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Mr. 1O. Hersfeld/ den 4. Februar. 1800*

Der ,,H ersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. ; bei den'Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

zu der vom Erblandpostmeister, dein Herrn Für­sten von Thurn und TaxiS, in Vorschlag gebrachten Versetzung des Postassistenten Georg Frank zu Fulda, in gleicher Eigenschaft zum Postamte in Rin- teln, die allerhöchstlandesherrliche Genehmigung zu ertheilen,

dem außerordentlichen Pfarrer Ludwig Iatho zu Cassel die erledigte erste Pfarrstelle der lutherischen Gemeinde daselbst zu übertragen,

den Forstinspectoren Mergel! zu Veckerhagen und von Gehren zu Marburg das PrädicatForst­meister" zu verleihen, und

den Landmesser des Kreises Schmalkalden, Franz Gran, in gleicher Eigenschaft nach Kirchhain zu , versetzen.

Der Spion Napoleon s.

(Fortsetzung.)

Die Tafel war königlich besetzt und in einer Ecke des Zimmers stand eine riesige Punschbowle.

Die Klubbisten setzten sich nun, je nach Wahl oder Zufall. Wahl war es von Seiten Bnrts, daß sein Platz sich neben dem des Jakobiners befand.

Nachdem die Plätzr geordnet waren, nahm Bor- chardt das Wort:

Meine Herren, der löbliche Weinklubb feiert heute sein siebentes Jahresfest. Ich freue mich, das die frü­here rege Theilnahme an unserem gesellschaftlichen Ver­eine noch nicht erloschen, sondern vielmehr sich heute als eine eben so rege bewährt. Es steht mir nach un­seren Statuten zu, einen Präsidenten für diesen Abend oder vielmehr für diese Nacht vorzuschlagen. Wollen Sie den Herrn Adolph Sally wählen, der sich so viele Mühe gab, unsere Gemeinschaft zu erhalten?

Die Meinungen waren hierüber getheilt, eine Stimme erklärte sogar offen und frei, daß Adolph als ein un­

mäßiger Trinker bekannt, sich wohl nicht zum Präsiden­ten eignen möchte.

Was das betrifft, versetzte der Jakobiner, so hab' ich es mir angelobt, diesen Abend in den Schranken der Mäßigkeit zu bleiben. Doch wählen Sie einen An­dern, ich werde auf ihn nicht eifersüchtig sein, meine Freunde.

Nein, nein, riefen viele Stimmen, es lebe unser Präsitent, Sally der Erste.

Ist es der Wille der Mehrheit? fragte der Jako­biner. -

Es erfolgte eine allgemeine bejahende Antwort.

Nun wohlan, fuhr er fort, ich trete mein Amt mit einem Borschlage au. Beginnen wir mit einem Toast auf das deutsche Vaterland und dann, Freund, bevor wir weiteren frommen Wünschen Flügel geben, wollen wir unsere Herzen am warmen Dampf der Suppe er­wärmen.

Hm, sagte Burst sich erhebend, bin zwar ein Gqst, meine Herren, aber wenigstens kein ungebetener, hoffe ich. Ist es nicht gefährlich, den vorgeschlagenen patrio­tischen Toast ansjnbringen?

Wie? rief der Jakobiner mit stammender Röthe im Gesichte, gefährlich, auf das Wohl unseres Vaterlandes zu trinken? .

Es verträgt sich nicht, sagte Burt sehr gedehnt, mit dem Wohle Seiner Majestät des Kaisers der Fran­zosen.

Freund, kannst Du nicht weiser sprechen, dann schweige. Wir sind Deutsche, was geht uns der Kaiser der Franzosen am

Geht uns nichts an, versetzte Burt, bin ganz glei­cher Meinung. Ah, mein Freund Kemps, machen Sie gefälligst die Thür dort auf.

Kemps erhob sich und that es.

Was. soll das bedeuten? fragte der Jakobiner?

Spitzt die Ohren, Präsident, versetzte Bart.

In diesem Moment drang ein fürchterliches Ge­brüll aus den vorderen Räumen des Hauses zu den Klubbisten herüber.

Mit lauthn Kehlen erscholl der Ruf:

Hoch lebe der Kaiser Napoleon, der Besieger der Deutschen, unser durchlauchtigster Kaiser und König!