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Hcrsselber Anzeiger.

Wr* 94» Hers feld, den 23. November. 1859>

DerHers feld er Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem praktischen Arzt und Geburtshelfer Dr. W. Schraub zu Jesberg die Verlegung seines Wohn­sitzes nach Cassel zu gestatten, und

den bisher provisorisch als Hofgärtner in Fulda angestellten Samuel Schmoll nunmehr definitiv I dazu zu ernennen.

Die Eurkos der französischen Vkrmee.

Die französische Regierung begnügte sich nicht damit, Algerien mit Gewalt der Waffen zu unterwerfen und durch die Macht der Civilisation, die heidnischen Anschau­ungen und Sitten der Mauren zu untergraben, sondern sie griff zu dem gründlichsten Mistel, das unterworfene Volk an ihren Staatswagen zu knüpfen: sie zog militäri­sche Kräfte heraus und bildete daraus Cohorten, welche sich bie französischen Sitten mehr oder weniger aneig- neten, jedenfalls aber dem feindlichen Volke entzogen wur- "den und das Element der Unzufriedenheit verminderten. Vorläufig ist die Maßregel der Recrntirnng unter den Arabern nicht in so ausgedehntem Maße angewendet worden, wie es mit wenig Glück die Engländer in Ostin­dien gethan, aber die wenigen Corps, welche aus arabi­schen Zuaven und Turkos organisirt wurden, haben be­reits den glänzenden Beweis geliefert, daß die Einver­leibung größerer arabischer Truppenkörper in die fran­zösische Armee äußerst Vortheilhaft ist, sobald es gilt, die kaiserlichen Adler ins Feld zn tragen. Die Turkos haben während der Schlachten bei Magenta und Sol- serino, sowie in den Gefechten bei Melegnano und Pa- lestro sich in der ganzen Furchtbarkeit gezeigt, welche den napoleonischen Truppen in Aegypten die dasigen Araber so verhaßt machte. Sie gleichen im Angriff dem Pan- ther,^ welcher mit dückischer List an seinen Feind heran- schleicht und seine ganze Kraft und Wuth un letzten tödt- Irchen Sprunge vereinigt. Wie daheim in den Daschkras (Dörfern) des Atlas sind die Turkos im Heere zwar von leicht beweglicher Gemüthsart, höflich und gefällig

gegen Freunde, aber auch schnell zum Zorne gereizt, hin­terlistig, rachgierig, raubsüchtig und blutdürstig im Höch­sten Grade, und, wenn sie einmal erhitzt, schwer zu zäh­men. Es ist ihnen von Kindesbeinen an eine wahre Lust, sich, mit dem gekrümmten Mordmesser bewaffnet, mit einem tüchtigen Gegner herumzubalgen, und haben sie einmal Blut gesehen, so lechzen sie darnach, dasselbe in Strömen fließen zu machen und ihre Arme hineinzu- tanchen. Daher liebt auch der Turko das Schießgewehr nicht besonders, sondern zieht es vor, sich ohne feige Rücksicht auf Kartätschcnkugeln, auf die geschlossene Masse der Feinde zn stürzen, welche diesem tigerartigen An­prall in der Regel sehr schnell Lücken barbietet.

Das Acußere der Turkos entspricht diesen crschrek» kenden Eigenschaften. Ihre Gesichtsfarbe ist gewöhnlich eine erdfahle, sonueverbrannte; das lebhafte Auge ist schwarz, mit dem Weißen etwas ins Gelbe spielend. Den Bart tragen sie unrasirt, oft ganz verwildert, wo­gegen das schwarzwollige oder rothe Haupthaar bis auf einem einzigen Büschel auf dem Wirbel, glatt abgescho­ren ist. Dieser Büschel ist in einen Knoten aufgebun- den. Ihre Gestalten sind mehr Hager als fleischig, aber von starkem, knochigem Bau. Ihre Kopfbedeckung be- steht, wie bei, den Beduinen, in einer weißwollenen Kappe, worüber eine rothe Mütze mit schwarzer Quaste gezogen ist, welche Achnlichkeit mit der tunesischen und albanesischen Turbankappe hat. Die weiße Kappe wird von ihnen nicht abgenommen. Auch die Koutura, das wollene Hemd, haben sie beibehalten. Dagegen ist der Burnuß durch eine knappe, militärische Kleidung ver­drängt und die in der Heimat nackten Beine müssen sich eine Art Tricots gefallen lassen. Auch sind an Stelle der Tscherkessen (Sandalen von Schweinsleder) Schuhe getreten.

Die Turkos bieten in der Armee noch den Vortheil ausgezeichneter Genügsamkeit. Gewohnt, in der Heimat fast nichts als Kuskussu Maismehlgericht mit geschnit­tenen Distelstengeln und Saubohnen zu genießen, ist der Turko im Felde mit einem Stück Zwieback und et» ner Mehlsuppe zufrieden, und bereitet sich sein karges Mahl schneller wie jeder andere Soldat, da er alle Zu­thaten, selbst ein Bündel Holz, stets bei sich trägt. Giebt es aber etwas zu rauben, so ist der Turko durchaus nicht