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HcröfcIdcr Alizelger.

Nv> L««. HerZfeld, den 14. December. 1859*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7a Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bet Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Kassenschreiber, Kauzlisten Paul Prinzel bei der Kriegskasse zum Controleur bei derselben und denObergerichts-Referendar Julius Schödde zu Fulda zum Garnisons-Auditeur in Cafiel zu ernennen.

Der Spion Napoleons.

Von Dr. Bernhard Heßlein.

(Fortsetzung.)

Ich gebe Dir eine Stunde Bedenkzeit, versetzte der Obrist; läßt Du diese Stunde ungenützt vorübergehen, dann bist Du nicht in meiner Gewalt, ich muß Dich an einen Mann ausliefern, der keine Rücksicht auf Dich nehmen würde. Bedenke das und fasse einen verständi­gen Entschluß.

Es ist gut, sagte Dupres, ich werde meinen Ent­schluß fasten, und er soll gewiß verständig sein. -

Der Obrist ging. Oben fand er das junge Mäd-" chen als Braut geschmückt, Amalie sah leichenblaß aus; mit welchen Gründen mochte wohl die Gouvernante ih­ren entschiedenen Widerstand bekämpft haben? Die Drohungen mußten in der That sehr böse gewesen sein. Das Mädchen zitterte, es schien in ihrem Innern ein finsterer, verzweiflungsvoller Entschluß zur Reife gedie­hen zu sein.

Der Obrist näherte sich auf eine galante Weise seiner Braut; es mußte diese befremden, daß nicht ein Einziger seiner Kameraden anwesend war, nur zwei sei- nemDiener. Bald darauf erschien der Kaplan, um die Trauung vorzunehmen.

Ilinqjie warf sich diesem zu Füßen.

Ich betheuere, rief sie mit verzweifelter Stimme, 7^n ich den nMen Abscheu gegen diesen Mann empfinde, ich betheure vor Kott und meinem Gewissen, daß ich, Verzweiflung und Feindseligkeit im Herzen, nur auf die schnödeste Weise gezwungen, zum Schutz und zur Ret­tung meiner Unschuld in die Trauung gewilligt habe.

Dieser Mann haud^ acht, wie ein Mann

von Ehre, sondern w. .^r, und ich schwöre vor Gott, daß ichfinich für bitpe mir zngesügte Unbill rächen werde, sobald ich vermag.

Obrist ? fragte der Äaplan, Sie haben den Ausruf Ihrer Braut vernommen, bestehen Sie noch auf die Trauung?

Thun Sie Ihres Amtes, versetzte der^Dbrist fin­ster; morgen wird sie andern Sinnes sein.

NUN, nie und nimmer I rief Amalie, indem sie an's Fenster eilte und mit Wahnsinn im Blicke dasselbe auf- riß,,ich will hinabschreien in die Gasse, daß es Jeder­mann hört, welche Gerechtigkeit und Ritterlichkeit in der unmittelbaren Nähe des Kaisers gegen die Frauen ausgeübt wird. Es ist uns feierlich die Zus«ge gewor­den, daß den ruhigen Bürger kein Leid treffen soll, daß, er geschützt sein soll an seiner Habe und an seinerEhre. Und ein Soldat wagt es, die Tochter eines; guten Hau­ses wie eine Eroberung zu befrachten, welche ihm wie ein willenloses Schlachtopser folgen muß!

Nicht doch! rief plötzlich eine Stimme, Du bist kein willenloses Schlachtopfer; dieser Mensch ist ein Elender, der mit Dir ein schnödes Spiel treten wollte. Dieser da ist kein Kaplan, folge mir Amalie, der Erste, der Dich berührt, ist des Todes,

Und stolz den Kopf erhoben, trat Dupres auf das junge Mädchen zu; er sah aus wie ein zorniger Löwe, seine Gestalt hatte sich wunderbar gehoben.

Der Obrist war bleich1 vor Wuth, er zuckte den Degen und wollte auf Dupres einhauen, aber dieser, streckte ihm kalt eine Pistole entgegen, welche er bisher verborgen unter seinem Rocke getragen hatte.

Elender! rief er,, indem er ein Blatt Papier ihm entgegen hielt, erkennst Du diese Handschrift?' Ich könnte Dich verrichten, aber nicht durch meine Hand sollst Du fallen. Dir ziemt der Henker.

Der Obrist blieb wie erstarrt stehen. Das Papier, welches Dupres ihm vorhielt, trug den Namen des - Kaisers: *

Dieser Mann ist unantastbar! Na poleon."

Der Obrist biß die Lippen übereinander. Er warf dem jungen Manne einen tödtlichen Blick zu; dann