Hers seid er Anzeiger.
Mr* ST Hers feld, den 30. November. 1859+
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| egr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Mum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst Haben allergnädigst geruhet:
den Landrath Carl Friedrich Leopold C ö st e r zu Schlächtern in gleicher Eigenschaft nach Hofgeis- ■ mar und
• den Kreissecretar bei der Polizei- Direction in Hanau, August Wagner, in gleicher Eigenschaft nach Fulda zu versetzen;
ferner
den Regierungs-Referendar Ludwig Metz zu Hanau zum Assessor bet der Polizei-Direction zu Cassel, den Practicanten/bei der Polizei-Direction zu
< Cassel, Carl Christian Wieg and, zum Kreissecre-
' tar bei der PolizeiDireerion in Hanau und
den Lehrer der französischen Sprache, Ludwig Eh- ' lers, zum ordentlichen Lehrer an der Realschule zu / Hanau,
alle drei provisorisch, zu bestellen,
den Probator Friedrich Wilhelm Mensing zu Cassel zum Rentmeister in Friedewald provisorisch zu ernennen;
den Rechtspracticanten Friedrich Heinrich Carl ' Eb el in Hofgeismar zum Untergerichtsanwalte bei den Jüstizänitern l und li zu Eschwege, Abterode, ' . Bischhausen, Netra und Wannfried, mit dem Wohn- “‘ sitze in Eschwege, zu bestellen, sowie
r aüf den Antrag des Erblandpostmeifters, des Herrn " Fürsten von Thurn und Taxis, zu der nachgesuchten Dienstentlassung des Oberpostamts Assistenten Friedrich Wilhelm Wagner die allerhöchste Genehmigung zu ertheilen.
Der Spion Mapoleons»
^ Von Dr. Bernhard Heßlein.
■ v Das Geheimniß des Sarges.
Die Donner der Geschütze von Jena haben Preußens Untergang verkündigt, die Armee des großen Friedrich ist vernichtet. Napoleon steht als Sieger, als Pxeußens Herr, vor den Thoren Berlins. —
Schweig, Unglücksrabe, schweig! rief eine heisere Stimme d.m Manne zu, welcher die erstere Worte ausgesprochen hatte; Deine Worte kommen ans Deinem Herzen, das weiß ich, denn Dein sehnlichster Wunsch ist Deutschlands Untergang, aber Deine Mittheilung ist eine Lüge — die Schlacht von Jena ist nicht rerloren-
Ein lautes höhnisches Lachen war die Antwort auf diesen schmerzlichen Ausruf des Greises
Wir wollen uns einen Augenblick umsehen, wo wir. sind und welche Leute wir vor uns haben. —
Auf einen ersten oberflächlich; n Blick bietet ditz Oertlichkeit nichts Außergewöhnliches. Sie ist nur ärmlich. Die Stube ist klein und niedrig, ein dürft-i- Bett, auf welchem der alte Mann liegt, ein.runder> birkener Tisch, zwei Stühle und eine alte. Wanduhr bilden das ganze Mobiliar.
Mit diesem dürftig; n Aeußern kontrastirt aber sowohl das Wesen des- alten Mannes, wie das Benehmen des Jüngern. Der Greis, wie es schien ansKrankentz lager gefesselt, hatte etwas imponirendes, adliges in seinem Wesen; der Jüngere, in einem Alter von kaum dreißig Jahren, war eine hohe Gestalt, aus deren Zü« gen eine eigenthümliche Verwegenheit hervorblitzte; aier es lag ein seltsam düsterer Schatten auf diesen Zügels das bleiche Gesicht trug unverkennbare Spuren wüster, unbezähmbarer Leidenschaften.
Du willst mir nicht glauben, fuhr der junge Mann fort, weil vor Deinem Geiste noch immer dieHetdenge* statt des großen Friedrich lebt, aber ich bringe die-Be» weise — hier, sieh Dir dieses Ding da an, alter Mann.
Dieser hob mit Anstrengung sein Haupt empor, um dasjenige zu sehen, welches ihm eine so schmerzliche Gewißheit geben sollte; faum aber hatte er auf den Gegenstand einen Blick geworfen, als er mit einem lau» ten Schrei des Entsetzens auf sein Kissen zurücksank.
Der junge Mann stand eine Weile stumm, den Alten finster anstarrend vor dem Bette.
Ich wußte es, sagte er dann leise vor sich hin, ich war davon überzeugt, daß es wirken werde. Er wiro diesen Schlag nicht überleben, und ich wünsche daß erstürbe, bald, heute noch. — Wie Bleigewicht hängt er an meiner Seele, solang’ erlebt fühle ich mich gehemmt — und. ich weiß, daß ich ein Riese bin — ich! —