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Hcrsfelder Anzeiger.

S^P. §. Hersfeld, den 25. Januar. 1860+

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlichzweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. —-Anzeigen aller Art werden ausgenommen'und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Der Spion Napoleons.

(Fortsetzung.)

Ein Bündniß. Nn

Es war ein trüber Sylvester, der Schluß des Jah­res 1807. Der Regen strömte in Güssen auf die win­terliche Erde nieder, unheimlich sah es auf den finstern, wasserüberstniheten Straßen aus und die Häuser sahen sich nicht, wie sonst an heiteren Sylvesterabenden, mit freundlich blähenden Augen an.

Wir haben es bereits erwähnt, daß Borchardts Wein den vielen in Berlin anwesenden Franzosen be­sonders gut mundete und sein'Lokal daher vorzugsweise ein Sammelplatz der Franzosen war. Für diesen Abend, den sie auch außerhalb ihres Landes oder eigentlich be- 'trachteten sie ganz Europa als solches — in gewohnter Weise verleben wollten, hatte eine nicht kleine Gesell- Maft für sich eilt Zimmer bestellt. Borchardt war kei­neswegs darüber ungehalten. Das Geld der Französen wär blank ur.b rund wie das der Berlinep W wohl gar selbst in deutscher Münze geprägt,' und er war zu sehr Kaufmann, um sich über so gute Kundschaft zu grämen. Nichtsdestoweniger aber verschwieg er es beni Weinklub, der eben an diesem Tage sein Jahresfest bei ihm .begehL» wollte, und Borchardt, hatte Grugid zu glauben, daß sich die Mitglieder zahlreich Versammeln würden; denn der Jakobiner hatte Tag für Tag bei sämmtlichen Mitgliedern die Ronde gemacht und sie dringend ermähnt, nicht zu fehlen, damit man sich doch wenigstens an einem Tage im Jahre zusammenfinde. Wo aber nicht, sollten die Nichtkommenden es deutlich zu erkennen geben, daß sie dem Verein, der ihnen kein Interesse mehr einflößte, ferner nicht mehr angeboren wollten. Dabei schglt er in seiner Weise über die Lau­heit seiner Freunde, gelte es, sich zu irgend einem Zwecke zu vereinigen, und es wundere ihn nicht, daß Deutsch­land jetzt von einem fremden Eroberer unterjocht sei, da diese Lauheit aus dem geselligen in den politischen Kreis übergegangen; Diesen und manchen andern Vor- wnrf ähnlicher Art wachte er den Weinklubisten mit

..... •■.■'■ ........... feuriger Zunge und ließ nicht ab, bis er das feste Ver­sprechen errungen, beim Jahresfest des Wessrklubs ge­genwärtig zu sein.

Das HauS des Weinwirthes war geräumig genug» um zwei größere Gesellschaften zu fassen, ohne daß die eine von der anderen bemerkt werden konnte. Er räumte den Franzosen die Säle nach vorn heraus, dem Wein­klub die nach hinten heraus ein und. that dabei alles Mögliche, um eine Berührung zu vermeiden, die nichts Behagliches haben fennte.

Die Klubisten hielten Wort und erschienen fast sämmtlich, viele führten sogar Gäste ein, was ihnen frei stand. Diese Gäste nun gerade sind es, die uns in die­sem Kapitel mehr interessieren, als die Klubisten selbst, so weit weit wir sie noch nicht kennen. Denn zu ihnen gehörte Burt und Partout. ; N

Letzterer war zwar früher selbst Mitglied gewesen,' aber in'Folge der neuen Ereignisse ausgeschieden, also aus politischen Gründen. Vielleicht war es Furcht, in den Geruch eines Patrioten zu kommen, was ihn dazu veranlaßte. Gleichgültig ist. uns dieses;, das aber ist wichtig, zu erfahren, was di-e, Veranlassung oder daS Interesse war, welches ihn bewog, im Weinklub am heutigen Abend zu hosvitire».

Wir müssen in'dieser Rücksicht hier erMse» was sich nach dem Gespräche, welches Mörtel »sitBurt führte, begebeul

Dieser nämlich, wie wir wissen, von Mörtel bs- auftragt, das Thun und Treiben des Jakobiners zu über- 'Ivanen, oder vielmehr auszuspioniren, besuchte seit jenem Abend Borchardts Weinstube und suchte sich dem Jako­biner zn nähern. Nichts war leichter, wie wir schon erwähnt, als bei einem Glase Wein dessen Freundschaft zu erwerben. Aber leitete ihn diesnial eine Ahnung der ihm drohenden Gefahr, oder schreckte ihn die Miß­form und teufliche Häßlichkeit Burts zurück, oder end­lich, war es eine zufällige Stimmung — genug, Adolph wies Durt mit den Worten ab, er wolle mit ihm nichts zu schaffen haben und er sehe deutlich das Zeichen eines Bösewichts auf seiner Stirn. Die Anwesenden lachten über diese dreiste und bestimmte Behauptung, Bnrt lachte mit uud vermeinte die Worte eines. Berauschten, wie