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Hers selber Anzeiger.

W* *3» Hersfeld, den 10. September. 18LN.

DerHersfelder Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgc.; sei den Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Die Zohannisnacht.

Ein Waldbild von L. R. (L. W.).

(Fortsetzung.)

Trotz des unglücklichen Fehlschusses, den Konrad vorhin gethan, blieb mir der Jägerberuf noch immer lieb, ich fühlte es, ich wollte werden, was Konrad war, ich dachte an das Blitzen im Busche, än den Knall, an den Hirsch eben so sehr, wie an das Hinfallen des ar­men Vetters, und, wenn auch mit thränenvollen Augen, ich watete doch bald durch das hohe Gras hinüber an den Platz, wo der erschossene Hirsch lag. Lange Zeit betrachtete ich das prächtige Thier, ich umschritt es, ich griff es an, ich suchte den Schuß, fast mit einer Art von Stolz besah ich meine Finger, welche von Blut be­steckt waren.- Ich bedauerte es, daß die Sonne nicht schien; da hätten meine Finger ja roth geleuchtet, wäh­rend sie jetzt, bei der Dämmerung der Nacht, nur braun sahen. Es kam mir vor, als hätte ich einen Theil des Anrechts an den Hirsch. Hatte ich doch den Pulverblitz gesehen, den Knall gehört, war doch der Hirsch vor mei­nen Augen gestürzt, war es doch Konrad gewesen, der ihn geschossen, geschossen mit der Flinte, welche ich so ipohl kannte.

Das Alles mochte ich denken, so lange ich bei dem Hirsche stand, und durch die Majestät des Thieres ei­genthümlich aufgeregt würd. Als ich aber wieder zu- rückwatete durch das Gras, da wurden diese inneren Schwingung^ matter. Ich sah den guten, todten Vet­ter liegen, und doch besaß ich den Mnth nicht, zu ihm hinzugehen, ihn zu betrachten, ihn anzugreifen, geschweige an seinem Körper den Schuß zu suchen, mit dem Blure des Todten meine Finger zu bestreichen. Ich setzte wrch nieder an den Waldrand, ich machte mir Vor» tvurfe, klagte mich des Undankes an. Bald stand ich raher wieder auf. Ich wollte hin zum Vetter, wollte ihn angreifen, wollte mich niederkanern, wollte die Schuß ­wunde sehen in seiner treuen Brust. Und ich ging, aber je näher ich kam, desto scheuer und langsamer ging

einige Schritte vor dem Todten blieb ich schon stehen, und vermochte es nicht, ganz in seine Nähe zu

treten, oder mich niederzubeugen zu ihm, um seine blu­tende Wunde zu betrachten. Dennoch wollte ich es. Auch kauerte ich mich endlich wirklich nieder, aber ich sah nicht hin nach dem Todten, sondern seitwärts, und strich an dem nassen Grase meine Mutigen Finger ab, daß sie rein würden. Dann lehrte ich schnell zurück zu meinem Plätzchen. Hier weinte ich still, und sagte leise: Nehmen Sies nicht übel, guter Herr Vetter, ich kann ja nicht hinkommen, aber ich habe Sie Diel-lieber, als den Hirsch, o, wenn Sie nur nicht todt wären."

Noch einige Male versuchte ich es, meine Scheu oder Furcht zu überwinden. Es blieb vergebens. Aber ich ging nun auch nicht wieder hinüber zu dem Hirsche. Oft griff ich hinein in meine Tasche und befühlte den Dreier, und klagte mich von Neuem des Undanks an. .

Endlich kam Konrad. Er brächte einen jungen Kameraden mit, welcher an Jahren ihm gleich stand. Ich wußte, daß Beide Freunde waren, hatte sie öfterer zusammen auf die Jagd gehen sehen, und dann und wann war der junge Bursche auch mit zu bem Schnei­dervetter gekommen.

Sie brachten eine Trage und eine leinwandene Decke mit sich. Konrad fragte, ob ich mich gefürchtet, ob mir die Zeit lang geworden. Ich bejahte es. Wäh­rend dessen bückte^sich Konrad's Begleiter nieder zu dem Todten, um den Schuß zu untersuchen. Als er sich er­hob, sagte er:Armer Meister Haferkorn!"

Er hats überftanben", antwortete Konrad,mag auch ich nun das Weitere überstehen! Mir ist's um die arme Marie, sonst hätte ich nichts dagegen, wenn ich hier läge neben meinem Vater! Fasse an, Franz", setzte er seufzend hinzu.

Und sie faßten den Schneidervetter an, sie hoben ihn auf die Trage. Nankingmütze und Wünschelruthe legten sie ihm auf den Leib, den Stock nahm ich. Nun breiteten sie die Leinwanddecke über den Leichnam, doch ehe sie die Trage aufhoben, sagte Konradjs Kamerad: Ich muß erst den Hirsch sehen unb den Schuß", und sogleich lief er schnell an Ort und Stelle, und ich weiß, daß mirs schwer Würbe, nicht mitzulaufen.

Ernst und ruhig stand Konrad an der bedeckten Leiche, bis jener zurückkam.

Und was machen wir mit dem Hirsch?" fragte