Hcrs sei der Anzeiger.
Wt* 8L-. Hers selb, den 22. Oktober. 1S59*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis teile!» Jen bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post «ufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Helles be“ Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
den ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät Dr. Dietrich zu Marburg zum ordentlichen Piofessor der Theologie,
den Pfarrer Koch zu Sckönstadt in der Klasse Rauschenberg zum Metropolitan dieser Klasse,
den Pfarrer Lappe zu Gottsbüren zum Metropolitan der Klasse gleichen Namens,
den Pfarrer Kempf zu Obergrenzebach zum Pfarrer in Wasenberg in der Klasse Ziegenhain,
den Negiernngsreferendar Julius Dietz zu Fulda zum Polizeikommissar bei der dasigen Polizei-DU rection,
den Thierarzt Ir Klasse Georg Linker zu Ebs- dors zum Kreischierarzt in Fritzlar, die beiden letzteren provisorisch,
zu bestellen, sowie
den Elementarlehrer an der Realschule zu Schmal- kalden Heinrich Rode auf sein Nacksuchen von seiner steile zu entbinden,
den bisherigen Bereiter-Scholaren Wilhelm Emil Gau nunmehr provisorisch zum Bereiter im Kurfürstlichen Marstall zu ernennen,
den Hauptzollamts - Controleur Johann Heinrich Friedrich Wilhelm Schlingloff zu Rütteln in den Ruhestand zu versetzen und
denRepositurgehülfen Friedrich Simon Nendorf zu Kassel zum Repositar hei der Oberfinanzkammer provisorisch zu ernennen.
Der Fremde im grünen Baum.
Von Heinrich Smidt,
(Schluß )
»Ich wünsche Ihnen zu dienen," entgegnete der Act:iar mit einer Verbeugung, „vorausgesetzt, daß ich es im Staube bin. Sie haben, wie ich aus der öffentlichen Bekanntmachung ersehen, ein Kästchen verloren?"
»Ja mein Herr."
„Es war Ihr Eigenthum?"
„Ja, mein Herr, und ich bitte..."
* „Erlauben Sie! Wenn Sie der Eigenthümer sind, können Sie es auch beschreiben.,,
Der Fremde that es und der Actuar sagte: „Ganz recht. Ich habe also die Ehre, mit dem Herrn Grafen von Vertgre zu sprechen, denn ihm gehört das Wappen, welches den Deckel schmückt."
Der Fremde verbeugte sich zustimmend.
■ „Die Sache ist sonach anßer allem Zweifel, und ich werde das Vergnügen haben, dem Herrn Grafen zu feil em Eigenthum zu verhelfen. Nur um der Form willen bitte ich, der Herr Graf möchten so gütig sein, mir die einzelnen Stücke zu bezeichnen, welche das Kästchen enthielt, damit wir uns Beide überzeugen, daß Sie der rechtmäßige B-sitzer sind. Darf ich bitten?"
Der Graf erfüllte den Wunsch des Actuars. AIs er endete, fragte Letzterer:
„Ist das Alles?"
„Ja. Doch nein; ich irre mich. Auch ein Siegelring ist dabei. Auf einer großen Goldplatte ist mein Wappen zwischen zwei Diamanten angebracht."
„Mit dieser Angabe sind alle Zweifel gehoben und ich bitte Sie, mir mein Mißtrauen nicht übel zu deuten. Sie wissen auch zuverlässig, was es mit den Diamanten für eine Bewandtniß hat?"
„Eine Bewandtniß? Mit den Diamanten?" fragte der Graf und wechselte die Farbe. »Die Diamanten sind eben Diamanten und weiter nichts."
„Besinnen Sie sich, Herr Graf," sagte der Actuar.
„Sollten Sie nicht wissen, daß die Diamanten verschiebbar sind?"
„Ganz recht! Verschiebbar."
„Und daß, wenn man sie verschiebt, plötzlich..' Nun, Herr Graf, was geschieht dann?
„Es geschieht nichts!" entgegnete der Graf und setzte trotzig hinzu: „Fast gewinnt es den Anschein, als ob ich hier auf der Anklagebank säße."
„Allerdings aus dem Fanteuil, den Sie ei nehmen, eine Anklagebank werden," sagte der Altuar, gleichfalls sehr ernst. „Ihre Beschreibung der genannten Kostbarkeiten ist so mangelhaft, daß Sie unmöglich der Besitzer derselben sein können, und es ist zu erweisen, wie dre-