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Hersfelder Anzeiger.

Mr. 95» HerSfeld, den 26. November. 18S9*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Prets dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post» aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Helles bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst Hrben allergnädigst geruhet:

dem Secondlieutenant dicker vom 1. Infan­terie Regiment (Kurfürst) den allerunterthänigst nach­gesuchten Abschied zu bewilligen, und

dem vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Postverwalter in Rau­schenberg vorgescylagenen Postgehülfen H. Schlar- baum aus Kirchhain die allerhöchstlandesherrliche Bestätigung zu ertheilen.

Mexikanische Mentenrer.

Frisch auf, die Anker gelichtet! Hinein in die wo- gende.See!" singt der Auswanderer lustige Schaar am europäischen Strande, und sowie der Wind die Segel schwellt, so schwellt die Hoffnung die Flügel ihrer Leele und trägt ihre Einbildungskraft empor auf den höchsten Gipfel menschlichen Glückes. Nach dem Lande des Gol­des steht ihr Sinn;Califoruien" ist das Zauberwort, welches sie im Wachen und Träumen umgaukelt und wie eine böse Fee an den Haaren ihrem dunklen Schicksale entgegenzieht. Sie /folgen diesem Zuge, als wenn sie es müßten, und ertragen Noth und Entbehrung, die sie daheim nicht kannten, weil ihre Stimmung die Schran­ken europäischer Gesetze nicht mehr ertragen zu können glaubt. Wie viele von Denen, welche so mit vollen Hoffnungssegeln in die dunkle Ferne hineinsteuern, ans Ziel kommen, wie viele dem Mangel und den Strapa­zen unterliegen wer weiß es! Jenseit des Ocean küm­mert sich Niemand um den Einwanderer, welcher hungernd in der Wildniß verschmachtet. Nur die Kräftigsten und Verwegensten erreichen jene verhängnißvollen Gruben, welche schon unermeßliche Reichthümer ausspieen und oft innerhalb einiger Stunden den Proletarier in einen Krösus' verwandelten.

Menschen aller Racen finden sich hier zusammen, sogar Neger, Chinesen und deutsche Theologen. Die Urkraft entfaltet sich in ihrer ungeheuerlichsten Gestalt, mit allen ihren Vorzügen und Gebrechen, absolut schran­

kenlos, es sei denn, daß der schwankende, bestechliche Wille der Volksjustig als eine Gesetzesschranke zu gelten hätte. Californien mit seinen wüsten Elementen aus allen mög» liegen Menschengattungen und Classen ist der wahre Boden für die abenteuerlichste Romantik, der Herd, auf welchem die tollsten und kühnsten Unternehmungen rei­fen, und ich würde, wie viele Europäer, die Hälfte des­sen, was über das californische Leben erzählt wird, für unwahr halten, wenn ich nicht selbst Augenzeuge und Theilnehmer so manches tollen Streiches gewesen wäre. Ich will eine meiner Reiseerinnerungen mittheilen.

Der Spätsommer des JahreS 1858 war für mich in den westlichen Goldminen sehr ergiebig gewesen und ich begab mich nach San Francisco, um den Winter über daselbst zu bleiben und mich zu amüsiren. Hier sammelte sich um mich und meine zwei Gefährten, den Candidaten der Theologie Frezzelius und einen Bäcker­gesellen, bald ein kleiner Kreis wilder Bursche, darunter zwei Mexicaner, drei Franzosen, ein dicker WaadtläMr und mehre Deutsche und Polen. Wir alle fühlten da» lebhafte Bedürfniß, die Zeit und das Gold möglichst angenehm anzuwenden. Daß wir dabei, den californi» scheu Sitten entsprechend, uns den Lebensgenüssen und gewagten Streichen nicht durch kleinliche Rücksichten ab» halten ließen, versteht sich ganz von selbst, denn wer in San Francisco ein bescheidenes, sauertöpfisches Wesen zur Schau tragen wollte, würde ohne Erbarmen das Stichblatt der Brutalität und des Betruges werden. Wir waren sämmtlich gut bewaffnet und wenn Einige von uns spielten, so geschah es gewöhnlich, daß die blan» ken Waffen dabei im Tische oder Erdboden staken, Ge­gen Ende des Winters hatte Frezzelius fast sein ganze- Vermögen verspielt und faßte den Plan, im Frühjahre nicht dem allgemeinen Strom nach dem Fraserflusse zu folgen, sondern einen Raubzug nach Mexico zu unter­nehmen und sich da wo möglich ein Gebiet zu begrün­den. Ohne besondere Schwierigkeiten sammelte er ein Corps von Deutschen, Franzosen, Polen und Spaniern, die sämmtlich nicht viel zu verlieren hatten und durch Raouffet de Boulbons Versuch angereizt waren; auch der feiste Waadtländer war von der Partie und ich schloß mich dem Zuge an, weil ich der Strapazen 'in den Diggings müde war und meine unbändige Lust zu