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Hersfclder Anzeiger.

N^ 4N. Hersfeld/ den 13. Juni. 1860*

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends — Preis dessel­ben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 74 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet;

den Obersten von Schmid, Commandeur des Cadetten Corps, zum Kriego-Ministerium zu versetzen, unter Führung desselben ä la suite des 3. Infan­terie-Regiments,

den Vortragenden Rath im Geheimen Kabinet und im Gesammt-Staats-Ministerium, Ministerialrath Eduard von Goeddacus, zum Vorstände des Ministeriums des Kurfürstlichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten, mit der Bezeichnung Geheime Legationsratb, zu ernennen,

den Rechtspracticauten August Richard in Mar- bürg zum Actuar bei dem Justizamte in Herrenbrei- tungeu,

den Rechtspracticauten Carl Limberger in Fran­kenberg zum Actuar bei dem dasigen Justizamte, und denRechtspracticauten Friedrich Wilhelm Klin­ge lböffer in L-chmalkalden zum Actuar bei dem Justizamte daselbst

provisorisch zu bestellen,

die erledigte Pfarrei Altenhasungen in der Klasse Wolfhagen dem außerordentlichen Pfarrer Georg Fenuer ans Schlierbach;

die erledigte' Stelle eines Physikus und Amts- wundarztes zu Ziereuberg dem Physikus und Amts- wnndarzt Dr. Wilhelm Josua Daniel zu Rosen- thal, und

das Physikat für das Justizamt 1 zu Eschwege in Verbindung mit den Amtswuudarztgcsckäfteu dem Physikus und Amtswundarzt für ^den Amtsbezirk Bischhausen Dr. Georg Wilhelm Hüter zu Wald- kappel zu übertragen; ferner

den Gymnasial- Hilfslehrer Adolph Heermann zrwHersfeld zum ordentlichen Lehrer am Gymnasium daselbst,

den Gymnasial^Praktikanten Dr. Gustav Schim- melpfeng zuMarburg provisorisch zum Hülfslehrer an dem dasigen Gymnasium,

* . ^'^" Repetenten an der Stipendiaten-An« stalt zu Marburg Dr. Eduard Vilmar zum ersten Repetenten an derselben und

den Licentiaten der Theologie Grau aus Herin­

gen zum zweiten Repetenten an der gedachten An­stalt zu bestellen.

Die Brarrtfahkt.

Humoreske.

(Fortsetzung.)

Wermuth schluckte die Aufklärung und die Belei­digung hinunter. Die Nennung der rothen Husaren machte ihn stumm. Doras Bruder war Lieutenant in diesem Regiment, und wenn man ihm von seinem ab­geschmackten Betragen erzählte, was würde er dazu sa­gen ? Er stieg deshalb stillschweigend in den unterdessen angekomineuen Wagen und drückte dem Polizeidiener einen harten Thaler in die Hand. Mit einem vorsich­tigen Blick nach dem Juspector steckte der Polizeidiener . das Geldstück ein und sagte: „Fürchten Sie nichts; ich sage es dem Capitain nicht, wohin Sie gefahren sind, sonst könnte es Ihnen schlecht gehen."

Wenn ein Blick den gutmüthigen Polizeidiener er­würgt haben könnte, so war er ein todter Wann; aber der mörderische Blick ging verloren und Wermuth fuhr auf schmalen Wegen zwischen Wiesen und Feldern nach der Wohnung seiner reizenden Dora.

Bei seiner Ankunft erwartete er, sie auf dem freien Platze zu finden; oder, als er eingetreten, in dem Ge­sellschaftszimmer. Aber Frau Hofrath Frostig war aus- gegangen, wie-ihm gesagt wurde, und Dora auch; doch Beide hatten bemerkt, daß ssie bald zurücÄehren würdig

„Wissen Sie nicht, ob ich um diese Zeit erwart wurde?" fragte Wermuth den Bedienten.

Dieser war erst seit Kurzem in diesen Dienst ge­treten und kannte Wermuth nicht.

»Kam nicht diesen Morgen ein Brief von Berlin an?* fragte Wermuth; „blaßrother Umschlag — rother Siegel — Wappen?"

»Ja", antwortete der Diener. „War er nicht vc Friseur?" fragte er, und war nicht recht sicher, ob etwa Herrn Haarspalters Repräsentant vor ihm stände.

„Was meinen Sie?" rief Wermuth,. „Die mim '