Hersfel-Her Anzeiger.
Wr* 83» Heröfeld, den 12. Oktober. 1859*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis deNcl. Bett bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 71 Sgr.; oei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
dem Hauptmann Breithaupt vom Artillerie- Regiment den nachgesuchten Abschied zu bewilligen;
den Wachtmeister Wilhelm Aeins von derGarde- Lu-Corps zum Kassen-Diener bei. der KriZgskasse provisorisch zu ernennen;
die neugegründete lutherische Pfarrei Seligenthal in der Jnspectur Schmalkalden den, außerordentlichen Pfarrer Friedrich Soldan aus Wittelsberg zu übertragen;
den PfarramtScandidaten Heinrich Gabriel aus Homberg zum Seminarlehrer in Schlüchtern, und
den Hülfsexpedienten Christian Stawitz zu Ha- nau zum Kanzlisten bei der Regierung daselbst, beide provisorisch, zu bestellen, sowie
den lutherischen Juspector und ersten lutherischen Pfarrer Habicht zu L-chmalkalden zu emeritiren.
Eine Ehre i$ der andern werth!
(Xu# der.»Spinnstube auf das Jahr 1860« »on W. O.
»o n Horn.)
(Schluß)
Daß dich dieser und der! dachte der Franzose und riß seine, ein paar hundert Franken kostende, Spitzen- Manschette herab und sandte sie der des Preußen nach.
Die gute Laune des Preußen wuchs zuseheus. Er goß wieder ein.
Der Franzose dachte: Du darfst den Preuße nicht merken lassen, daß dich die Manschetten ärgern, sonst lacht er dich aus. Er ergriff also das Glas mit der allerheitersten Miene und rief: Es lebe der König von Preußen!
Feurig klangen die Gläser und schnell waren sie bis zur letzten Thräne geleert.
Kaum war das geschehen, so riß der Franzose seine andere Manschette ab und warf sie weit in die Stube hinein, und die bescheidene, ärmliche Manschette des
Preußen flog ihr in demselben Augenblicke nach, dann dankte der Preuße ausis verbindlichste für die Ehre, daß der Franzose seines theueren Königs Gesundheit ausqe- bracht und goß auf's Neue die Gläser mit dem Reste der Flasche voll.
Aber in diesem Augenblicke schoß es ihm wieder in seinen kranken Zahn, als habe sich ein breiter Strom des Schmerzes vollwellig hineinergossen. Halt, dachte der Preuße, nun ist der Augenblick da, wo ich dich Pariser Windlips kuranze. Ein Strahl der pust flog über sein Angesicht, trotz der höllischen Pein, die er litt.
Er ergriff sein Glas, hob es hoch und sagte: Hoch lebe der ruhmgekrönte König von Frankreich! Feurig und Alles vergessend, hob der Franzose sein Glas und leerte es bis auf den Boden.
Rasch warf sich der Preuße, als er sein Glas geleert, auf einen Stuhl, winkte dem Pflasterkasten und sagte, indem er in den offenen Mund deutete, auf französisch: der dritte Backenzahn! Rasch heraus, zur Ehre des Königs von Frankreich! '
Der französische Officier wurde bleich wie Kreide. Er durchschaute die Absicht des Preußen, ihn für seinen uranfänglichen Spott zu-züchtigen. Aber was sollte er machen? Hatte er nicht eingestimmt in die Weise des Preußen, als es Striefel und Manschetten galt! Wie hätte er jetzt, zur Ehre seines Königs um eines gesunden Zahnes willen, zurücktreten dürfen, ohne sich in den Augen des feindlichen Officiers und des Pflasterkastens eine Schmach.zu bereiten? Aber es durchschauerte ihn doch kräftiglich, denn er wußte Bescheid in der Sache, da er sich schon einen hatte müssen ausziehen lassen, der krank war; wie mußte erst ein gesunder schmerzen!
Der Pflasterkasten setzte an und eine Sekunde später lag der kranke Zahn auf dem Tische und der Preuße, seines Schnurzes los, warf ihm einen Dukaten auf den Tisch.
Nun, Herr Kamerad! rief er aufspringend aus, zur Ehre Ihres ruhmwürdigen Königs einen Zahn! Das will nichts sagen für ein königlich gesinntes Herz!
Der Franzose setzte sich nicht ohne ein Frösteln über den ganzen Leib und einen tiefen Seufzer, der sicherlich keine fromme Fürbitte für den verdammt höflichen und entsetzlich artigen Preußen in sich schloß, und