Me. 8V. HerSfeld, den 29. Oktober. 1859*
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
den bisherigen Rüdenmeister Conrad L a m p m a n n auf dem Jägerhofe zu Waldau nunmehr zum Fasanenmeister zu Wilhelmshöhe zu ernennen.
Mammer-ien-r «nd Leibhufar.
(Fortsetzung und Schluß.)
»Nun wohlan, so will ich Deine höchst romantische Bedingung erfüllen..."
^,Bei Ihrem Ehrenwort?" frug Melly schnell.
»Bei meinem Ehrenwort! Aber sorge nicht dafür, daß Dir meine Reitpeitsche den Rücken zerreißt, wenn Deine Absichten feblschlagen; es würde gewiß geschehen."
„Ich fürchte die Strafe nicht. Ew. Gnaden, sondern bin voll Hoffnung. Und meine Belohnung?"
„Du wirst Verwalter meiner Güter mit neunhundert preußischen Thätern Jahrgebalt "
„Topp, gnädiger Herr, es gilt!" rief Melly mit dem Uebermuthe, welcher dem Schauspieler eigen ist, wenn er bedeutsame Rollen spielt. „Ich beginne mein Amt sofort, indem ich Ew. Gnaden ersuche, sich heute Nachmittag vier Uhr von hier per Chaise nach Schloß Buchstein zu begeben. Ich als Kammerdiener und mai; tre de plaisir bin natürlich von der Partie."
„Aber Mensch, was hast Du im Sinne? fragte der Baron zaudernd.
»Bitte, das ist jetzt mein Geheimniß", erwiederte Melly und schlüpfte, sich graziös verbeugend aus dem Gemach.
Während Baron von Dietrich zur Ausführung der zugestandenen Forderung die nöthigen Anstalten traf, eilte Melly nach dem königlichen Schlosse, um den Leibhusaren des Königs, Deiß, aufzusucheg.
Letzterer war ein nicht minder verschmitzter Mensch als der Kammerdiener, und betrog den König, in dessen Vertrauen er sich zu schmuggeln gewußt, indem er dessen Privatcafse bestahl.
„Was willst Du, Bruder?" rief er in seliger Wein» laune dem Kommenden entgegen.
„Dich zu einem lustigen Streiche einladen."
„Da bin ich dabei; nenne ihn!"
„War der Marquis von Choisy gestern beim Könige?"
„Ja, er bat für seinen Stiefsohn um die Hand des Fräulein von Bosa. Aber der König war noch nie so schlechter Laune wie jetzt. Da er kurz vorher auf mei» nein Rücken seine Flöte zerschlagen hatte, so kam der Marquis mit seiner Familiengeschichte sehr ungelegen. Der Alte schimpfte auf den Baron Dietrich und nannte ihn einen Lump, der gleich nach der Trauung nach Span da» müsse." ' *
„Aha",'sprach Melly halb für sich, „der Kerl scheint die Lunte zu riechen, und jetzt soll der brave Junge für ihn in die Patsche . . Freund Deiß, willst Du mir helfen, den Franzosen abzustrafen?"
„Nur zu", antwortete der Leibhusar, „ich war dem windigen Hofschranzen, der wie eine Fraubase dem Könige Neuigkeiten zuträgt, von jeher.nicht grün." Nach einigem Nachdenken fügte er hinzu:
„Als der König übrigens seinen Stiefsohn beschimpfte, rückte er mit seinem wahren Plane heraus, warf sich dem Alten zu Füßen und stehte, die schöne Margaretha nicht mit in des noch unmündigen Barons Fall zu verstricken, sondern ihm selbst ihre Hand zu schenken."
„So so I" rief Melly gedehnt, „also trog meine- Beobachtung nicht. Deiß, thu mir den Gefallen und bringe dem König bei, der junge Baron Dietrich eile heute Abend zehn Uhr nach Buchstein, um sich von Fräulein Margaretha ein Stelldichein zu erbitten. An demselben Abend aber halte der Marquis v. Choisy mit der Letzter» Hochzeit. Tann bittest Du Dir die Erlaubniß aus, den Uebelthäter zu fangen. Jedenfalls horchst Du klug des Königs Meinung und Absicht aus."
Deiß handelte nach Mellys Vorschlägen; er benutzte einen günstigen Moment, dem „Alten" seine Mittheilungen zu machen und erhielt den Auftrag, sogleich nach Buchstein zu reiten und dem Pfarrer zu befehlen, Abends in aller Stille Fräulein Margaretha v. Bosa mit dem Marquis v. Choisy zu trauen, Letztere»! aber anzurathenj sich mit feiner jungen GemaUu eine Zeitlang auf Reisen zu begeben. Gleichzeitig bekamen vier Gardereiter die Ordre, Abends nach Buchstein zu reiten und den