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Hersfelder Anzeiger.

Är* 84. HerSfeld, den 19. Oktober. 1859*

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis dessek, den bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr. ; bei den Postanstalten kommt der übliche Host, ausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Helles bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit, der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Hauptmann Darapsky, a la suite des Artillerie-Regiments, in das Artillerie-Regiment ein- rangiren zu lassen und zum Führer der Handwerker- Compagnie zu ernennen,

den Hauptmann Ruperti vom 1. Jnfanteri-Re­giment (Kurfürst) mit Pension ausscheiden zu lassen, den Hauptmann v. Todenwarth vomSchützen- Bataillon zum Jäger-Bataillon zu versetzen,

den Hauptmann Nonneberg, Adjutant der 2ten Infanterie-Brigade, a la suite■ beS 1. Infanterie- Regiments (Kurfürst), in demselben einrangiren zu lassen und zum Compagnie-Chef zu ernennen,

den Hauptmann von Nordeck vom t.Infanterie- Regiment (Kurfürst) zum Schützen-Bataillon zu versetzen.

Der Fremde im grünen Baum

Von Heinrich Smidt.

(Fortsetzung.)

Sie holte es aus dem Tischkasten und stellte es vor dem Bräutigam hin. Dieser betrachtete es mit gros­ser Aufmerksamkeit. Es war sehr zierlich geschnitzt und konnte in seiner Art für ein Kunstwerk gelten.

„Wenn das Innere dem Aeußern entspricht," sagte er, „so hast Du einen Schatz erhoben, liebe Minna. Hast Du noch nicht versucht, Dich von dem Inhalt die­ses Kästchens zu überzeugen?"

„Mühe genug habe ich mir gegeben, es zu öffnen", antwortete sie. „Aber es wollte mir nicht gelingen. Vielleicht bist Du glücklicher."

„Wollen sehen," entgegnete er und betrachtete den Fund von allen Selten. Er entdeckte eine silberne Platte, die sich vorschieben ließ, und hinter derselben ward ein Schlüsselloch sichtbar. Der Anfang war gemacht. Jetzt holte er sein Schlüsselbund hervor und es fand sich un­ter den mancherlei Schlüsseln einer, welcher paßte.

»Jetzt, Sesam! Thu, Dich aus!" sagte der Actuar,

indem er den Deckel zurückschlug, und alle Drei schrieen vor Erstaunen laut auf.

„Das ist ja ein wahrhaftes Dresdner Gewölbe en miniature," sagte Ernst Rechtler nach einer Pause. „Eine Aladinische Höhle, ein ganzes Golkonda. Mäd­chen, das ist ein Schatz, der viele Tausende werth sein mag."

Sie beruhigten sich allmählig und besahen die kost­baren Schmucksachen in schwerer antiker Fassung, die wohlgeordnet neben einander lagen. Reiche Perleuschnüre, Armbänder, Ringe und andere Gegenstände mit den edelsten Steinen besetzt. Alles reich und kostbar, in Form und Fassung auf einen seit mehreren Generationen vererbten Familienschmuck deutend. Vor Allem zog ein schwerer Siegelring die Aufmerksamkeit desActuars auf sich. Auf demselben befand sich zwischen zwei großen Diamanten eine goldene Platte mit einem kunstreich ge- stocheneneu Wappen geziert. Er drehte den Ring nach allen Seiten, als Hoffte er irgendwo ein Zeichen zu finden, das auf den rechtmäßigen Besitzer schließen lasse. Plötzlich gab einer der Diamanten dem Drucke des Fin­gers nach. Sofort schob sich die goldene Platte zurück und unter derselben ward ein verschlungener Namenszug mit einer Grafenkrone sichtbar.

„Das wird uns zum Ziele führen," sagte Ernst Rechtler und zeigte den Damen die gemachte Entdeckung. Sie vertieften sich so sehr in allerlei Vermuthungen, dast der Bräutigam weit über die gewöhnliche Zeit blieb und Alle erschreckten, als draußen der Wächter die eilfte Stunde abrief. Alles wurde sorglich eingepackt, und beim Scheiden empfahl Ernst Rechtler seiner Braut die treueste Hütung des seltenen Schatzes.

Der Actuar erfreute sich sonst eines ziemlich gesun­den Schlafes. In dieser Nacht aber beschäftigte ihn das anziehende Abenteuer sehr. Erst mit dem Grauen des Tages schlief er wirklich ein.

Am andern Morgen war Ernst Rechtler der letzte in der Schreibstube. Er setzte sich, ohne zu sprechen, an seinen Platz, wo er sein Arbeitspensum bereits fand.

Ker Polizeirath, der im Nebenzimmer von seinem Büreau ans das späte Kommen bemerkte, brummte vor sich hin:

„Nun fängt der auch an, nachlässig im Dienste zu