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Hcröfeldcr Anzeiger.

9tr> Sl. HerSfeld, den 27. Juni. 18«O.

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Hofkassirer Jacob Rosenblath zum Ober­hofbuchhalter bei dem Oberhofmarschall-Amte zu ernennen.

Der Spion Napoleon s

(Fortsetzung.)

Wenn ich so viel gewinne, sagte sie mit stammeln­der Zunge, dann werden Sie mich morden, Leforce — Mit meinen Küssen höchstens.

Nein, mit ihren entsetzlichen hagern und spitzen Fingern, mit denen Sie mich heute beinahe gewürgt haben —

O, fürchten Sie nichts, ich bin der liebenswürdigste Mensch von der Welt, wenn man nieinen Willen thut, aber wenn man mich reizt, dann bin ich ein Tiger.

Sie sind immer ein Tiger, Sie haben auch Lust mich jetzt zu würgen, Sie sind blutdürstig.

Glauben Sie wirklich, daß ich schon einmal Blut vergossen habe.

Gewiß — sagten Sie es mir nicht selbst.

Das war im Kampfe.

Sie waren niemals Soldat, sagten Sie.

Und dennoch war ich bei allen Schlachten zugegen, die Napoleon geschlagen, und habe fast immer mitge- kämpft. —

Ich möchte auch einmal einer Schlacht beiwohnen, sagte die Gouvernante, aber nicht als Mitkämpfende.

Ich will Ihnen ein Schlachtbild entwerfen. Aber trinken Sie! — Hier, dieses Glas leeren Sie, dann werde ich weiter reden.

Die Gouvernante, welche bereits so viel getrunken hatte, daß ihr Haupt schwer wurde, leerte auch noch die­ses Glas, in welches Leforce unbemerkt ein Pulverchen geschüttet hatte.

Eine Schlacht, begann nun Leforce, ist ein entsetz­

liches Ding, es ist nichts als der Paroxismus von vie­len Tausenden, die ohne die gerinyste^Feindschast aus­einander gehetzt, welche durch künstliche Mittel zu einem tödlichen Hasse angestachelt und zu Mördern oder Mord­werkzeugen gemacht werden. Die armen Menschen wer­den fanatisirt, einmal durch religiöse, ein andermal durch politische Motive, bald durch Ehrgeiz, bald durch Vaterlandsliebe, aber immer ist und bleibt eine Schlacht nichts als ein Mord itft Großen, und Alles was un­menschlich, grausam, thierisch ist, — das wird auf dem Schlachtfelde begangen. Ich habe daselbst den Tod in allen Formen, die Grausamkeit in allen Gestalten, die Menschenverachtung in ihrer ganzen Furchtbarkeit kennen gelernt. Und das nennt man Ruhm! — Ich nenne es; das Gebot, Du sollst nicht morden, vollkommen über- flüssig machen. Es ist auch kein Wunder, wenn man sich in einer Zeit, wie in der unsern daran gewöhnt, das Menschenleben für nichts zu achten, mit allen soge­nannten bürgerlichen Tugenden seinen Spott treibt. Die Welt ist heute demoralisirt, meine Liebe, und man muß in dieser Zeit nicht das Lamm spielen wollen. Nein, man muß schlecht jein, so schlecht als möglich, Alles thun, was nicht erlaubt ist, kein Gebot achten, keine Tugend anerkennen, kein Eigenthum, kein Recht. Man muß Räuber, Mörder, Bandit, kurz Alles das sein, was'heute um so strafloser bleibt, je mehr es im Großen getrieben wird.

Und Sie sind das Alles? fragte die Gouvernante. Ja, ja nach den Uniständen.

O, Sie sind ein schöner Mann, Sie haben einen Löwenkopf, einen Tigerkopf, ich könnte Sie wirklich noch lieben, so häßlich schön sind Sie! —

Und Sie, mein Täubchen, sagte Leforce, was könnte aus Ihnen noch werden, wenn Sie unsere Zeit mit mehr Nachdruck und Einsicht betrachten wollten. Sie * haben nicht viel Anlage zu Tugendrollen, die Intrigue ist Ihr Feld. Nun wohl an, schaffen Sie sich einen Boden, wo Sie Ihr Talent nutzbar machen können, und wir werden dann die besten Freunde sein.

Wo soll ich diesen Boden finden? —

Gehen Sie nach Frankreich, nach Paris. Treten Sie unter den Namen einer deutschen Gräfin daselbst