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Hcrrfeldcr Anzeiger.

Mv. so. Hersfeld, den 14. April. 186O>

©erHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und sonnabends Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werven ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechn--^

Der Spion Napoleon s.

(Fortsetzung.)

Und nun erzählte Amalie, wie es ihr ergangen war, sie sprach von dem Benehmen Dupres auf die anerken­nendste Weise, ohne des letzten Zwiegespräches zu er­wähnen, ^welches zuletzt Beide gegenseitig entfremdet hatte. toie ließ in keiner Weise merken, was sie von ihm halte, wessen Verbrechens er sich selbst angeklagt: an seinem Vaterlande, an seinem Könige zum Ver- räther geworden, der begeisterte Anhänger Napoleons zu sein, aber sie sagte schließlich:

So schön und brav sich nun auch Dupres benom­men hat, so sehen Sie doch wohl ein, daß ich meines Vaters wegen ihm nicht gestatten darf, mich zu begleiten.

Es ist abscheulich, sagte der Herr von Blumenberg, welcher mit der größten Spannung die Geschichte Ama- liens mit angehört, es ist entsetzlich, daß solche Dinge hier vorgehen können. Uebrigens, so wenig ich auch sonst von dem Gerechtigkeitssinne Napoleons Halte, so glaube ich doch, ruß man ihm die Sache anzeigen mußte. Wenigstens hört er, daß wir wohl erfahren, was unter der guten Mannszucht zu verstehen sei, von der er im- niersort redet, und die er seinen Soldaten nachrühmt.

Das braucht man wohl Bonaparte nicht zu sagen, entgegnete Amalie, er wird wohl sehr gut wissen, wie es bei ihm steht, und ich halte dafür, daß wir Preußen uns so wenig wie möglich, oder gar nicht bei ihm be­klagen dürfen, damit er nicht glaube wir sähen ihn wirk­lich als unsern Herrn an. Nur von ihn: keine Gnade, nicht die Erfüllung eines Wunsches. Es ist zu viel Achtung für den Unterdrücker, wenn wir tön mit Bitten angehen, wenn wir seine Gnade anrufen. Und wäre es nicht sogar lächerlich, den Räuber zu bitten, uns von Räubern zu retten?

Es ist vor allen Dingen nöthig, daß wir einen Paß erhalten, entgegnete Herr von Blumeuberg, und den können wir nur von dem französischen Gouverneur erlan-

Plan ist nun der: Unsere Gärtnerin hat nicht längst ihre Tochter verheirathet, welche in Ihrem Alter und auch von derselben Figur ist, nur ist ihr Haar wal)rend das Ihrige hell ist; diesem Uebel ist zedoch durch leben Friseur äbznhelfen. Seltsamer Weise

hat auch der Mann der jungen Frau, welcher ebenfalls Gärtner ist, mit mir eine frappante Ähnlichkeit, so weit nämlich ein Bürgerlicher einem Edelmanns gleich sehen kann. Er hat fast meinen Wuchs, mein Haar und mein Profil. Die Sache ist in meiner Familie sogar schon aufgefallen und mehrfach besprochen worden. Das- del, d. h. die jetzige junge Frau, soll, sich gegen meine Mutter geäußert haben, sie habe sich ja auch nach mei­nen: Muster einen Mann ausgesucht, um wenigstens etwas Aehuliches zu haben, da sie mich selbst, doch nicht bekommen konnte. Das paßte also vortrefflich. Der Mann wird vorgeben, daß er, um eine Erbschaft zu erheben, nach'Köniasberg reisen wolle, denn in der That hat er dort eine kleine Erbschaftsangelegenheit zu ord­nen, waä er durch einen Brief belegen kann. Er wird für sich und seine Frau einen Paß, wie ich hoffe, ohne Schwierigkeiten erhalten, wir benutzen dann den Paß, natürlich müßten wir uns in der Tracht dieser Leute kleiden.

Hub Sie würden dann aber keinen Bedienten mit- nehmen können?

Nein ich müßte unser bescheidenes Fuhrwerk selbst kutschiren. Es darf natürlich mir ein Planwagen sein, den ich jedoch so bequem Anrichten lassen will, daß Sie gewißlich nichts entbehren sollen.

O, mir werden Entbehrungen nicht schwer, entgeg- nete Amalie, ich werde mich in die Umstände finden und ich bitte Sie, Herr von Blumenberg, so schleunig wie möglich, Alles in den Stand zu setzen. Ich war ent­schlossen, noch heute Berlin zu verlassen; und ich würde Ihnen wirklich sehr dankbar sein, wenn es möglich ge­macht Werben könnte. Ich bezweifle jedoch, da nach Ih­rer Ansicht einmal ein Paß unerläßlich ist, daß die fran­zösische Behörde so schnell zur Hand sein wird, und da unsere alten Beamten in den Bureaus, wo solche noch geblieben, wie ich höre, unter der Controlle von Fran­zosen stehen, welche der deutschen Sprache mächtig sind. Ich muß mich also gedulden, so betrübt ich auch über den Aufschub bin.

Auch mich versetzt es in die größte Unruhe, fiel Herr von Blumeuberg ein, denn wer birgt mir dafür, daß dieser niederträchtige Obrist nicht im Laufe des Tages zurückkehrt, und Gott weiß welchen Plan er im