M*. 88. Hers feld, den 2. November. 1859*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Prers^estel» den bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ MAr.; beiden Postanstalten kommt derirblicke Post» «ufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen'und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
»m .........— — —- ———.- f^^^^^^^^.--^^^ ——- । :.«
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst h«ben allergnädigst geruht:
den Canzleirath Andreas Heylgeist in den Ruhestand zu versetzen;
den zur Dienstleistung beim Cadetten Corps com- Mandirten Premierlieutenant Linker vomArtillerie- Regiment a la suite Desselben zu setzen;
den Actuar Friedrich Ritter vom Justizamte zu Nentershausen in gleicher Eigenschaft zum Justizamt II. in Fulda zu versetzen;
den Privatdoceuten und Prosektor Dr. med. Claudius zu Kiel zum 'ordentlichen Professor der Anatomie und Director des anatomipheu Instituts zu Marburg zu ernennen;
dem außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät Dr. Cäsar zu Marburg die Nebenstelle des zweiten Bibliothekars an der UniversitätsBibliothek,
dem Geheimen Regierungsrath Arnold zu Cassel die Nebenstelle eines Mitgliedes der Direction der Civil-Wittwen und Waisen Anstalt, und
dem Candidaten der Theologie Friedrich Nothnagel aus Lichtenau die erledigte Rectorstelle zu Wannfried
zu übertragen;
dieProbaturgehülfen Ludwig Schütte und Wilhelm Pfeiffer zu Cassel zu Probateren bei der Oberfinanzkammer, sowie
den Hülfskanzlisten Johann Heinrich Herbst zu Cassel zum Kanzlisten bei dem Kontrol-Büreau der Main-Weserbahn, sämmtlich provisorisch zu ernennen, auch
den Revierförster Wilhelm Klemme zu Rottebreite in gleicher Eigenschaft zum Forstrevier Wolfs- anger zu versetzen.
iM<—— - „ . --------------------.-^^.^
Der Bootfe
„Victoria! Da kommen sie! Und — seht Jhrs? ~ der Hansen ist in ihrer Mitte!" rief jubelnd ein stäm, miger Bursch, der an der Spitze eines Menschentrupps
auf einem Hügel vor dem belgischen Fischerdorfe Potten stand und auf die von Nieuport herführende Straße deutete.
„Ja wohl, wir erkennen ihn! Er istsi Victoria!* jauchzte die Menge durcheinander, schleuderte in wilder Freude Mützen und Hüte in die Lust und stürzte tumul» tuarisch vom Hügel herab, einem Leiterwagen entgegen, welcher mit fünfzehn bis zwanzig Personen angefüllt, dem Torfe zufuhr.
„Halt!" schrie jener Bursche dem eilenden Haufen zu; „laßt uns hier am Weiler grüne Zweige brechen und uns festlich schmücken. Der Lootse hat gewiß seine Freude dran."
In wenigen Augenblicken hatte jeder der Fischer einen frischen Baumzweig am Hüte und in der Hand, und gleich einem lebendigen Wäldchen gingen nun alle in unwillkürlich geordnetem Zuge, „Victoria!" rufend, dem sich nahenden Wagen entgegen. Die darauf Befindlichen waren sämmtlich mit bunten Bändern geziert und begrüßten die aus dem Dorfe Potten ihnen entge» geugeeilte Gruppe mit lautem Freudejauchzen. Nur ein Mann in ihrer Mitte, ein rüstiger Fünfziger etwa, stimmte nicht in den Jubel mit ein, aber in seinem bleichen Antlitz, das ein schon ins Graue schimmernder kurzer Bart umrahmte, spiegelte sich ein herzensseliges Lächeln, und die silberhellen Thräuen, die in seinen braunen Augen perlten, ließen eine wehmüthig heitere Seele durchscheinen.
„Juchheisa! Also freigesprocben?" rief "User den Trupp führende Bursch, als der Wagen nahe war und still 'sielt.
„Freigesprochen!" antwortete mit freudiger Hast eine Stimme vom Wagen. „Die Geschworenen haben unserm guten Vater Hansen das Zeugniß ausgestellt, daß sein Herz keines Verbrechens fähig sei, und der schändliche Ankläger und Verleumder mag sich hüten, daß ihn der Arm des Richters für seine Bosheit nicht zur Rechenschaft zieht."
„Verflucht sei er! Das Gewitter soll ihn zerschmet' tern!" schrie die Menge wild durcheinander und die Be^ wegung, welche sich ihrer bemächtigte, bekundete deutlich, daß sie. es nicht bei wörtlichen Drohungen würden be*