich dieselben auch zusammeufindcn, repräsentiren die Gesellschaft. Was sie thun und vollstrecken, geschieht im Namen der Gesellschaft.
Sind in Berlin gegenwärtig drei Mitglieder der Gesellschaft anwesend?
Augenblicklich nur Zwei, aber einen Dritten erwarten wir.
Wer ist der Zweite.
Mörtel!
Und der Dritte?
Ach'— Sie sind ^zu wißbegierig. Diesen Dritten muß ick Ihnen verschweigen. Wenn Sie sich jedoch uns anschließen werden, sollen Sie bald Gelegenheit haben, ihn kennen zu lernen. Aber jetzt meine Liebe, gute Nacht.
Sie wollen fort von mir?
Ich muß schlafen, ich bin müde und Sie wissen, daß ich früh auf dem Platze sein werde.
Sagen Sie mir noch eins, wenn ich Mitglied Ih
rer Gesellschaft sein will, muß ich die zehntausend Francs opfern, die ich von dem Ohristen Clemens erhalten werde?
Ja, das müssen Sie!
Nun gut, ich werde mir die Sache itberlegen — aber bleiben tote hier — setzen wir unser Spiel fort.
Ich bin es zufrieden.^
Die Gouvernante richtete sich auf; sie nahm wieder die Karten in die Hand, aber statt ihre Aufmerksamkeit dem Spiele zuzuwenden, sah sie unaufhörlich ihren Mitspieler an. Sie sah ihn an, als wollte sie seine Züge genau studiren, und plötzlich ergriff sie seinen Kopf und sagte mit zitternder Stimme:
Leforce, erst jetzt erkenne ich Sie; Sie haben Alles zu einem großen Tangenichts, Sie vereinigen alle Eigenschaften in sich, welche die Hyäne und den Löwen ausmachen. Ja, Sie haben Recht — für Sie ist dieft Zeit. Ihre wilden Leidenschaften können sich tummeln in diesem Chaos, in diesem Zusammenstürzen aller gesellschaftlichen und politischen Elemente. Ich habe Sie bis jetzt falsch beurtheilt, indem ich Sie für einen gewöhnlichen Jntriguanten hielte. Aber schließen. Wir das Bündniß, Sie sollen auch mich recht kennen lernen, Sie sollen sehen, was ich zu leisten vermag. Schlagen Sie ein.
Der Bund dieser beiden dämonischen Wesen schien aufrichtig geschlossen zu sein.
Dupres, welcher sich die ganze Nacht, ohne daß es die neuen Verbündeten ahnten, im Hause befand, war nicht wenig erstaunt, als Alles ruhig blieb.
Er hatte geglaubt, daß Leforce nochmals ein Attentat gegen die Gouvernante versuchen würde, aber dies geschah nicht.
Die Gouvernante wurde bald von dem genossenen Weine übernimmt und sie ließ endlich den Kopf auf die - Kissen des Kanapee zurücksinken und schlief ein.
Sie ist eine Närrin, sagte jetzt leise Leforce, indem er das Weib betrachtete. Sie würde in meinen Händen jetzt ein williges Werkzeug sein, ich könnte aus ihr machen, was ich wollte, aber wann fehlt es einem Manne an Weibern, die ihm blindlings gehorchen, sobald er ihnen gebieten will. Aber Dich will ick nicht!