MV. 15» Hers selb, den 22. Februar. 1860»
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DsV Spion Napoleons.
^Fortsetzung.)
Ein falsches Kseunb.
Wir wollen den unglücklichen Adolph auf eine Zeitlang verlassen und zu seiner trauernden Mutter und Schwester zurückketren.
Mit welcher Sehnsucht sie uo$ immer auf ihn harrten, begreift der Leser. Doch der Neujahrstag war vergangen und Adolph kam nicht. . Es war schon Mittag am zweiten Tage des Jahres und auch Keinpf kam nicht. Endlich,-endlich um die zweite Stunde erschien er.
Frau Sally und ihre Tochter Clara empfingen ihn wie einen von Gott gesandten Boten.
Ich hatte mir zwar vorgenommen, sagte Kempf, über Ihre Schwelle partout nicht mehr zu treten, aber —
Wir erkennen es, welches Opfer Sie uns bringen, fiel Frau Sally ein, Sie sind edelmuthig genug, Herr Kempf, uns an das Vergangene nicht zu erinnern. Sie thun mehr, als Adolph verdient. Aber er ist noch so jung und er hat sicher kein schlechtes Herz. Bitte, sagen Sie uns, ob Sie uns irgend eine Nachricht von ihm bringen?
Allerdings, Madame, was sollte Anderes mich hierher führen? Ich habe den Aufenthalt Ihres Sohnes entdeckt. Ich habe ihn gesprochen.
Adolph! riefen Mutter und Tochter freudig durchzuckt.
Wo ist er?
St! St! flüsterte Keinpf, den Finger auf den Mund legend, die Wände haben Ohren, partout, und der Frau Sally geheimnißvoll näher tretend, fuhr er fort:
Wissen Sie nicht, daßBouaparte überall seine Emissäre, seine Spione hat? — Wissen Sie nicht, was dem armen Polen begegnet ist? — Partout, die Köpfe Derer, in denen der Jakobinismus spukt und Derer, die den großen Napoleon begeifern, diese Köpfe, Madame, stehen nicht so fest, daß ein behutsamer Mann seine Beine darunter stellen möchten Partout!
Aber wo ist Adolph? fragten die Frauen in der entsetzlichsten Spannung.
ftlon Dieu! Madame, er gehört zu den Aen ge
nannten lockern Köpfen und deshalb hat er klug gethan, sich aus der Affaire zu ziehen, partout. Hier lesen Sie.
Nun erst übergab Keinpf des Jakobiners Schreiben. Der Eindruck, den dieses auf die Frauen machte, war gleich dem einer Todesbotschaft. Denn obwohl die Versicherung vollkommener Sicherheit darin enthalten war, so war doch ein Mutter- und Schwesterherz nicht so leicht irre zu führen und zu beruhigen, wie es Adolph und Kempf gemeint.
Naebdcm sie das. Briefchen wieder und abermals gelesen und manche verschnnegeüe Zähre darauf geflossen war, nachdem sie den. vermeintlichen Freund und Retter des Unglücklichen mit unendlichen Fragen bestürmt, denen auszuweichen der zwar schlechte aber geistesarme Kempf kaum gewandt genug war, wurde er so dringlich angegangen, den Aufenthalt ihres Adolphs zu nennen, daß er dadurch fast zur Verzweiflung gebracht würde. Doch Kempf blieb um so mehr fest und beharrte bei seiner Verschwiegenheit, obwohl so eiserne Konsequenz sonst nicht in seiner Natur lag, als das Gelingen seines mit Burt geschmiedeten Planes gind vielleicht seine eigene Sicherheit davon abhing.
Alles, was er den Frauen versprach, war die Versicherung, am anderen Tage wiederzukehren und indeß mit Adolph zu überlegen und ihn zu befragen, ob er in das Verlangen der Seinen eiligeren dürfte.
Mit diesem Versprechen entfernte sich Kempf, aber beim Weggehen ließ er geschickt genug, so daß es Frau Sally nicht bemerken konnte., ein Plättchen in Clara's Hand gleiten. Diese war überrascht und der Gedanke, daß es Bezug auf das Geschick ihres Bruders haben könnte, fesselte ihre Zunge. Sie blieb verschwiegen gegen ihre Mutter und nahm einen passenden Augenblick wahr, das zusammengerollte Blatt zu sehen.
Es lautete:
„Liebe Mademoiselle Clara!
Ich werde morgen und übermorgen nicht kommen, weil mich wichtige Dinge von Berlin auf einige Tage abrufen. Am fünften Januar Abends sechs Uhr erwarte ich Sie vor dein Lagerhause. Partout, Mademoiselle Clara, es wird Sie überraschen, daß ich Sie gewissermaßen zu einem Rendezvous einlade; ich dem auf immer die Lust dazu vergangen sein sollte — Sie,