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Mr. SA. Hersfeld/ den 3. December. I8SS4

DerHersfelder Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis dessel« den bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| ®gr.; bei den Postanstalten kommt derüblicke Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet. ?

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

denMinisterial-Registrator Friedrich Gundelach zum Revositar im Justiz Ministerium,

den Obergerichts-Referendar Gustav Bößer von Fulda zum Amts-Assessor bei dem Justizamte II. in Eassel und

den Obergerichts-Referendar Theodor Amelung von Cassel zum Amts - Assessor bei dem Justizamte in Gelnhausen zu bestellen, auch

. den Amts - Actuar Wilhelm Coch von Fulda in gleicher Eigenschaft zum Justizamte in Gelnhausen zu versetzen.

Der Spion Napoleon s.

Von Dr. Bernhard Heßlein.

(Fortsetzung.)'

Der junge Mann würdigte dem Diener keiner Antwort und schritt der Treppe zu.

Aber der Alte trat ihm in den Weg.

Halt, sagte er, ich habe den gemessensten Befehl, Niemanden hinauf zu lassen.

Auch mich nicht?

Nun, Sie ganz gewiß nicht.

Wer hat den Befehl gegeben?

Der Herr Graf.

Wo ist der Herr Graf?

Er ist der Königin nachgereist.

Und die junge Gräfin?

Ist allein mit der Zofe zu Hause.

Nun, so werde ich sie sprechen.

. S Aber nicht mit meinem Willen! rief der Diener, indem -er mit beiden Händen die Treppengeländer er­faßte und sich mit aller Kraft geaen Dupres stemmte.

aber hatte den Widerstand des alten Man- nes bald überwunden, und eilte jetzt unaufhaltsam die -r.reppe^hinauf. . Vor einer mit grünem Tuche beschla- lll^b er stehen. Er hörte eine weinende Madchenstimme.

Ohne zu pochen, öffnete er die Tbür.

Da zeigte sich eine sonderbare Scene.

Vor einem ältlichen Frauenzimmer, dessen bleicher, verkniffener Mund und kleine funkelnde Augen einen eben nicht sehr liebenswürdigen weiblichen Sinn verrie­then, knieete ein sechzehnjähriges Mädchen von unbe­schreiblicher Schönheit, aber mit einem herzzerreißenden Ausdruck in ihrem seelenvollen Antlitze. Das Mädchen hielt die Hände emporgehalten, während die ältliche Dame sie wie eine Furie anblickte.

Als Dupres so unerwartet ins Zimmer trat, wurde diese leichenblaß, während das Gesicht des jungen Mäd­chens sich röthete.

Ha, was giebt es hier? fragte Dupres, indem er drohend auf die Gouvernante zutrat.

Und was flimmert Sie das? fragte diese dagegen verächtlich. Ist Ihnen nicht das Haus verboten wor­den? Haben Sie ein Recht, hierherzukommen? Sre sind unverschämt, wie immer.

Der junge Mann würdigte der Gouvernante keiner Antwort, er bückte^ sich zu dem hübschen Mädchen und fragte mit leiser Stimme:

Soll ich gehen?

Nein, nein, bleibe! rief das Mädchen mit gepreßter Stimme, Du weißt nicht, wozu mich diese zwingen will!

So werde ich bleiben, sagte Dupres; stehe aus, Amalie, fasse Dich, ich will hören, was es hier giebt.

Sie wagen es also, meiner Autorität entgegenzu- treten? rief die Gouvernante. Nun, das soll Ihnen schlimm bekommen. Warten Sie

Sie wollte klingeln.

Nicht von der Stelle, befahl Dupres, indem er die Hände der Gouvernaunte festbielt. Sehen Sie her Sie sind des Todes, wenn Sie einen Laut von sich geben.

'Mit düsen Worten zeigte Dupres einen Dolch, den er unter seinem zugeknöpften Rocke trug, aber im selben Augenblick wurde eine Tapetenthür in einer Nische de» Zimmers heftig aufgestoßen und ein französisch r Offizier stand mit gezücktem Degen vor dem jungen Manne.

Das Mädchen schrie laut auf und schmiegte ängstlich an Dupres. ,

Im ersten Moment der Ucbcrraschung schien sich dieser auf den Offizier stürzen zu wollen; eine fieberhafte