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wann. „Das Gesetz drückt sich darüber bestimmt aus, — ich würde..."
»Auch ich habe mich ziemlsch bestimmt darüber ausgedrückt", warf die Gräfin fest und ruhig ein. „Gewiß, Herr Amtmann, ich kenne den Unterschied zwischen rechtswidrigem Vorsatz, Fahrlässigkeit und bloßem Zufall."
„Ein rechtswidriger Vorsatz führte ihn wenigstens ist den Wald und zum Schießen", wisperte der Amtmann.
„Damit sind wir fertig, der Hirsch ist jetzt sein Eigenthum", behauptete mit stolzen, Anstande die Gräfin.
„Dann sind wir auch mit Allem fertig", erklärte Jener gejmgig, und Alles soll geschehen, wie die gnädige Frau Gräfin es befohlen", schloß er unter Verbeugung und Handkuß.
Kaum stand des Amtmanns Fuß auf der Schwelle, da stürzte Konrad vor der Gräfin nieder. Es war ein anderer Handkuß, den er ihr gab. Er ergriff ihre Hände beide, er drückte sie heiß an seine Lippen; er legte sie an seine Stirn, an seine Wangen, und rief mit thrä- neuvollen Augen: „Das lohne Gott, der Barmherzige! Er lohne es, bis diese Hände einst im Himmel geküßt werden von den Engeln!"
Und die Gräfin lächelte mild, und sie ließ ihm ihre weißen Hände, und er küßte diese Hände lange.
Da wagte auch ich mich aus dem Winkel hervor, ging hin zur schönen Frau, die mir jetzt noch viel schöner erschien, als vorher. Sie mochte diese Gelegenheit benutzen wollen, sie zog sanft ihre Hände empor, — sie strich damit mein Haar zurecht, welches sich verschoben hatte. Zum Handkusse kam ich nicht, ich war zu scheu, ich hätte es auch gern so gemacht, wie Konrad es machte, aber ich glaubte, das schicke sich nicht für mich, und so sagte ich nur immer: „Ich danke sehr schön."
Die Gräfin winkte, daß Konrad aufstehen sollte. Das that er und sagte mir, ich solle gehen, um seinen Kameraden zu holen, damit er helfen möge beim Fortschaffen der Leiche.
„Die Leiche überlaß nur mir", sprach die Gräfin, und schenkte noch Jedem von nns ein Glas Wein ein, „ich werde für Begräbniß und Alles sorgen. Deinetwegen müssen die Leute sehen, daß ich des Falles mich annehme. Gefängnißstrafe wirst Du nicht haben, die unvermeidlichen Kosten, die Dich treffen müssen, werden von mir getragen. Der Erlös aus dem Hirsche, der jetzt Dein Eigenthum ist, reicht nicht hin, um den Be, darf für Marie zu decken. Ich werde daher die Schulden bezahlen, die auf ihrem Grundstücke haften."
„O Gott im Himmel!" rief Konrad, „hätte ich doch Vertrauen gehabt! Wäre ich hierher gekommen! Das -Schreckliche würde nicht geschehen sein I"
„Ich glaube nicht daß ich geholfen haben würde", sagte langsam und mit einem eigenthümlich vornehmen Tone die Gräfin, „mann kann nicht Allen helfen. Wo aber Unglück ist da helfe ich gern, — und wenn ein lieber Sohn seinen lieben Vater aus Zufall erschießt,
da giebt es eben Unglück, großes Unglück. — Gotk stärke Dich, Konrad, daß Du es erträgst", fügte sie mild hinzu, „grüße Deine Braut von mir, sage ihr, ich mürbe zu ihr kommen."
Schon wollte sie den Saal verlassen, da wendete sie, sich noch an mich und fragte: „Und was wird mit Dir, Fritz? Wo wirst Du bleiben, da Dein Vetter todt ist?«
„Marie wird mich zu sich nehmen", gab ich zur Antwort, „und wenn Konrad heirathet, bleibe ich auch - da und werde ihr Kind."
Lächelnd nickte die Gräfin, und verließ mit der Kammerjungfer den Saal.
In demselben Augenblick trat der Amtmann wieder ein, begleitet von bem Arzte. Bald folgten noch zwei Diener, und nachdem der Arzt den Leichnam und die Wunde gesehen, auch letztere leicht untersucht hatte, gebot der Amtmann, die Leiche in das anstoßende, kühle Gartengewölbe zu schaffen: Da nahm ich, ehe man den Todten wieder zudeckte, schnell noch die Wünschelruthe und die Nankingmütze weg. Nun kamen jene zwei Diener und trugen den Todten in das Gewölbe, die Wünschelruthe aber und die Nankingmütze mußte ich dem Amtmann geben, der mir sagte: diese Sachen könne ich erst abholen nach dem Begräbniß. Das dauerte mich sehr. Ich fragte, ob ich. dann auch das neue Messer bekommen würde, welches mein lieber Herr Vetter in der Tasche habe. Der Amtmann bejahte es. Daß ich aber den Stock des Vetters, hatte, sagte ich nicht, denn ich fürchtete, ich würde ihn sonst ebenfalls hergeben müssen.
Konrad stand während dieser Zeit ernst und ruhig. Beim Hinweggehen sprach der Arzt einige teilnehmende Worte zu ihm, auch der Amtmann blickte mit Bedauern ihn an, sagte aber doch: „Das kommt dabei heraus, wenn man heimlich einen Hirsch schieß-n will."
Als alle fort waren, blies Konrad die Lichter aus. Der rothe Schein der Brandwolke verband sich mit der anbrechenden Morgendämmerung, welche durch die hohen Fenster drang. Draußen war es noch weit Heller als im Saale, wir erkannten deutlich die Neugierigen, die truppenweise hier und da beisammenstanden, um uns zu erwarten. Auch von der Brandstätte her, wo Viele noch arbeiteten, sah man uns zweideutig nach. Wir gingen nach dem kleinen Hause, in welchem Marie wohnte. Nicht weit davon gabs Lärm, einige Männer hielten den daherkommenden Franz auf, und der Schulmeister rief: „Fasset ihn nur fest, er war dabei, er muß zur Haft gebracht werden! Greifet zu! Auf meine Verantwortung! (Schluß folgt.)
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Die Erledigung der Schulstelle in Meckbach wird