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MP. 8, Hers selb/ den 28. Januar. 18SO>

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs nnd Sonnabends. Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7z Sgr.; beiden Postanstalten kommt derübMe.Post- aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit^KDW^ bet Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Ober-Appellationsgerichtsrath Peter Alohs Schnllheis zu Cassel auf sein allerunterthänigstes Nachsuchen »r den Ruhestand zu versetzen und den Obergerichts-Referendar Christian Friedrich Limberger ans Cassel zum Amtsassesser bei dem Jnstizamte in Witzenhausen zu bestellen, dem Feldwebel-Lieutenant Benedict Vtckert von: Cadettencorps die erledigte Kassirerstelle bei dem Leihhause zu Fulda provisorisch zu übertragen.

Der Spiosi Napoleons.

(Fortsetzung.)

Obwohl nun dieses eine so wage Hypothese war, als nur irgend ein unsinniger Gelehrter jemals ansstellte, so war es doch der boshaften Natur der beiden Verbün­deten ein Leichtes, schnell einen Verschwörungsplan ans- zusinnen und thu dem Jakobiner unterzuichieben; und so gewissenhaft waren diese Schurken, daß sie sich über­redeten, es sei wörtlich und genau ein solcher Plan von dem Jakobiner ausgedacht worden.

Und dann klatschten Beide in die Hände und Burt rief grinsend:

Wir haben ihn!

Partout sah mit seinen kleinen blinzelnden Augen seinen ehrwürdigen Genossen entzückt an und rief:

Da wird sich seine Schwester, Jungfercheu Clara freuen!

He, Freund Burt, verdient es nicht die strengste Züchtigung, so schnöde mit einem Mann meiner Ärt, mit zweitausend Thaler jährlich, um zu geben?

Zweitausend Thaler! rief Burt und ließ seine grü­nen Augen mit einem eigenthümlichen, unbeschreiblichen Blick auf Partout haften.

Warum seht Ihr mich so an? fragte dieser.

Zweitausend Thaler! wiederholte Burt, immer den­selben Blick auf Partout geheftet

Ja, sagte dieser, zweitausend Thaler und ihr gan­

zes Vermögen beträgt partout nur fünftausend Thaler.

Hisisi! lachte oder grinste Burt vielmehr und that einige Sätze im Zimmer auf und ab, wie ein wildes Thier. Dann blieb er vor seinem Genossen stehen und heftete denselben, wir möchten sagen wollüstigen Blick auf ihn.

Wir haben ihn, sagte er dann, nicht?

Ja wir haben ihn, versetzte Partout.

Und wir haben auch sie, fuhr Burt fort.

Sie fragte Partout.

Hisi das Jungterchen versteht Ihr nicht?

Clara? sagte Partout; nein, ich will sie jetzt nicht. Nicht? versetzte Burt und sah Partout heftig an.

Nein, ich werde mich jetzt nicht wegwerfen, entgeg- nete Kempf; ich werde überhaupt Partout nicht heirathen.

Wer sprach denn von Heirathen? sagte Burt mit einem niederträchtigen Schmunzeln.

Partout ging jetzt ein Licht auf. Feig von Natur und ein nicht gar so großer Bösewicht wie Burt war sein Plan, sich an den Jakobiner zu rächen, nicht so tief greifend und umfassend. Er dachte nicht daran, wie Burt, die einmal erfaßte Beute erst dann loszulas» sen, wenn sie bis auf das letzte Lebenszeichen vernichtet war; Partout nur nur ein Bösewicht der Gelegenheit, Burt aber war es von Profession. Als ihn dahkr der Letztere in seine weiteren Pläne einführte, widerstrebte er mit einiger Aengstlichkeit, die sich aber allmählich verlor, da ihn Burt über den Erfolg vollkommen sicher stellte.

Darauf schieden die Bösewichte.

Während Kempf nachsinnend und bedenklich nach Hause ging lief Burt mit einem teuflisch lächelnden Gesichte in Mörtels Zimmer aus und ab. Davon ahnte dieser nichts, denn er trug den Schlüssel zu seinem Zimmer stets bei Hch. Aber Burt hatte nicht nur zu seinem Zimmer einen Nachschlüssel, sondern auch zu dem Koffer, zu dem verhängnißvollen Wandschrank, ja, man konnte sagen, selbst zum Herzen Mörtels.

Dieser war ein großer Menschenkenner, aber er täuschte sich^doch in Burt. Er nannte ihn einen deut- schen.Hunv und glaubte, all seine schlimmen, für ihn zwar tauglichen Eigenschaften, entsprössen der einen