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Hersfeld/ deu 2i. Januar

186O>

DerHersfelber Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittkvochs und .Sonnabends. Preis dessel­ben bei der Expedition (Reumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| SgI7; bei den Postanstalten, kommt der übliche Post- aufschlag hinzu' Anzeigen aller Art worden aufgenorSmen und die Zeile oder deren Naum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet. - -

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

* dem Landgendärmen Johannes Geißel von der Seetion Rodenberg das silberne Verdienstkreuz zu verleihen.

D§V S'pt'ozr KrrpSleorr's»

(Fortsetzung.) MMMMMM

Mmpf war ?.ss - nicht, sondern' ein Bote mit einem Briefcheu, an MadNnoifelle ' Clara. Sally' adxMrt, Von wenn er komme, wollte der Bote nicht verrathen.

Adolph kehrte mit dem Briefe zurück und wandte sich neckend, an seine Schwester.

Ei, sagte er, mit dem Finger drohend, ein Brief an Jungfer Schwester. Also wir-ckorrespcudiren mit Herren, denn es ist eine Männerhand. Nun, wir wollen doch gleich sehen.

Adolph that, als wollte er den Brief öffnen, doch Clara erhob sich.

Pfni, Adolph, sagte, sie, willst Du so indiscret sein; der Brief ist für mich, es ist also vorläufig meine,Sache ihn zu lesen.

Sieb! sagte Adolph neckend und verbarg teil Sites.

Gieb Clara den Brief, gebot die Mutter, wir wer- den ihre Geheimnisse schon erfahren dürfen.

O, deren habe ich keine, sagte Clara, den Brief' ihrem Bruder entwindend. Als sie nun aber einen flüchtigen Blick in den Brief gethan, wurde sie über und über roth und unwillig übergab sie denselben ihrer Mutter.

Was ist denn das? sagte Adolph und beugte sich über die Schultern seiner Mutter. Ei der Tausend! von Herrn Kempf. Was? Macht der junge Herr etwa eine Liebeserklärung? Da sind wir doch neugierig, wie er das anfing.

Er las laut:

Meine allerschönste Jungfrau Clara!

i * Es ist endlich partout hohe Zeit, mit den Trie­

ben meines für M itrmtv glühenden Herzens her« -vorzurücken sintemal Sie bereits ein solches Alter erlangt haben, welches oT)He gestaut durchaus nicht überschritten netten darf. ^ Es wird unter sotha- nen Umständen ich meine von wegen Ihres vor­gerückten Alters' nicht Einen geben in der gan­zen östlichen Halbkugel, so weit sie von ©einer Ma­jestät dem Kaiser der Franzosen, Napoleon erobert ist,, welcher Die i n listiger, zärtlichen, und fürsorgli­cher lieben könnte:

DlUn, derweil ich partout kein jin^et Wind- deutet, sondern ölliMcWr^MWZer 'bin, fern von alleVPlgtnduchen Thorheit, feine Sitte in Paris studirt bare, tonjour. nobel bist lind ein Auskomnieir von jährlich, faste hbeikänsend' ThÄen habe, welches dein Auskommen eines Ministers Excellenz etwa beinahe gleich W.erachten ist mon Dien, meine allerschönste-Jungfrau, da Sie nur ganz und gar fünftausend,Thaler,. wie ich erfahren, im Wermöge« W« ~i^§ ist da noch zu bedeichen? Also - alsdann kann ich wohl mit Bestiinintheit darauf rechnen, trotz Ihrer fvledtrholentlich.cn Ausrede, nie- _ inals partout heir-achen zw rvoklen, daß ich mir als dero glücklichen Verlobten zu gratuliren habe und mich als solchen diesen Abend hoch präsentiren werde. Seien Sie gefaßt auf eine himmelblaue Ehe tinb leben Sie süß, allercharn:ante Hefzetgen- thümerin

Ihres Sie ewig heißliebenden Gottfried Kempf."

_ Adolph lachte laut auf, als er diesen originellen Bnes gelesen. Die Mutter aber war sehr erzürnt über einen solchen Heirathsantrag eines Mannes, dessen Be­suche sie wohl duldete, aber keineswegs in der Eigen­schaft eines Verliebten in ihre Tochter. Ihr Entschluß war bald gefaßt, sie wollte dem -Zudringlichen eiligst schreiben, daß für ihn durchaus kein Grund vorhanden sei, sich für den. Verlobten ihrer Tochter zu halten, ver­bunden mit dem Wunsch, sie mit seinen ferneren Besu­chen zu verschonen. Aber kaum war dieser Entschluß ausgesprochen, da klingelte es schon und Clara meinte- daß es diesmal gewiß Kempf wäre.