Einzelbild herunterladen
 

Hers selber Anzeiger.

Mx^ 21. Hers seid, den 14. März. 1860*

Der „Hers selber Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis tcfj.I' ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7z Sgr.; beiden Postanstalten kommt der übllcke Post' aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bel Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Heferendar Gottlob von Hagen bei dem Ober-Steuer - Kollegium zum Ober Finanz Assessor bei demselben,

den Einnehmer der Eisenbahn - Station Borken, Albert Faillard, zum Rentincister in Großcnlü- der, und

den Hülfsexpedienten Johann Simon Wiske- männ zu Kassel zum Kauzlisten bei dein Control- Büreau der Main-Weser-Bahn provisorisch zu er­nennen,

den Amtsactuar Secretar Ernst Wilhelm S ch m i d t zu Marburg auf sein allerunterthänigstes Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen,

den practischen Arzt und Geburtshelfer Dr. Carl Führer zu Frankenberg provisorisch zum Physikus für das Amt Wolfhagen zu bestellen, und

den Physikus Lagroze zu Jesberg in den.Ru­hestand zu versetzen.

Der Spion Napoleon s.

(Fortsetzung.)

So schritt Kempf fort, sein edles dankbares Opfer am Arm, über das entschieden war.

Wir werden jedenfalls Zeit gewinnen, Ihre Mut­ter noch zu besuchen, Adolph kann ihr noch Lebewohl sagen.

Mit diesen Worten hatte er alle Widersprüche, die ihn noch aushalten konnten, bekämpft. Sie folgte ihm willig, ja glücklich. Adolph, so dachte sie, würde bei seinem Hasse gegen Napoleon sicherer in Rußland sein, wohin Napoleons Scepter noch nicht reichte, als in Deutschland, und er wurde an der jetzigen. Erfahrung zuni Manne reifen. — Und er und sie, sie waren reicher geworden um die Erkenntniß, nicht immer der trügerischen Antipathie des Herzens zu vertrauen. Mit ihrem Bru­der, mit ihrem edlen, wollen Herzen, voll von heiligen, erhabenen Regnungen so ganz" beschäftigt, sah sie nicht

die Straßen, die sie durcheilten, nicht die Menschen, di an ihnen vorübergingen. Da stand sie vor dem Hanse. Burt hatte in der Voraussicht des anlangenden Opfers schon seit einer Stunde vor der Thüre seines Hauses Posto gefaßt. Da stand er wie ein böser Dämon, in ein höllisches Triumphgelächter ausbrechend, da er die Nahenden gewahrte.

Schnell eilte er ins Haus.

Als Kempf pochte, öffnete er sofort.

Er pochte und das Herz des bewegten Mädchens pochte hörbar mit, aber es packte nicht an das Gewis­sen des Judas. Die Thür war geöffnet.

Clara hatte ihre Mutter kaum eine halbe Stunde verlassen, als die Klingel einen neuen.Besuch ankündigte.

Lebt man in Spannung und in Erwartung wich­tiger Ereignisse, so wersetzt uns Hoffnung und Furcht in gleiche Beklemmung. .

Auch Frau Sally flog mit pochendem Herzen hin­ein, hoffend, eine Nachricht von ihrem Sohne zu ver­nehmen.

Er selbst konnte es nicht sein, das wußte sie wohl, aber es war auch kein Bote, der ihr Nachricht brächte. Sie sah einen unbekannten jungen Mann vor sich, der seinen späten Besuch in höflicher Weise entschuldigte und hinzufügte:

Mich führt lediglich das Interesse hierher, welches mir Ihr Sohn bei unserem zufälligen Zusammentreffen eingeflößt. Ich habe leider erst beule vernommen, daß Sie ihn bis zum Mittage des Neujahrtages vergß- bens erwartet. Diese Nachricht überraschte mich. Sie haben doch hoffentlich Ihren Sohn jetzt wieder?

Fran Sally sah den also Fragenden eine Weile mit ängstlicher Ungewißheit an, die verschiedenartigsten Empfindungen bestürmten ihre Brust. Sie glaubte den jungen Mann schon irgendwo gesehen zu haben, es war ihr, als müßte sie ihn kennen. Sein offenes, edles An­sehen flößte ihr Zutrauen ein, aber dennoch zagte das angsterfüllte Mutterherz.

Wenn nun dieser liebenswürdige Fremde, sagte sie sich, ein Spürhund der Justiz wäre, um den Aufenthalt des Sohnes zu erforschen? — Aber dieser Argwohn