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Hcrsseldcr Anzeiger.

Np> 3L. Hersfeld, den 25. April. 18E.

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends — Preis dessel ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7a. Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Post,* aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, be'" Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Regierungs Präsidenten Otto Heinrich Julius Leopold Volmar zu Cassel zum wirklichen Gehei- merath zu ernennen,

den Staatsrath Heinrich Eduard von Stiern- berg von der Stelle eines Borstandes des Ministe­riums des Innern zu entbinden,

den Regierungs-Präsidenten wirklichen Geheimerath Otto Heinrich Julius Leopold Volmar zum Mini­ster des Innern zu ernennen,

den Portepee-Fähnrich Pfister vom Artillerie- Regiment zum überzähligen Le-ondlieutenant zu er­nennen und dem genannten Regiment zn aggregiren, den bisherigen Oberhofbuchhalter bei dem Ober- Hofmarschall-Amte, Jacob Rosenblath, nunmehr zum Hofkassirer zu ernennen.

Der Spion Napoleons.

(Fortsetzung.)

Der Gouverneur von Berlin saß in seinem Cabi- nette unter Büchern und Schriften aller Art begraben.

Neben ihm stand ein junger Mann mit einem intel­ligenten Gesichte und schwarzen lebhaften Augen.

Der Herr Polizeiminister macht uns viel zu schaf­fen, sagte der Gouverneur, er will von uns Dinge er­fahren, die wir unmöglich wissen können. In allen Win­keln sollen geheime Gesellschaften stecken, die nach dem Leben des Kaisers trachten. Du mein Gott, es fehlt uns nicht an Spionen in allen Landen und in allen Städten, aber wir müßten noch huuderttansendmal mehr Spione haben, sollten wir von allen den Handlungen und Machinationen stets unterrichtet sein, welche gegen Frankreich und d-n Kaiser vorgcnommen werden.

Der Gouverneur schwieg und überflog ein großes Blatt Papier, welches er dann dem jungen Manne'über­reichte.

Lesen Sie mir das doch vor, Fronton, recht lang­sam, bitte ich, es ist wunderlich, was Fouche uns da schreibt. Hier sangen Sie an.

Der Gouverneur zeigte die Stelle, wo der junge Mann beginnen sollte, welcher alsobald las:

„Es sind in Berlin eine Anzahl Flugschriften er­schienen, deren Verfasser Fauche-Borel ist, sämmtliche sind gegen Frankreich gerichtet. Suchen Sie dieselben aufzutreiben, was es auch kosten möge, um mir diese zu übersenden. Dieser Fauche-Borel muß in Berlin stecken, und wenn Sie wachsame und tüchtige Agenten haben, muß er dort aufzufinden sein. Unter dem Vor- wande, den Bourbonen zu dienen, intrigirt er gegen Frankreich. Der Mensch ist im Höchsten Grade ge­fährlich, um so mehr, daß er bisher nirgends zu er­reichen war und unter den verschiedensten Gestalten agitirt.

Ferner bitte ich Sie, Erkundigungen über einen gewissen Dranob einzuziehen, der mir geschrieben, daß er mir sehr wichtige Mittheilungen zu machen habe. Da ich keine Lust verspüre, mich mystisiciren zu las­sen, so möchte ich zuvor wissen, was an dem Men­schen ist ■— —"

Der junge Mann hörte auf zn lesen.

Nun? — ermähnte der Gouverneur.

Dranob? fuhr Fronton fort, über diesen Menschen sind schon verschiedene Male Berichte abgesordert und eingelaufen. Wenn ich mich nicht sehr irre, habe ich noch Notizen über ihn in meinem Buche, die ich im Frühjahr nach Paris hin berichtet habe. Sollten denn diese Notizen nicht in die Hände des Polizeiministers gelangt sein? —

Lassen Sie sehen, entgegnete der Gouverneur, es kommt darauf an, was diese Notizen enthalten. Wenn solche ziemlich vollständig sind, dann sind wir einer gro­ßen Arbeit überhoben.

Der Name Dranob, sagte jetzt Fronton, indem er in seinem Notizbuche die betreffende Stelle aufschlug, ist das Anagram von Bonard. Dies ist sein eigentlicher Name. Er nennt sich aber mich Randob, Barton und soll unter den verschiedensten Namen mit Gestalten ein- hergehen. In England, wo er sich zu verschiedenen Malen aufgehalten'hat, soll er auch den Namen Seciere geführt haben. In der französischen Revolution hat er sich stets als ein Anhänger der alten Adelsprivilegien und der bonrbonischen Dynastie bemerkbar gemacht. Er