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Nr. ?Z. Hersfeld/ den 7. September. 1852h

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Die ZoharrnisnachL.

Ein Waldbild von L. R. (L. M.

(Fortsetzung.) , .

Und nochmals zog der Vetter die Uhr aus der Tasche. Die rechte Zeit mochte gekommen sein. Die Uhr verschwand, in seiner Hand sah ich das Messer. Jetzt trat er an den Strauch, bog die Zweige ausei­nander, und ick hörte, in drei Absätzen gesprochen, die Worte:Im Namen Gottes des Vaters, und des Soh­nes, und des heiligen Geistes."

Da rauschte das Gebüsch wieder zusammen. Der Vetter trat zu mir, in der einen Hand seinen Stock, in der andern den gabelförmigen Haselnußzweig haltend, von dem er bereits die Blätter abgestreift hatte. Jetzt nahm er den Haselnußzweig unter den Arm, um die Hand frei zu bekommen und mich zu führen. Ich fühlte, wie seine Hand eiskalt war, auch sah ich, daß noch im­mer Unruhe auf seinem Angestcht lag, obgleich das Werk nun als fast vollendet geltesrfe da ja nichts mehr zu thun übrig blieb, als schMKnd den Heimweg zu- rückznlegen. Hand in Hand konnten wir nur eine kurze Strecke gehen, denn die Bäume Imb Sträucher standen zu dicht aneinander. So ließ der Vetter mich los. Er ging voraus, ich folgte schweigend nach, wir kamen wie­der an jene breite Waldwiese.

Als wir durch das letzte sIesträuch uns drängten und eben auf die Wiese treten wollten, rasselte und knarrte es seitwärts vor uns im Gebüsche. Ein Hirsch brach durch. Schon setzte er nach der Wiese, ich stand erschrocken und staunend, der Vetter kam einige Schritte zurück, um mir nun von Neuem die Hand zu reichen, die er mir schon, da er mein Erschrecken und Staunen sah, wie zum Schutz und Trost entgegenstreckte.

In diesem Augenblicke blitzte es drüben durchs Ge­büsch, es krachte ein Schuß, mit einem Schrei fiel mein Vetter auf den Wiesenrand nieder, und ein zwei­ter Schuß, da brach auch der Hirsch zusammen.

Ich wußte gar nicht, wie mir geschah. Ich sah mehr auf den Hirsch, der einige Male noch aufbäumte, als auf den Vetter, von dem ich glaubte, er sei über

eine Wurzel gestolpert und habe sich wohl wieder in die Höhe gerafft. Jetzt stürzte der Hirsch zum letzten Mal nieder, er lag nun ruhig. Ich sah mich um nach dem Vetter, auch er lag ruhig, ich ahnte nicht, daß er im Sterben lag. Vielleicht muß er so liegen, dachte ich, vielleicht gehört es zu den Gebräuchen dieser Nacht, ich wußte selbst nicht, was ich denken sollte.

Das dauerte nur einige Augenblicke. Denn über die Wiese herüber schritt schnell eine kräftige Gestalt. Bald erkannte ich in ihr einen Mann mit Tasche und Flinte, ich sah, daß es Konrad war. Er blieb stehen bei dem Hirsche, er bückte sich nieder zu ihm. Erst als er sich wieder in die Höhe richtete, bemerkte er mich. Er kam nun schnell auf mich zu und sprach halblaut: Fritz, bist Dus? Was willst denn Du hier? Aber's ist gut, daß Dus bist, ich glaubte erst, es sei ein Frem­der, den Hirsch hab ich für mich geschossen, was treibst Du aber hier, so spät und so allein?"

Ich durfte ja nicht neben, und so legte ich die Hand auf den Mund und schüttelte mit dem Kopfe, suchte auch zu verstehen zu geben, er möge den Vetter nicht stören. Konrad pt) den Vetter nicht, da deutete ich mit der Hand nach der Stelle hin, wo der Vetter in bem hohen, thaufenchten Grase lag.

Herr Jesus, wc^ ist das!" rief Konrad laut, als er seinen Helfet liegen sah. Er mochte wohl noch mehr gesehen haben. Denn er warf die Flinte weg, er beugte sich nieder, er fuhr schmerzlich fort:Blut, Blut, um Gotteswillen, Hülfe, er ist in die Brust geschossen!"

IH.

Nun erst begriff ich, was geschehen war. Ich trat dicht hin an den Vetter. Vergebens bemühte sich Kon­rad, ihn aufzurichten, der Sterbende sank schwer wieder zurück. Da weinte Konrad laut, und der Vetter reichte ihm die Hand und sagte schwach:Laß gut sein, Konrad, ich wollte Wasser schaffen, Du hast Blut geschafft, traurige Wirthschaft. Segen für Dich und Marie!"

Nun fing ich an zu weinen und zu rufen:O mein lieber Herr Vetter, sterben^Sie nur nicht!"

Da streckte der gute L-chneidervetter die Hand auch mir entgegen, er wollte sprechen, aber er vermochte es