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Hersfelder Anzeiger. _________________________________________________________________.___ß

Mp> 8S Hersfeld/ den 5. November. . i 1859*

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis befiel# ken bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum init 8 Heller, bet Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst - haben allergnädigst geruht:

den bisherigen Hoffourier Christoph Ludovici nunmehr zum Castellan im Schlosse zu Fulda zu ernennen und

den Mundkoch Wilhelm Lo tz in den Ruhestand zu versetzen. •

Der Tootse

(Schluß)

„Da ist Gefahr im Anzüge", sprach Hansen ernst; „das Fahrzeug ist eine Segelbarke, vielleicht ein belgi­sches Marktschiff, das von London kommt. Es muß et* was' Besonderes damit passirt sein, denn ich sehe soeben, daß die Naaen heruntergenommen und die Masten ge­kappt werden. Die Barke schöpft Wasser; man wirft Pakete aus. Menschen stehen am Steuerbord. Helf Gott! sie sind noch drei Viertelmeile vom Lande."

Mit diesen Worten ging der Lootse, von einigen Männern gefolgt, aus Ufer, um sein Boot losznmachen, obschon man ihn ermähnte, seiner zu schonen.

„Halt!" rief plötzlich ein Fischer von der hohen Düne herab; „ich erkenne deutlich Veits Barke. Für den Hund, rührt -keinen Finger; mag er ersaufen und so den Lohn finden für seine Schändlichkeit."

Auch die Anderen stimmten in diese grollende Ab­mahnung.

„Mitnichten!" rief Hansen. „Gebietet mir das heilige Wort Gottes, daß ich soll Böses mit Bösem ver­gelten? Was habe ich für Verdienst, wenn dieser Un­glückselige vor meinen Augen verdirbt? Und wenn ich ihn rette, so rette ich vielleicht seine Seele. Auch sind noch andere gute Leute an Bord, Väter vielleicht, deren Weiber und Kinder daheim ängstlich ihrer Wiederkehr harren. Ich muß hinüber!"

„Willst Du Dein eigenes Leben aufs Spiel setzen, Hansen? Die See wettert furchtbar? Niemand mag die Gefahr mit Dir theilen!" riefen die Fischer von allen Seiten.

Der Lootse aber ließ sich nicht halten.'

„Ich will Gott dankbar sein, daß er mich errettet hat, indem ich Andere rette", sprach er und stieß allein vom Ufer, während einige von den Fischern ihm ängst­lich nachschauten, andere nach Rettungsseilen liefen, noch andere aber ihre Boote und Netze in Sicherheit brachten.

Zum zweiten Male, voll Angst, ihren väterlichen Weschützer zu verlieren, stand Röschen am Strande und verfolgte Hansens Boot mit -den Augen. Dieser ruderte kräftig auf die Barke zu, sah aber mit Erstaunen, daß sie auf einer Seite lag und eine winzige Schaluppe mit nur zwei Menschen von ihr abstieß, während zehn bis zwölf Andere mit emporgestreckten Armen auf dem Schiffs­rande standen und durch den heulenden Sturm um Hilfe schrien. Jeden Anugenblick drohten die empörten Wogen das Lootsenboot wie eine Nußschale zu begraben, aber Hansen fürchtete, obwohl ganz durchnäßt, dies Un­glück weniger als die Wahrscheinlichkeit, daß alle Pas­sagiere sich auf sein Boot stürzen' und es durch ihre Schwere zum Sinken bringen würden.

Halb ermattet erreichte er nach unsäglichen Anstren­gungen das Wrack und was er befürchtete, geschah, Neun Passagiere, wovon einer ein Kind auf dem Arme trug, warfen sich, aller Bitten und Drohungen ungeachtet, in sein Boot, und da er an Bord nur noch ein Weib und einen Knaben zaudernd und Hilfe stehend sah, so nahm er, voll Mitleid Alles aufs Spiel setzend, auch noch diese auf und wendete das schwergefüllte Boot nach dem Strande.

Der Kampf dieser Fahrt war entsetzlich. Zu der Angst vor dem jeden Augenblick drohenden Umschläge des Bootes, gesellte sich die Krastanstrengnug, welche das Fortbewegen der schweren Last, das Balanciren ge­gen Sturzwellen erforderte, diesem Vermögen fastüber- stieg-

Ein einziges Wesen vom Ufer wagte sich, angesichts dieser Gefahr, hinein in den Kampf der Elemente: Rös, chen, welche, des Fischerhandwerks gewohnt, mit einem kleinen Kahne ihrem Pflegevater zu Hilfe eilte. Hansen, dies sehend, erlitt doppelte Pein. Er erschrak zum Tode, als er eine riesige Welle über ihr Boot herfallen und es verschwinden sah. Aber Röschen arbeitete sich be­hend wieder empor und kam endlich dem Lootsen so nahe,

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