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Nr. 4t. Hersfeld, den 23. Mai. 1860»

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Das Moormännlein.

Erzählung von Catharina Schwarz.

(Fortsetzung.)

Ohne besondere Abenteuer gelangte der Prinz in diese Ebene, wo er sich niederzulassen beschloß, und be­gann, nachdem er sich der Zusage der reizenden Fürsten- tochter versichert hatte, »ock in demselben Herbste den Bau unseres Schlosses. Dieser war jedoch noch nicht weit vorgerückt, als das Austreten des Flusses ihm den­selben ganz entleidete, und die ihm drohende, öftere Wiederholung dieses fatalen Ereignisses ihn bestimmte, Alles im Stiche zu lassen und sich in günstigerer Lage anzusiedeln.

Ganz mißmuthig über den großen Zeit- und Geld­verlust, der ihm daraus erwachsen würde, hing er eines Abends Flitzte und Jagdtasche um und suchte das Freie. Kein Wild wollte ihm aber sclmßgcrecht werden und so schlug er nach fruchtlosem Umherstreifen, verstimmter als je,' den Heimweg ein. Inzwischen war es dunkel geworden und nur manchmal drang der Vollmond durch, schwarze, zerrissene Wolken und erhellte seinen Pfad. Dies war eben der Fall, als er an einem mit Schilf bewachsenen Moore vorüber kam, neben welchem sich ein tiefes, durch den^Fluß gebildetes Altwasser befand. Er hörte etwas im Schilfe rascheln, blieb stehen und legte, wilde Enten dort vermuthend, die Flinte an. Eben wollte er losdrücken, als eine kleine Gestalt sich darin erhob.

Heraus da!" herrschte der Prinz.Meine Schuld wäre es nicht gewesen, wenn Dich ein Schuß getroffen hätte!"

Ein leises Kichern war die einzige Antwort. Doch sprang das kleine Wesen aus dem Lrchilse, tauchte an der Pfütze unter und hüpfte eben so schnell wieder heraus.

Was machst Du da, kleiner Knirps;" rief Prinz Conde Höchlich überrascht.Dir muß das Wasser lie­ber sein als mir . .

MM Cement", unterbrach ihn der Kleine mit schnarrender Qimr c,mein Element!«

Aufs Neue stürzte er sich in das Altwasser, stand

aber im Nu wieder aus den Füßen und stellte sich vor den Prinzen hin.

Jetzt erst konnte dieser ihn genauer betrachten: es war ein steinaltes, durchaus moorartig aussehendes Männlein von der Größe eines drei- bis vierjährigen Kindes mit ganz eingeschrumpftem Gesicht und stechenden Aenglein, die es keck zu ihm hinausrichtete.

Ho, ho!" rief der Prinz Armand keineswegs er­schreckt,also von anderer Natnr! In meinen Bergwer« . ten traf ich oft auf Gnomen und sonstige wunderliche'"'^D- Erdmämichen, die mir alle hold waren, doch Deines­gleichen sah ich noch nie! Nun, unsere Begegnung möge doch eine freundliche sein, wenn wir auch nicht in der Liebe zu Deinem Elemente sympathisiren! Denn in dem Maße, als mich die Stollen meiner guten Gnomen an- sprachen, ist mir Dein Aufenthalt in der tiefsten Seele zuwider."

Du wirst ihn lieben lernen, wirst ihn lieben ler­nen!" schnarrte das Männlein mit geläufiger Zunge.

Nimmermehr!" rief der Prinz Conde,nimmer­mehr! Ich werde meinen Bau nicht ausführen und Eure schlimme Gegend bald auf immer verlassen."

Thu es nicht, thu es nicht!" kreischte hastig der Kleine, indem er den Prinzen unter den wunderlichsten Capriolen umkreiste. Er rollte sich mehrmals nachein­ander auf, als ob er ganz knochenlos und durchaus von Leder gewesen wäre, schnellte wieder auseinander und sang fortrasend mit schrillender Stimme:'

Bleibe hier und baue fort, baue fort!

Blühend soll Dein <stamm hier leben,

Einen großen Schatz erheben,

Ihm bestimmt an sicherm Ort.

Zieh nicht fort, zieh nicht fort!

Während des Gesanges hatte er sich dem Altwas­ser genähert, in welches er hinein sprang, ohne aber wieder aufzutauchen.

Lange noch wartete Prinz Armand, der die Furcht nur dem Namen nach kannte. Aber Alles blieb still .And stumm und nur das Quaken der Frösche ließ sich im Schilfe hören. Ganz nachdenkend trat er endlich den Heimweg an, erreichte ungefährdet seine Wohnung und begab sich zur Rahe. Die wunderbare Scene fand je­doch eine Fortsetzung in seinen Träumen. Es war ihm,