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Hersfelder Anzeiger.

srp. 81. Hersfeld, den 8. Oktober. 1859*

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Eine Ehre ist -er andern werth!

(Airs der »Spinnstube auf das Jahr 1860« von W. O. von Horn.)

Es war im Jahre 1757, am 5. November, als Friedrich der Große oder ich will's besser sagen: der alte Fritz wie Wettersturm bei Noßbach über die Franzosen daher brauste und sie schlug, daß ihnen vor Furcht und Entsetzen die Zähne klapperten und es ih. nen in die Beine kam nicht zum Tanzen, was sie sonst bekanntlich auch gerne thun, sondern zum Laufen, so weit sie die Beine trugen, und das war ziemdchweit, da sie gut zu Fuß sind. Damals hat auch ein preußi­scher Officier einem französischen ein Stücklein aufge­spielt, das den Uebermuth des Französin so gründlich heilte wie der alte Fritz den des Prinzen Soubise, und der alte Fritz war in solchen Fällen ein ausstudirter Doctor! Zwischen den beiden Armeen lag am Bache eine Mühle, die war neutraler Boden, das heißt, sie hörte keiner der beiden Armeen und keine hatte sie be­setzt; vielmehr standen die Vorposten Beider eine Strecke von der Mühle zurück. Noch war kein Schuß gefallen.

Die preußischen Vorposten befehligte ein tapferer Officier. Aber der arme Mann bekam in der Nacht, welche er im feuchten Bachgrunde, wenn auch am Wach- seuer, zugebracht, ein furchtbares Zahnweh und fror über die Maßen. Man weiß schon, wie es dem armen Sol­daten im Felde geht. Bald Nässe, bald Kälte; Tag und Nacht keine Ruhe, kein ordentliches Bette kurz, Zähnepein ist da wohlfeil und spottleid)t einzuhandeln, aber wer sie hat, findet keinen Abnehmer, und rasend kann sie auch den Tapfersten, auch den machen, der Schwereres ertragen kann und vielleicht ertragen hat. Wär' nur der Schikaneder heraus, vielleicht hätt' ich dann Ruhe! sagte der Officier zu dem Lieutenant, der ihm bereits alle Mittelchen, die er im Kasten seiner Erfahrung kennen gelernt, ohne Erfolg angerathen hatte.

. Ja freilich, sagte der Lieutenant, aber wenn nur unser Pstasterkasten (und damit meinte er den Compag- nie-Doctor) nicht krank wäre! Und wo sollen wir einen herkriegen, der Euch den Störenfried herausziehe? Wir und weit vorgeschoben! Halt! rief er plötzlich aus.

Die Franzosen, so arge Windbeutel sie auch sein« gen, sind doch brav und artig, und gefällig sind sie zu aller Zeit gewesen auch gegen den Feind. Wie wär's, Herr Hauptmann, wenn wir eine Ordonnanz hinüber zu den Vorposten schickten und um einen Feldscheerer bitten ließen, der Zähne ausziehen könnte?

Ihr seid ein Rathgeber, sagte der Hauptmann, der vor Schmerz rein toll war, wie man ihn nicht leicht findest! Ich danke Euch von Herzen! Thut, wie Ihr gesagt und ich zweifle nicht, daß der ehrenhafte Feind die Bitte erfüllen wird, wenn er es nur irgend vermag.

Der Lieutenant hatte in der Conipagnie einen Sol­daten, der französisch radebrechen konnte. Der wurde mit einer weißen Fahne, zu der ein Bohnenpfahl und ein Sacktuch das Nöthige lieferten, zu den feindlichen Vorposten gesandt. Als er dort aukam, verstanden sie ihn lange nicht, bis er endlich durch allerlei bildliche Figuren den Commandanten der Vorposten auf die rechte Fährte brächte. Lachend fragte dieser auf französisch: Gelt' ein Officier hat Zahnweh?

Wui, Wui, rief der Soldat voll Freude, daß er endlich verstanden worden war.

Und, fuhr der Franzos fort, der will den Zahn ausgerissen haben? Die Frage begleitete er mit ei« ner Handbewegung, die das Ausreißer: deutlich machte.

O, Wui! Wui! rief die Ordonnanz.

Und ich soll einen schicken? fragte der Franzos, in­dem er mit der Hand von hinnen hinüber wies.

Wui! Wui! Wui! rief überglücklich der preußische Husar.

Sogleich gab der brave Franzos Befehl, den Com­pagnie Chirurgen zu holen mit seinen Instrumenten.

Als der französische Pflasterkasten mit feinem Bün­del unter dem Arme endlich hastig gelaufen kam, fragte der Commandant: Können Sie Zähne ausziehen?

Vortrefflich, antwortete der Chirurg. Ich habe in Paris bei einem Zahnarzte in Rue bon Secours ge­lernt, studirt, wollte ich sagen, und viel hundert Zähne

Gut, versetzte der Officier, um den Strom ruhm­rediger Worte, der sich zu ergießen drohte, abzudämmen. Haben Sie auch so ein Ding bei sich, womit man die Operation machen kann?

Einen Schlüssel, sagen wir Gelehrte, fuhr der Pfla»