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Rp> 13» Hersfeld, den 15. Februar. W«O.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7$ Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Hülfsexpedienten Adam Lämmer zu Cafsel zum Kanzlisten bei dem Finanz-Ministerium provisorisch zu ernennen, »
dem Dr. med. Ernst Ungewitter aus Cassel die Praxis als Arzt, Wundarzt 1r Classe und Geburtshelfer mit dem Wohnort Hanau zu gestatte».
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben den Landgrafen Alexis von Hessen-Philipsthal-Barchfeld, Hochfürstliche Durchlaucht zum Major ä la suite des Isten (Leib-)Husaren Regiments zu ernennen geruhet.
Der Spion Napoleons
(Fortsetzung.)
Das kannst Du nicht, Schurke? donnerte Mörtel, drohend aus Burt zutretend. Dieser zitterte, als hätte er in Wahrheit die überlegene Kraft Mörtels zn fürchten.
Ich kann es allerdings, sagte er, wenn ich wollte, und ich will, ja ich will, aber die Beichte ist etwas werth.
Schon wieder Geld? sagte Mörtel, einen gering- schätzenden Blick auf den Elenden werfend.
Nur eine so kleine Provision von Eurem Verdienste: Ihr gebt es gern, ich wette.
Mörtel warf ihm ein paar Silbermünzen zu.
Meine Worte sind golden, nur Gold kann sie bezahlen, sagte Burt, die Münzen gleichgültig mit dem Fuße fortscharrend.
Diese Scene, in welcher gewissermaßen um jedes Wort gefeilscht wurde, wiederholte sich stets, wenn Burt nut Mo^rtel etwas zu verhandeln hatte. Die Leiden- schaftcil Beider hatten eine so nahe Verwandtschaft, in- dem Burt habgierig, Mörtel aber geizig war, daß die- m i ste^ ihre Verständigung in die Länge zog. Das Ende war aber immer, daß sich Mörtel bequemte, den Beutel zu ziehen, um die Sprache Burts flüssiger ju machen.
So war es auch diesmal nur Gold, das ihn zum Reden brächte und nun erfuhr Mörtel umständlich, daß der Jakobiner sich in der That in, unter und auf der Erde befand, und daß er selbst in diesem Augenblicke über seinem Haupte hinwegschreite.
Diese Nachricht überraschte Mörtel so sehr, daß er sich bewogen fühlte, feinem dienenden Geiste „'Lob zu spenden, ein unendlich hoher Beweis seiner Befriedi- gung, da er niemals mehr als das Nothwendige sprach.
Erinnern wir uns, daß Mörtel dem Mährchen Burts von einer wirklichen Verschwörung gegen den Kaiser, gegen Frankreich und die Monarchie vollkommen Glauben schenkte, um so mehr, da er nachdem, was er von dem Jakobiner selbst gehört, diesen dessen wohl fähig halten konnte. Hierzu war nun jene Scene mit dem Dolche vorgekommen, welche Mörtel, von Burt, wie wir ebenfalls wissen, zuvor benachrigt, als ungesehener Zuschauer belauscht hatte. Das freilich ahnte der Sendling der kaiserlichen Regierung nicht, daß jener mit Dolchen angefüllte Kasten nicht vom Jakobiner, sondern von Burt und Partout dem Weinwirthe Bor- chardt zugesandt worden waren.
So glaubte denn nun Mörtel einem in der That, gefährlichen Menschen und einem ungeheuren Komplotte auf die Spur gekommen zu sein und war erfreut, den Anstifter und Werkführer desselben in seiner Gewalt zu haben, ohne das Aufsehen der Oeffentlichkeit zu erregen. Er billigte demnach auch die ferneren Pläne Burts, den Aufenthalt des Jakobiners zu verheimlichen, und diesem Geständnisse zu entlocken, vollkommen. Er legte die Sache ganz in Burts Hände. Er selbst aber setzte sich nieder und schrieb abermals einen Bericht an das französische Ministerium, in dem er das Vorgefallene erzählte und damit schloß, daß er, ohne irgend Verdacht und Argwohn zu erregen, sich des Jakobiners bemächtigt habe, und daß er nun, nach dessen vollkommenen Geständnisse, welches binnen vierundzwanzig Stunden zu erlangen, er versichern könne, mit der Anklage des Komplotts hervorzutreten beabsichtige. Er erwartete die Verhaltungsmaßregeln, ob er vielleicht den Jakobiner allein, oder aber auch sämmtliche Mitverschworene aufheben und unter sicherer Bedeckung und heimlich nach Paris senden solle.