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Hers selber Anzeiger.

Ap» 83. ' Hersfeld, den 15. Oktober. 1859«

DcrHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post» «lufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Revierförster Heinrich Brandt zu Marburg zum Oberförster zu ernennen und denselben mit der Verschling der Forstinspectorstelle der Jnspection Hersfeld zu beauftragen,

den Oberlandmesser Georg Diedel zu Cassel zum Karten-Repositar bei dem Ober-Steuer-Colle- gium, und

den Probator Friedrich Emil K ü ch bei der Ober- Finanzkainmcr zum Reutmeister in Salmünster, letzter» provisorisch zu ernennen, auch

den Rechnungsführer bei der gesammtichaftlichen Filial Bergwerkskasse zu Stadthagen, Ober-Bergin- spector Dietrich Heinrich Wittich, auf sein aller- unterthänigstes Nachsuchen in den Ruhestand zu ver­setzen.

Der Fremde im grünen Baum

Von Heinrich Smidt.

Der Wirth zumgrünen Baum" trat an den Schlag eines Reisewagens, der vor seiner Thür hielt, und sprach den Herrschaften, die darin saßen, sein Be­dauern aus, daß er sie nicht bei sich aufnehmen könne. In seinem Hause sei auch die kleinste Kammer besetzt und er selbst habe seine eigene Stube vor wenigen Stun­den einem Fremden abgetreten. Er rathe also, wie leid es ihm auch thue, verehrte Gäste abzuweisen, den letzten Rest von Tageshelle zu benutzen, um die nächste Station zu erreichen, da hier am Orte au ein weiteres Unter­kommen nicht zu denken sei.

Der hinge Actuar Rechtler, der gerade des Weges kam und die letzten Worte des Wirthes hörte, sagte

Wie können Sie denn die Fremden so belügen, Sie alter Neithardt? Wenn auch bei Ihnen Alles be­setzt ist, stehen doch die Thorflügel des'Wallfisches" weit auf. Wollen die Herrschaften quer über den Markt fahren und dann links einbiegen, so erblicken Sie den

Gasthof zumWallfisch," wo Sie erwünschte Aufnahme finden werden."

Die Fremden fuhren dankend davon.

Der Baumwirth sah den Actuar grimmig au und machte ihm eine Faust, aber nur in der Tasche, denn der Actuar gehörte zur Polizei und mehrfache Erfahrungen hatten den Wirth belehrt, daß mit derselben nicht zu spaßen sei.

Rechtler lachte und sagte:

Ihr Brodneid geht doch ein wenig allzuweit. Weil in dem Schatten Ihres grünen Baumes kein Platz mehr ist, schicken Sie ermüdete Reisende unbarmherzig weiter, um nur dem Wallfisch nicht sein bescheidenes Futter zu gönnen."

Der Kerl gönnt mir auch nichts!" platzte der Wirth heraus.Kommt etwas Rechtes au, hat er seine Finger dazwischen; sonst aber zieht er sich schlau zurück und den geheimnißvollen Fremden hat er mir auch auf den Hals geschickt."

Gcheimnißvoller Fremder?" fragte der Actuar. Und davon wissen wir nichts? Warum ist er nicht gemeldet worden?"

Habe ich es denn vermocht ?" sagte der Bansttwirth wie entschuldigend.Aber wollen der Herr Actuar nicht näher treten und ein Gläschen Wein trinken. Veritabken Niersteiner."

Der Actuar entgegnete rasch:

Sie bieten mir Wein an? Gewiß haben Sie einen dummen Streich gemacht. Bekennen Sie nur."

Nichts habe ich gemacht!" betheuerte der Wirth. Vor vier Tagen kommt-im Zwielicht ein Herr in einem Wagen vorgefahren. Derselbe war bis an das Kinn in den Mantel gewickelt und hatte die Mütze tief in die Stirn gezogen. _

Ich sah nur zwei stechende Augen und einen Schnauz­bart. Er verlangte ein Zimmer nach der Straße hin» aus, und ließ sich eine Flasche Wein und zwei Lichter bringen. Darauf befahl er, ihn nicht zu stören und ver­schloß die Thür. ' Nun. denn, Herr Actuar, die Thür blieb verschlossen. Der Herr hat nichts zu essen ver­langt, woraus ick schließe, daß er seinen Proviant im Koffer bei sich führe, denn von einer Flasche Wein und zwei Wachslichtern kann kein Mensch viekundzwanziss