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Nr. 103 des
eld, den 28. December
Dek Spion Napoleons.
(Fortsetzung.)
Der Prinz sowohl als Dupres zögerten nicht, ans Werk zu gehen.
Der Prinz wollte den einige Tage stattfindenden Ball benutzen, mit Haugwitz über das Aktenstück zu sprechen, an dessen Besitz ihm so viel gelegen war.
Dupres hatte jedenfalls eine schwierigere Aufgabe. Er war kein Prinz — und die Handlung, welche er ( begehen sollte, war eben so gefährlich, wie von den Gesetzen streng verpönt.
Aber das war nicht Alles.
Dupres kannte Agnes Bühring allerdings nicht anders als vom Hörensagen, der junge Beamte, dem sie sich verlobt hatte, war — zwar sein Freund, hatte ihm aber keine Mittheilung von seiner Verlobung gemacht. Seit Dupres aus dem Staatsdienst entfernt worden war, ruhte ein gewisser Bann auf ihm. Seine nächsten Freunde mieden ihn, oder eigentlich Dupres floh sie. Es lag in seinem Stolze, daß er sich zurückzog," als er bei seinen Freunden eine gewisse Scheu bemerkte, mit ihm öffentlich zu verkehren. Heimlich wollte er es nicht.
Es war daher ganz zufällig, daß er die Verlobung seines Freundes mit Agnes Bühring erfuhr. Er hatte dem Prinzen versprochen, das Mädchen zu entführen, zu etwas Anderem hatte er sich nicht verpflichtet. Sein Wort wollte er einlösen, aber er ging eigenthümlich dabei zu Werke.
Er suchte seinen Freund auf und fand ihn.
Wann ist Deine Hochzeit? fragte er.
Von übermorgen in acht Tagen.
Wie konntest Du Dich aber so früh zu heirathen entschließen?
Weil ich das Mädchen liebe und sie darauf besteht — und am Ende haben wir auch unser genügendes Aus- kommen.
Aber du weißt auch, daß das Mädchen Dich nicht liebte —-
D»s hat sie mir offen erklärt. —
Und ^, kannst Dich entschließen, ein Mädchen zu heirathen, dal^Dir eine solche Erklärung macht?
Und warunt>>mcht? —Ich liebe sie, und sie wünscht daß ich sie heiratlw.^
Das thut sie atiL Verzweiflung v die Sache
wir sich bald ändern, wenn Du das Mädchen nicht rasch entführst.
Ich soll Agnes entführen? sagte der junge Mann, nun wahrhaftig, das wäre schön. Acht Tage vor der Hochzeit soll ich meine rechtmäßige Braut, die gegen unsere Ehe durchaus nichts einzuwenden hat, entführen?
Der junge Mann sah Dupres an, als zweifle er an seinem Verstände.
Nun ist das denn unverständlich, was ich gesagt? Der Prinz wird Dir das Mädchen entführen.
So — der Prinz! rief der junge Mann wie eitt Blödsinniger aus, der das Schwert des Henkers über sich geschwungen sieht — nun das wäre schön. Ich danke.
Nun freilich, die ganze Stadt spricht davon, und ich bin überzeugt, in wenigen Tagen ist die Geschichte abgemacht und Du wirst als Ex-Bräutigam vor die Thür gesetzt. Der Prinz hat sich nämlich entschlossen, Deine Braut sich an die linke Hand antrauen zu lassen. Und meinst Du, sie würde dazu nicht beistimmen? — Wenn Du sie also wirklich liebst, komme dem zuvor, entführe sie, ich stehe Dir bei und laß sie nicht eher wieder los, bis sie Deine Frau ist — oder bestimmt erklärt, sie wolle Dich nicht.
Sie wird mich wollen! rief der junge'Mann aus. Agnes hat zu viel Charakter, sie weiß, daß sie mich völlig unglücklich machen würde.
Du Cgoist I — Du willst also, daß ein Weib stärker sei als Du? — Sie soll ihre Liebe Dir zu Lieb', den sie nicht liebt, unterdrücken?— Ich dächte, es wäre doch männlicher, wenn Du entsagtest, statt ihrer. Aber vielleicht ist es nicht nöthig — wenn Du auf meinest Plan eingehst. Wir wollen sie entführen. —
Aber wie soll ich das anfangen?
Nichts einfacher. Du schlägst ihr eine Spazierfahrt vor. —
Wohin? —
Nun, nach Schönhausen — ich habe dort eine Bekannte, sie kann da unternommen, — Wenn Du an Ort und Stelle gelangt sein wirst, werde ich zu Eurem Empfange bereit sein, dann theilst Du ihr ganz offenherzig mit, daß Du sie vor dein Prinzen sichern wolltest, und sie nicht eher nach Berlin zurückführen würdest, bis _ die Hochzeit vollzogen, dann wirst Du ja sehen, was sie sagt.
Bist Du "der Sache gewiß, daß der Prinz etwas im Schilde führt?