Hers selber Anzeiger.
Ne* 28. HerSfeld, den 7. April. 186V*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends — Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werven ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst .haben allergnädigst geruhet:
den Feldwebel Melchior Kremer vom Leibgarde- .RegMMt zum Magazinschreiber bei dem allgemeinen Militär-Bekleidungs,Magazin zu Kassel Provisorisch zu ernennen.
Der Spion Napoleons.
(Fortsetzung.)
_ Wir kehren jetzt wieder zu dem jungen Manne zurück, welcher zuerst unser Interesse in einem so hohen tZrade in Anspruch genommen hatte, dann jedoch von dem Schauplatze unserer Erzählung durch andere Personen verdrängt wurde.
Wir kehren zu Dupres zurück.
Wir müssen uns erinnern, daß auf diesem jungen Manne der Fluch eines Verdachtes rubete, daß er all- gemeüi für einen Mörder oder für einen Wahnsinnigen gehalten wurde, und daß seine eigenthümlichen Beziehungen zn dem Kaiser Napoleon, die er seiner Cousine gegenüber nicht, geleugnet, so dunkeler Natur waren, daß wir mitten in einem Geheimnisse stehen blieben.
®r war aus dem Hause derjenigen geflohen, deren ^iebe ihm bisher ein Asyl geboten, wo er das einzige Herz gefunden, welches für ihn schlug. — Seine Cousine
ihn bisher gegen die ganze Welt vertheidigt, sie hatte voll vertrauen zu seinem redlichen Charakter nicht einen Aiigenbllck an ihm gezweifelt; aber nachdem er hr eingestandtu, daß er sich zum Werkzeuge desjenigen uema^r, ben sie hassen mußte, daß er auf Seite dessen stand, der die eiserne Faust auf ihr Vaterland gelegt — tonnte sie nicht länger die Ueberzeugung von der Reinheit seines Charakters in sich festhalten — ihr Glaube eingetretc^ "^"ltert — der entsetzliche Bruch war
Er hatte beim Scheiden seiner Cousine noch den Rath gegeben, Berlin nicht zn verlassen, so lange Na- voieon sich daselbst anfhalten würde. Aber Amalie b» achtete diesen Rath nicht. Vielmehr schickte sie sich an, !e Stadt zu verlassen, welche aufgehört hatte, die Resi
denz ihrer Könige zn sein. Sie schickte ihren alten Diener Bändel mit einem Billet an einen gewissen Herrn voii Blumenberg mit der Weisung die Antwort von demselben mitznbringen.
Nach einer halben Stunde kehrte Bändel zurück.
Er brächte von dem Herrn von Blumenberg ein eigenhändiges Schreiben.
Mit gespannter Neugierde erbrach es Amalie, und sein Inhalt schien sie sehr zu befriedigen.
Eine Stunde später erschien der Schreiber selbst.
Es war ein Mann von ungefähr achtundzwanzig Jahren, eine hohe kräftige Gestalt, mit einem kühnen, offenen militärischem Gesichte. Seine linke Hand trug er in einer Binde. Er war in Civil gekleidet.
Sie haben mich zn sich beschieden, mein Fräulein sagte er, ich bin hier zu Ihren Diensten.
Sie schmollen mir also nicht? fragte Amalie.
Wie könnte ich das je, entgegnete der junge Mann. Sie haben bei meiner letzten Anwesenheit in Ihrem Hause Ihren Cousin gegen mich vertheidigt, und ich mußte Ihnen allerdings entgegentreten, ja, ich muß gestehen, daß ich durch bie Art und Weise, in welcher Sie die Vertheidigung führten, mich ein wenig gekränkt fühlte aber ich bin weit entfernt, Ihnen deshalb zu zürnen.
In einer Zeit überhaupt, die wie die jetzige, so schwer auf unserm armen Vaterland lastet, finden sich die Patrioten zusammen, und vergessen in bem einem Gedanken des großen, allgemeinen Unglücks, ihre kleine Privatzwistigkeiten.
O, das ist sehr recht von Ihnen gedacht, entgegnete Amalie. — wir müssen Alle entsetzlich genug durch den gemeinsamen Feind leiden; wir fühlen seine brutale Hand, wir leben unter dem Alpdruck seiner Spionage, des Verraths. — Wir haben Grund genug dem Feinde das Schlimmste zuzutrauen, und wissen kaum, ob wir dem besten Freunde vertrauen können. Alle Bande sind gelockert und zerrissen, und umsonst erheben wir unsern Blick zum Throne unserer angestammten Herrscher, den» er ist zertrümmert.
Amalie sprach diese Worte int größten Schmerze aus.
Nun, so weit ist es noch nicht, entgegnete der Herr von Blumenberg; es ist wahr wir füib bisher überall