Nr. 93, Hersfeld, den 16. November. L8SS.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7 z Sgr.; beiden PoMnstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden anfgenommeu'und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Amts-Assessor Heinrich Carl Friedrich von Heydw olf f dahier zum Ober-Forst Assessor und Mitglieds des Ober Forst Kollegiums zu ernennen,
die erledigte erste Pfarrstelle an der Marienkirche zu Hanau dem geistlichen Jnspector und ersten Pfarrer zu Fulda, .Johannes Wendel, unter gleichzeitiger Bestellung desselben zum Superintendenten der Diöcese Hanau, und
die erledigte reformirte Pfarrstelle zu Steinbach-.' Hallenberg dem außerordentlichen Pfarrer Heinrich Raßmann aus Westuffeln
zu übertragen,
dem zu der erledigten Pfarrei Mannsbach in-der Klasse Fulda präsentirten außerordentlichen Pfarrer Franz Martert aus Schlächtern die landesherrliche Bestätigung, und
zur Bestellung des Pfarrverwesers Johannes Zimmer aus Stausebach zum katholischen Pfarrer in Marbach, Landkapitels Hünfeld, die landesherrliche Genehmigung
zu ertheilen,
ferner den Bau-Commissar Rock zu Hanau zum Landbaumeister für deu Kreis Homberg,
den Amtswundarzt und Geburtshelfer Dr. Stuhl« m an n zu Heringen zum Physikus und Amtswundarzt für das Amt Scheuklengsfeld zn bestellen, sowie den Polizei-Commissar Briede zu Cassel in gleicher Eigenschaft an die Polizei-Direction in Marburg zu versetzen,
den Amts-Assessor August Köhler von Gelnhau- „ sen als außerordentlichen Assessor zum Stadtgericht in Cassel zu versetzen.
Die HavlemeZ; Keufelsspitzen.
k Von S. Götschenberger
(Fortsetzung.)
»Höre Jan," sprach er zu seinem Günstling, „Dn mußt mir ein eben so gutes Stück schreiben! Sechs laß
ertrinken, zwölf müssen verbrennen, und zehn sich todtschlagen. Du kannst auch zwölf morden, wenn Du meinen Kutscher und Gärtnerjungen dazu nehmen willst. Laß später dann eine Schlachtscene und ein Gewitter dazu kommen. Höre, Jan, wenn Du den schwarzen Doctor ansstichst und meiner' Stadt den Schimpf ersparst, sollst Du meine Tochter erhalten."
Jan war sprachlos vor Freude. Er fiel dem Bürgermeister um den Hals und schluchzte; Alles, Alles wolle er thun um diesen Preis.
Hierauf wollte er zu Nielchen eilen und ihr sein Glück mittheilen, aber der Bürgermeister faßte ihn beim Arme und schob ihn in ein Nebenzimmer, wo er Dinte, Pergament und eine Lampe fand, und sagte zu ihm: „Morgen oder nie!" Knack! klirrte der Riegel.
Rhssell konnte sich kaum fassen. Zu viel Glück stürmte auf ihn ein. „Ha," sprach er stolz, „Liebe! deine Macht wird mich begeistern. Ein Werk will ich schaffen, das nicht allein Harlem, nein! Europa in Staunen setzen soll."
Er nahm die Feder, aber die Gedanken wollten ihm nicht kommen. Er war zn aufgeregt.
„Morgen schon," ermuthigte er sich, indem er zum zweiten Male die Feder ergriff, „morgen schon die Meine ",
Er versank wieder in Träume.
Plötzlich fährt er auf. „Es ist keine Zeit zu verlieren, das Stück muß fertig werden." Aber sonderbar, es wollen keine Gedanken kommen. Er wird unruhig, wirft einige Worte auf's Papier; wie er sie ansieht, sind sie: Theures Nielchen!
.„Ein Drama," ruft er wild, „Alles für ein Drama!"
Da geht die Lampe in dem Stäbchen aus, und Ryf- sell hört ein Flüstern hinter seinem Stuhle.
„Ihr wollt ein Trauerspiel, junger Herr? Vielleicht kann ich dienen. Erst heute Morgen versah ich den fremden Doctor mit einem solchen."
„Wer bist Du? schrie Rhssell erschrocken.
„Ein Freund Nothleidender," sprach die Stimme;
„wenn Ihr mir ein Blättchen mit Eurem Blute unterzeichnet, so sollt Ihr andere Blättchen mit den schönsten Trauerspielen haben."
„Wer bist Du," schrie Rhssell noch erschrockener.
„Der Doctor gehört mir schon zu. Sein 1 arger