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srv. V8. Hersfeld/ den 28. September. 1859*

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

dm Hauptmann von Lepel, Adjutant der er­sten Infanterie-Brigade, zum Compagnie-Chef im Jäger Bataillon, und

die dem Artillerie-Regiment aggregirten Second- lieutenants Bode und Müller zu wirklichen Ar­tillerie« Officieren zu ernennen;

den Major von Bischoffshausen vom Leib­garde-Regiment zum Bataillons - Kommandeur in demselben,

den Hauptmann von O e y n h a u s e n vom Jäger- Bataillon zum etatsmä'ßigeu Major im Leibgarde- Regiment zu ernennen.

Der «Kirchner von Sanet Maul.

(Fortsetzung.)

Der Kirchner empfing seine Mündel mit großer Freundlichkeit, äußerte seine herzliche Theilnahme an dem Erfolge ihrer Bemühungen um die Befreiung ihres Geliebten und ihre baldige Vermählung. Das Geld liege schon längst zu ihrer Disposition, aber wie sie selbst sähe, habe ihm die viele Arbeit der letzten Woche noch keine Zeit gelassen, die Endrechnung zu stellen, was aber in kürzester Zeit geschehen solle. Er lud sie zugleich ein, heute Abend sich die Beleuchtung der Thurm- zinnen von der Kuppel selbst aus anzusehen, nach deren Beendigung er sie über den ungefähren Stand ihres Vermögens aufklären und ihr einstweilen so viel Geld mitgeben wolle, als nöthig sei, ihren Geliebten los­zukaufen.

Das Mädchen, sichtlich erfreut, schon morgen ihren Geliebten befreien zu können, versprach nach Sonnen­untergang sich einzusinden.

Nachdem sie sich wegbegeben, verfinsterte sich die Miene des Kirchners; er ward mürrisch und rauh ge­gen seine Arbeiter, und man sah, seine Gedanken waren mit etwas ganz Anderem beschäftigt, als mit der Deco- pation seiner Kirche.

Mittlerweile sah man unten in den Straßen es wimmeln wie Ameisenhaufen. Tausende und Tausende wogten im bunten Gedränge durcheinander, ungeduldig die Stunde der Dämmerung erwartend, die ihnen ein so schönes Schauspiel bringen sollte. Und in der That war es prachtvoll anzuschauen, als beim Eintritt der Dunkelheit die ungeheure Kuppel durch Tausende von farbigen Lampen erhellt, wie ein Feuermeer weit hin strahlte, und die Corinthischen Säulen in antiker'Schön­heit hervortraten, während baute Fahnen mit Fackeln, Gesang und Musik sich langsam um die endlose Kuppel bewegten.

Elisa sah es ganz in der Nähe, aber wenn auch einen Augenblick ihre Sinne davon bezaubert werden, wäre es ihr doch lieber gewesen, wenn all' diese Pracht, dieses Strahlen und Lärmen, wieder der stillen Finster« niß der Nacht Platz gemacht hätte; sie erwartete unge­duldig das Erscheinen ihres Vormundes; denn heute noch, in dieser Nacht, wollte sie sich mit dem zu erhal­tenden Gelde ausmachen, ihren Geliebten zu überraschen, und ihn nach so vielen Prüfungen in ihre Arme zu schließen.

Die Arme! sie sollte ihren Vormund noch zu bald sehen.

Nach ein paar Stunden, als endlich die Prozession die Kirche verlassen, die Menschenmenge sich vertheilt, das Flammenmeer erloschen war, und nur hier und da noch eine Lämpchen irrlichtartig flackerte, tarn er in das Thnrmstübchen, aber wie ganz anders war seine Erscheinung als heute Mittag. Noch vom Rauche der Fackeln geschwärzt, den er sich nicht einmal Zeit genom­men hatte abzuwaschcn, finster, verstört, warf er sich, ohne einen Gruß, auf einen Stuhl des Thurmstübchens und sein irrer Blick funkelte unheimlicher als das er­löschende Oellämpchen.

Elisa, erschrocken, aber alle Kraft ihrer starken Seele zusammen fassend, erkundigte sich anscheinend unbefangen und theilnehmend nach seinem Befinden, die große Arbeit der letzten Tage hätte ihn wohl sehr erschöpft, sie wolle ihn heute nicht weiter bemühen, um so mehr, da schon die Stunde eine sehr späte geworden, Mitternacht nahe; sie bat ihn, ihr einstweilen das ver­sprochene Geld zur Befreiung Edwards auszuhändigen.