Hcrsselöcr Anzeiger.
Ne. 34. Hersfeld, den 28. April. 186<h
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zwekinal, Mittwochs und Sonnabends — Preis dessel ben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7A Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Post sufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art weroen ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, be Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem Kurfürstlichen Comul Angelrodt zu St. Louis die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von des Großherzogs von Hessen und bei Rhein Königliche Hoheit demselben verliehe- neu Comthnrkreuzes 2r Classe des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu gewähren,
den Obergerichts-Assessor Carl Wangemann in Cassel zum Obergerichisrathe bei dem dasigen Ober- gerichte zu bestellen,
dem Rector und außerordentlichen Pfarrer Eber- bard August Schilling zu Apelern die erledigte Rectorstelle in Sachsenhagen zu übertragen, den Probator Georg Otto bei der Direction der Haupt-Staatskasse zum Controleur bei der Abtheilung I. der Haupt Staatskasse, und den Gepäck-Expedienten auf dem Bahnhöfe zu Cassel, Peter Conrad Balthasar Böhm, znni Einnehmer der Eisenbahn Station Borken zu ernennen.
Der Spion Napoleons.
(Fortsetzung.)
Es hat sich kürzlich, fuhr der Gouverneur fort, ein Mensch direkt an den Kaiser gewendet, indem er ihm ein wichtiges Geheimniß zu enthüllen versprach; er bestand aber darauf, es dem Kaiser persönlich mitzutheilen. In Feindes Land, Sie wissen, hat der Kaiser doppelt Ursache, auf seiner Hut zu sein. Er hat Duroc beauftragt, dem Menschen wissen zu lassen, daß der Kaiser ihn empfangen wolle. Sobald er aber $ur. Audienz erscheinen wurde, sollte er mir vorgeführt, untersucht und so gut es sich thun lasse, über seine Zuverlässigkeit die nöthigen Nachforschungen eingestellt, auch der Versuch gemacht werden, ihm sein Geheimniß zu entlocken. Der Kaiser ist mit zu hohen Ideen, mit zu weitaussehenden Entwürfen beschäftigt, nm sich um dergleichen Dinge kümmern zu können. Aber Vorsicht, die größte Vorsicht ist nöthig. Wir haben Beweise genug, daß aller Orten gegen den Kaiser conspirirt wird. Jeder Engländer ist
sein persönlicher Feind; außer seiner Armee und Frankreich, mit Ausnahme der störrischen Emigranten, hat der Kaiser wohl wenige Freunde, das ist natürlich, da wir gegen alle Welt Krieg führen. Wir können nicht immer in den.eroberten Städten die Liebenswürdigen spielen. Also wir können nicht wachsam genug sein. Ich erwarte jeden Augenblick, daß mir der Mensch zugeführt werde, welcher dem Kaiser wichtige Enthüllungen zu macheu versprochen hat.
Darf man den Namen dieses Menschen wissen? fragte Fronton.
Den weiß ich eben noch selbst nicht. "
In diesem Moment wurde, das Cabinet des Gouverneurs geöffnet, und ein französischer Offizier trat herein und meldete dem ®ouöerueur, daß er einen Mann ihm auf des Kaisers Befehl vvrzusühreu habe, von dem er bereits Näheres wisse.
Ah — sagte der Gouverneur, ich weiß, man möge ihn hereinführen.
Bald darauf wurde ein Mann hereingeführt.
Es war ein Mensch, dessen äußere Erscheinung impopirte. Wir würden ihn dem Leser näher beschreiben, wenn er demselben nicht schon näher bekannt wäre. Wir haben ihn geschildert, indem wir den Ereignissen vorausgeeilt waren; wir können uns also kurz fassen, indem wir sagen — es war Mörtel, welcher vor dem Gouverneur stand.
Wie heißen Sie? fragte der Gouverneur.
Mein Name ist Mörtel, sagte der schweigsame Ma nn.
Sie haben vom Kaiser eine Audienz erbeten, um ihm wichtige Geheimnisse zu entdecken, fuhr der Gouverneur fort. Der Kaiser fann^Sie nicht empfangen. Er ist im Begriffe Berlin zu verlassen, um den Feldzug gegen die preußischen Heere fortzusetzen.
"Es thut mir leid, entgegnen Mörtel, wenn der Kaiser mich nicht sprechen kann; ich kann außer ihm Niemanden Mittheilung machen.
Sie kommen von England?
Ich bin unlängst dort gewesen.
Haben L>ie Legitimation?
Ich bin im Stande, mich zu legitimiren.
Und wo ist ihre jetzige Wohnung?
Sie werden mir erlauben, daß ich hierüber nichts