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Her § felrer Anzelger.

NV. 3S Hersfeld/ den 21. April. 1860+

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

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Seine ni gliche Hohei t der Ku r fürst haben allergnädigst geruhet:

dem Candidaten der Thierheilkunde Ernst Philipp Habicht aus Cassel die Praxis als Thierarzt 1ter Classe mit dem Wohnorte Herleshausen zu gestatten, dem ersten Repetenten an der Stipendiaten ^An­stalt zu Marburg Dr. Otto Hartwig die allerun- terthänigst nachgesuchte Entlassung von seiner Stelle zu bewilligen.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst ha­ben allergnädigst zu befehlen geruhet, daß der für das Kurfürstentbum Hessen ernannte Großherzoglich - Hessische Konsul Otto Pfeiffer zu Casiel in dieser Eigenschaft anerkannt werde.

Der Spion Napoleon s.

(Fortsetzung.)

Der Herr von Blumenberg wollte auf Dupres ein- , dringen, und es wäre gewiß zu einem blutigen Conflikte gekommen, hätte sich der Vetter, ein ruhiger und beson­nener Mensch, nicht in's Mittel gelegt.

Herr Dupres, sagte er, ich zweifle keineswegs, daß Sie einige Macht besitzen, und es ist nicht meine Sache zu untersuchen, aus welche Weise Sie solche erlangt ha­ben. Wenn Sie aber nicht aus Haß gegen meinen Vet­ter handeln, wenn es Ihnen nur darum zu thun ist, Ihre Cousine, wie Sie sagen, zu schützen, so könnte man sich wohl verständigen, ohne daß es zu mißlichen Scenen käme. Der Herr von Blumenberg ist kein Verbrecher und ich weiß nicht, weshalb er wie ein Verbrecher sort- geführt werden soll.

Was vorliegt, entgegnete Dupres, darüber habe ich nicht zu entscheiden, aber es steht allerdings in meiner Beacht, die Verhaftung auszuheben. Dies kann jedoch und wird nur unter der einen Bedingung geschehen, daß der Herr von Blumenberg auf Ehrenwort sich verpflich­tet, von seiner Abreise von Berlin Abstand zu nehmen.

Das werde ich nicht, entgegnete der Herr von Blu- menberg, überhaupt gebe ich mein Ehrenwort nicht einem Menschen

Der junge Mann wollte sicher eine Beleidigung ausstoßen, welcher gegenüber Dupres gewiß nicht ruhig geblieben wäre und sein Wort zurückgenommen hätte, als Amalie zu rechter Zeit, um Unheil zu verhüten, ins Zimmer trat.

Sie war nicht wenig überrascht, ihren Cousin hier zu finden.

Mein Fräulein, sagte Dupres auf eine sehr ceremo- uielle Weise, vielleicht sind Sie im Stande, diesem Herrn hier, in dessen Schutz sie sich begaben, zu sagen, daß er daran wohlthun würde, nach meinem Willen zu handeln! Ich bin nämlich hier, um ihn an der beabsichtigten Ab­reise von hier zu verhindern, und verlange sein Ehren­wort, dieselbe auszugeben. Auch von Ihnen verlange ich dies Versprechen. Sollten Sie oder der Herr von Blumenberg dieser meiner Aufforderung nicht Folge lei­sten, dann muß ich etwas thu», was ich sehr gerne ver­meiden wurde.

Und welches Interesse haben Sie? fragte Amalie, mich oder den Herrn von Blumenberg an der Reise zu verhindern?

Ich habe durchaus kein Interesse daran, entgegnete Dupres mit frostigem Tone, aber es haben vielleicht andere Leute Interesse daran, daß Sie reisen; dem Obristen Clemens z. B. und einer gewissen Gouvernante würde es außerordentlich willkommen sein, gewisse Leute in der Tracht eines Gärtners und einer Gärtnerin aus der Landstraße zu finden.

Ach sie wissen, mein Herr sagte Amalie, es ist nicht möglich mehr, etwas geheim zu halten, die Wände haben Ohren, und man muß sich wohl hüten, mit sich selbst laut zu reden. Nun, wenn Sie denn der Meinung sind, Herr Dupres, daß unsere Flucht uns Gefahr brin­gen kann, dann freilich bleiben wir lieber hier, man wird doch am Ende auf Ihren Schutz rechnen können.

Diese Worte waren in einem zum Theil bittern, zum Theil betrübten Tone gesprochen. Man hörte es dem jungen Mädchen an, daß ihn: diese Situation Dupres gegenüber peinlich war.

Ich bin mit dieser Erklärung zufrieden, entgegnete Dupres, der Herr von Blumenberg mag in Gottes Na­men gehen wohin er will, wenn er Sie nicht mit ent­führt.