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Hersfeldcr Anzeiger.

Vrp. ^5. Hersfeld, den 17. September. 1859*

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Kassel, 15. September 1859.

Seine Königliche Hobeit der Kurfürst und Allerhöckstderen Gemahlin, Ihre Durchlaucht die Fürstin von Hau an, sind gestern mit Gefolge von Scheveningen wieder in Wilhelmshöhe eingetroffen.

Die Johannisnacht.

Ein Waldbild von L. R. (L. W.).

(Fortsetzung.)

Was hast Du gethan, Du hast gemordet I* rief erschrocken die Gräfin.

O, nicht gemordet, nein, nein!" entgegnete Kon­rad.Klagen Sie dieses Gewehr, klagen Sie die Kugel an, die in der Brust meines Vaters sitzt I"

Hell klirrte unter dem Schlage seiner Hand das Gewehr. Mit raschem Schritte trat er zur Leiche, und zog die Decke hinweg.Hier, hier sitzt die Kugel!" sprach er weiter,die Schuldige hat sich verkrochen, hat sich tief hireingebohrt, wer kann mit ihr rechten!"

Die Gräfin, wenn sie auch den Zusammenhang des Geschehenen nicht kannte, begriff doch den Schmerz, der in Konrad's ganzem Wesen sich ausprägte. Sie warf einen Blick auf den Leichnam, winkte mit der Hand, daß wir ihn wieder zudecken sollten, und trat zurück mit dem Befehl:Erzähle Konrad, erzähle aufrichtig und wahr!"

Bei der Leiche meines Vaters, aufrichtig und wahr!" versicherte Konrad, während ich den Vetter wie­der zudeckte und mich dann traurig in einen Winkel stellte, und bei der Erzählung, welche jetzt erfolgte, oft in Thränen ausbrach.

Konrad aber erzählte wehmüthig Alles, wie es ge­schehen. Er sprach von der alten Susanne, von dem Begräbnisse, von den Rechnungen des Arztes und Apo­thekers, von der neuen Verschreibung des kleinen, was- serlosen Grundstückes, von seinem Vater und der Wün- schelruthe, von seiner Liebe zu Marie, vom Schulmeister und dessen Sohne, von dem nächtlichen Gange nach der Wünschelruthe und nach den: Hirsch,und als er kam

zu dem unglücklichen Schusse, der seinen Vater getrof­fen, da brach er in laute Thränen aus. Er konnte nicht weiter reden, wir weinten Beide. Da trat die Gräfin zu mir. Nicht ohne Theilnahme, nicht ohne Milde fragte sie:Hast Du auch Etwas zu erzählen?"

Ich wagte es nicht, zu der vornehmen und schönen Frau aufzublicken, ich schüttelte nur mit dem Kopfe, wo­bei ich schluchzend erklärte: Es sei ganz Alles so gewe­sen, wie es Konrad erzählt. Letzterer war ruhiger ge­worden, er erzählte weiter, bis zu unserm Eintritt in den Garten.

Die Gräfin ging lange, ohne ein einziges Wort zu sprechen, im Saale auf und nieder. Dann setzte sie sich und schrieb. Das kleine Papier, welches sie zu« sammenfaltete. gab sie der Kamnierjungfer. Diese ging fort damit. Die Gräfin sprach, so lange jene abwesend blieb, über Marie, welche, da sie ja bei der Gräfin in Diensten gewesen, noch im guten Andenken bei ihr stand.

Bald, nachdem die Kammerjungfer zurückgekehrt war, kam der Amtmann durch den Garten. Die Grä­fin verließ uns, sie ging mit dem Amtmann hinauf in eins der Lusthauszimmer. Wohl eine halbe Stunde lang blieben wir mit der Kamnierjungfer, welche uns Wein und Semmel brächte, allein. Dann kam die Gräfin mit dem Amtmann in den Saal zurück. Der Letztere trug einige Bogen Papier in der Hand, er hatte wohl Alles niedergeschrieben, wie die Gräfin es ihm mitgetheilt.

Sofort trat er an den Leichnam, zog die Decke weg, besah Brust, Gesicht, Wünschelruthe, Mütze und fragte nach dem Alter Konrad's und des Todten.

Als Konrad diese und einige andere Fragen beant­wortet hatte, erklärte der Amtmann, indeni er dabei le­send in den Bogen blätterte:Ich kann kaum dazn rathen, gnädige Frau Gräfin. Es bleibt immer Fahr­lässigkeit, Tödtung durch Fahrlässigkeit, und dann die Veruntreuung..."

Letztere vergebe ich ihm, ich schenke ihm den Hirsch", sagte die Gräfin, und setzte dann bestimmt hinzu:Auch eine Fahrlässigkeit scheint nicht vorzuliegen, es handelt sich hier doch nur um einen unglücklichen Zufall.«

Aber der Zufall, verbunden mit dem Vorsätze, den Hirsch zu stehlen", bemerkte halblaut der Amt-