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Hcrsfc/rcr Anzeiger.

Nr. 34. Hersfeld, den 12. Mai. 1860*

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends —• Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Qnartal 71 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werben ausgenommen und die Zeile oder deren Raunr mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche f1" br t der Kurfürst haben allergnädigst geriet.

dem Major von Heathcote vom 2tenHusaren- Regiment, die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Hoheit dem Her­zoge von Sachsen-Meiningen demselben verliehenen Ritterkreuzes des Sachsen Ernestinischen Hansordens zu ertheilen, und den pensionirten Hauptmann Franke zum Etap­pen Commandanten zn Hersfeld zu ernennen.

Die Escherkeffengar-e -es Rüssen- Maisers.

Seit einer Reihe von Jahrhunderten haben die Besieger kriegerischer Naturvölker diese letzteren dadurch an sich gefesselt, daß sie die schönsten und kräftigsten Männer herausgezogen und militärftch organisirten, ohne ihnen jedoch die gemeinen militärisch« Lasten aufzubür- den. Einzelne Fürsten umgaben sich sogar mit einer Leibwache von eroberten Fremden, uno Die, welche vorher ihre geschworenen Feinde waren, würben ihre zuverlässigsten Diener. Zum Tyeil war es die in letz- tern erweckte Ueberzeugung, daß die Feinde ihres Va­terlandes doch nicht so schlimm seien, als sie geschildert worden, zum Theil aber auch die klug geschmeichelte Eitelkeit, der äußere Prunk, welche sie bestimmten, das alte unbändige Freiheitsgefühl unter ein bequemes Joch zu beugen und zu Verräthern an den geheiligten Ein­richtungen ihres Vaterlandes zu werden.

So ist es auch dem gewaltigen Herrscher aller Reußen gelungen, eine Anzahl kaukasischer Stämme be­sonders durch Erweckung ihrer Vorliebe für militärischen Prunk und durch Corpsauszeichnung an seine Sohlen zu fesseln. Die gefährlichsten Gegner seiner Vergröße­rungssucht erhielten bunte Röcke, schöne Pferde und Waffen, man zeichnete sie bei feierlichen Gelegenheiten aus, gab ihnen wohl gar pro forma den schmeicheln­den Titel. einer Leibwache — und sie waren für alle Zeiten vollständig russistcirt, ja um so entschiedener

russificirt, als man ihnen den Schein nationaler Eigen­thümlichkeiten ließ. Selbst der alte Schamyl, der Stifter eines neuen religiös-politischen Cultus, der Theokratke im östlichen Kaukasus, ist nach seiner Verhaftung sanft und russenfrenndlich geworden, läßt sich von den russt. scheu Großen fetiren, gleichsam als Wunderthier aufführen fühlt sich wohl in russischen Kleidern, russischen Sitten und Genüsien, unb, läßt nicht mehr erkennen, daß er, als Abgott seiner Stämme, in den unzugänglichen Ber­gen und Auls Daghestans länger als zwanzig Jahre den russischen Armeen blutigen Widerstand leistete. Er findet das Leben als Russe, weit angenehmer und be­quemer, als in seinen nackten Bergen. Mit seiner Un­terwerfung ist der Widerstand der eigentlichen Tscher- kessen und Lesghier gebrochen. Die russische Herrschaft hat sich von Abchasien bis nach Däghestan, vom Schwar­zen bis zum Kaspischen Meere ausgedehnt und der Be­herrscher von siebenzig Millionen hat sich das Vergnü­gen nicht versagen können, seiueraus Großrussen, Polen, Bulgaren, Letten und Esthen, Deutschen, Griechen, Juden, Tataren, Georgiern, Armenieren, Kalmücken, Mongolen, ^Kosacken, Buräten, Tüngnsen, Ostjaken, Kor- jäken und Tschuktschen bestehenden Armee die tapferen Lesgehier hinzuzufügen. Aus mehren kaukasischen Volks­stämmen, namentlich Georgiern, Tscherkessen, Tschetschren- zen, Kosacken 'unb Lesgehiern, ist ein Elitecorps zu Pferde von vier Escadrons gebildet worden, welches bei Revuen or. sich in der Nähe des Kaisers befindet und gewisse Vorzüge genießt, welche wohl darauf berechnet sind, die Stämme, denen das Corps entnommen ist, der russischen Herrschaft geneigter zu machen. Die Angehörigen dieses Elitecorps tragen das Costume ihres Stammes, aber so prachtvoll, daß die Uniformirung eines einzelnen Mannes 500 Silberubel kostet, und die Waffen, welche sie von. Jugend auf zu führen gewohnt sind: die Flinte, das Pistol, den Pfeilbogen, den Säbel und den Dolch, welchen sie so sehr lieben, daß sie sich um keinen Preis der Welt, davon trennen mögen.

Die Pferde dieser Truppe sind klein und struppig, aber äußerst flink, ausdauernd, und durchgängig sichere Bergsteiger, so daß ihre Reiter schlafend mit ihnen die schmalsten Bergpfade in schwindelnder Höhe über gäh­nenden Abgründen passiven können.