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sterkasten drein. Ja wohl, den hab' ich hier. Er wollte sogleich das berührte Werkzeug herausnehmen.

So gehen Sie mit der Ordonnanz dort unten in die Mühle, wohin der Patient kommen mag! Zu dem Soldaten sagte er, er solle den Commandanten fein grüßen und ihm sagen, daß es ihm Freude mache, dem tapfern Feinde zu dienen.

Das war ein Franzos vom alten, braven Schlage!

Als der Pflasterkasten mit der Ordonnanz wegrei- tcn wollte — denn man sattelte ihm ein Pferd von den Reitern, aus denen auch hier der Vorposten bestand — da trat du feines, junges Officierchen vor, das aus einer der hochadeligsten Familien Frankreichs herstammte und dem Prinzen von Lsoubise verwandt war, grüßte auf feine Weise und sagte lachend, er wünsche zu sehen, was der bärbeißige, lumpige Preuß' für ein Gesicht bei der Operation schneide; der Herr Commandant möge so freundlich sein, ihm zu erlauben, daß er den Pflaster- kasten begleite.

Das erlaubte der Commandant, und so ritten sie denn fort. Drüben auf dem preußischen Vorposten stand der arme Geplagte und beobachtete durch ein Fernrohr, was sich drüben begab, und als er sah, daß seine Or­donnanz ein Pflasterkasten und ein Officier begleitete, sagte er: Das muß ich sagen,. höflich sind sie und wacker. Johann! rief er dann: Sattle rasch auf und stecke die Flasche Tokaier in die Pistolenhalfter, die ich dein öster­reichischen Obristen aus dem Flaschenkeller nahm, als wir die schönen Pferde erbeuteten und die Zieten'schen schönen Säbeltaschen. Es ist nur noch eine übrig, und die Franzosen sollen nicht sagen, daß sie einen Preußen^ an Höflichkeit übertroffen hätten. Rasch!—Der Zahn pfeift wieder! —

Das geschah, und kaum waren die Franzosen abge­sessen, so jagte auch der an Zähnepein leidende Haupt- mann auf einem Prachtpferde, einem Holsteiner, der dem Oesterreicher gehörte, der auch den Tokaierwein so lieb hatte, heran, sprang ab und trat in die Mühle, wo ihn das feine Pariser Lieutnantchen, das um die Hüften so schmal war wie eine Wesp?, mit feiner Artigkeit be­grüßte und sein Beileid bezeugte. Der Preuße, der gut und fein französisch redete, überbäufte den Franzo­sen so mit Artigkeiten, daß das mit allerlei feinen Wohl­gerüche» duftende Lieutnantchen ganz entzückt von der Liebenswürdigkeit, des Preußen war, der seine höllischen Zahnschmerzen verbiß, um dem Franzosen nicht zu zei­ge», welche Qual er leide.

Beide aber bildeten gewaltige Gegensätze.

Wenn man erwägt, daß der Krieg damals schon eine schöne Weile gedauert hatte und" Soldaten wie Officiere in Feldlager» und Schlachten nicht daran denken konnten,'sich recht zierlich herausznputzen; daß der alte Fritz eines Theils den ächten Soldaten nach seinem Muthe, und nicht nach seiner seinen und schönen Uniform maß, aber auch oft das Geld für andere und wichtigere Dinge brauchte, als dafür, seine Officiere

hofmäßig Herausznputze», so begreift es sich leicht, daß die preußische Armee damals nicht parademäßig aussah in ihrer Kleidung und der Einzelne in ihr ebenso wenig einem militärischen Stutzer glich, als — der französi­sche Lieutenant einem preußischen Officiere — denn die französischen Officiere waren im Feldlager bei Roßbach ebenso fein und zierlich, ja kostbar gekleidet, wie wenn sie am königlichen Hofe in Versailles waren und an dessen üppige» Festen Theil nahmen.

So war es gekommen, daß die üppigen, stutzerhaf­ten Franzosen die Preußen „lumpig" nannten und darin, streng genommen, nicht logen.

Es standen sich denn die beiden Officiere recht scharf unterschieden entgegen.

Das französische Lieutnantchen trug den Orden des heilige» Ludwig, natürlich nicht aus Verdienst, sondern aus stammbäumlichen Rücksichten, und brüstete sich nicht wenig, so jung noch, einen der höchsten Orden seines Vaterlandes zu tragen. Der Preuße, ein Mann an der Grenze der dreißig, durch Tapferkeit zu feinem Range emporgestiegen, hatte feine Brust mit dem Verdienstor­den geschmückt, beif bei alte Fritz warm hielt, das heißt, selten verlieh und nur dann und an den, der in einer blutigen Feldschlacht sich durch eine Waffenthat ausge­zeichnet hatte, die solch' hohen Lohnes würdig war. Während das Ordeuszeichen des Franzosen glänzte und prunkte, machte das Preußische, an innerem Werthe groß, äußerlich wenig Prunk. Des Franzosen Uniform war neu, fein und glänzend; die des Preußen abgeschabt und hin und wieder mit einem Flickplacke» vom" Compagnie­schneider versehen, damit nicht Wind und Regen mit Hemde Und Häut zu schnell Timtrunte—SSebxmntfti^rflr^ machten.

An den Uniformen trug man ziemlich weite, kurze, mit einem breite» Umschläge versehene Aermel und vorn aus denselben heraustretend, lange Manschette», wie sie Anno 1857 die Frauen trugen; diese Uniformen ftam den auf der Brust offen und ließen einen breiten Bu- seustreifcn oder Striefel Platz, sichtbar zu werde».

Der Franzose hatie Manschetten und Striefel von den breitesten und kostbarsten Brüsseler Spitzen, wäh­rend die des Preußen von einfachem Mousseli» waren und bedeutende Zeugnisse ihrer Vergänglichkeit an sich trugen, das heißt, vielfach zerrissen waren. Das fran­zösische Herrchen haltenden Anzug des Preußen nicht ohne einen Anflug von Spott betrachtet. Das war dem Preußen nicht entgangen und erdachte: Warte nur, ich will dir schon den Spott vergelten!

Der Preuße sagte nun, nachdem sich beide zu leb­hafter Unterhaltung" an den Tisch gesetzt und der Pfla­sterkasten in bescheidener Entfernung seinen Zahnschlüssel zurecht machte: Der Herr Kamerad erweisen mir doch die Ehre, ein Glas ächten, uralten Tokaier, den ich in einer Feldschlacht in Böhmen einem österreichischen Obri­sten abgejagt, zu trinken. Ich habe diese Flasche zu ei­ner besonders ehrenvollen Gelegenheit aufgehoben und,