Hcrsfe1i>cr Anzeiger.
sre. «S. Hersfeld, den 27. August. 185V.
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Die Zohannisnacht.
Ein Waldbild von L. R. (L. W.).
(Fortsetzung.)
„So will ich Euch einen Rath geben, will die Probe machen sogleich mit Eurem Thun", entgegnete mein Vetter. „Ihr wisset, wen Ihr jetzt b-graben. Die alte Susanne hat keiu Geld hinterlassen, nur eine Tochter, die hübsche Marie mit dem guten Herzen. Weil sie krank daheini liegt, konnte sie nicht mit zu Grabe gehen. Und wird sie Haus und Garten behaupten sönnen V"
„Es fehlt diesem Hauswesen an Wasser", antwortete Einer, „und wo das Wasser in unserm Dorfe fehlt da ist nicht viel zu machen. Das Herbeischleppen der Tränke für eine Kuh kostet viel Zeit, "und gekocht, gewaschen und gescheuert will doch auch sein."
;'Weiß Alles», sagte der Vetter, „aber das Wasser
ich schaffen. Es fragt sich nur, ob Ihr zusammen- greifen wollt mit einem Darlehn, so daß Marie das Haus behaupten kann. Auch ist noch Arzt, Apotheke
^ manches Andere zu bezahlen. Ihr schweigt? Ihr wollt also mchts thun?
. „Wenn Er Wasser schaffen könnte, da wäre schon fein geholfen", entschuldigten sich Einige kleinlaut, „auch hat ja Marie den Jägerburschen, der sie heirathen will, und wenn dieser derb zugreifen wollte..."
„Der greift schon zu, den kenne ich, laßt mir ihn ungeschoren, den braven Kamerad, der ist mehr werth als Ihr zusammen, traurige Wirthschaft!"
Nach diesen Worten, die mein Vetter schnell und entschieden sprach, drehte er den Leuten den Linien zu, fasste mich an der Hand und ging mit mir fort, immer hinweg über die Grabhügel.
, „Wenn Er nur Wasser schafft, Meister Haferkorn!" Nes man ihm nach, „dann wird sichs schon machen, dann
™ ^^ einen Preis und läßt sich verkaufen, nur
"traurige Wirthschaft», murmelte der Vetter.
m Sie denn Wasser schaffen, lieber Herr
E - lragte ich, als wir heraustraten ans dem Kirch- yosstyore. 7
«Stils jetzt, still davon, Fritz", bedeutete er mich,
und seine dürren Finger drückten meine Hand, und seine langen, hageren Beine schritten so weit und so schnell aus, daß ich kaum mit fort konnte. Zwischen Dorf und Gottesacker befand sich der Anger. Auf diesem lag ein Hügel, bepflanzt mit Linden. Den bestiegen wir und setzten uns in den Schatten der Bäume. Der Vetter nahm seine Nankingmütze ab. Es war sehr warm, und der rasche Gang hatte uns noch wärmer gemacht. Trotz der Wärme sah meines Vetters Gesicht noch blaß, wie immer. Aber wie immer, wenn irgend Etwas tief ihn ergriff, zog auch jetzt,' inbem er sich zu mir wendete, ein rother Streifen über seine Stirn.
„Nun will ich Dir Antwort geben auf Deine Frage", sprach er hastig. „Ja, Fritz, mit Gottes Hülfe gedenke ich Wasser zu schaffen. Weißt Du noch, was ich Dir erzählt habe von Per Wünschelruthe? Und heute kommt die Johannisnacht. Weißt Du? Da muß die Wünschelruthe geschnitten werden, wennn sie die rechte Kraft haben und die Stelle genau andeuten soll, wo Wasser liegt. Willst Du heute Abend mitgehen in den Wald?"
„Ich sagte fröhlich zu, meinte aber, daß wir im Finstern solch eine' Ruthe' nicht erkennen würden.
„Traurige Wirthschaft", versetzte er, und stand auf. „Siehst Du, wie sich dort Konrad den Berg heraus plackt mit den Eimern? Komm, wir wollen hin zur Mck« rie und zu ihm".
Er nahm mich wieder bei der Hand. Wir gingen den Hügel hinab, über den Anger hin, und er erzählte mir, daß er schon seit Frühjahr nach der Wünschelruthe gesucht, eine solche auch gefunden und Ort und Strauch gut int Gedächtnisse habe. „Ich weiß wohl", fuhr er fort, „wie Mancher es für Aberglauben und Narrens- poffen hält, daß man durch die Wünschelruthe ein Wasserlager findet. Aber laß das gut sein. Mir ists auch so gegangen, ich habe es für Thorheit gehalten, bis der Bergmann, den: ich im vorigen Winter' Nachtquartier gab, das Rechte erzählte vom festen Glauben daran, vom Gebete und von der Johannisnacht. Wäre der Bergmann nur früher gekommen, — traurige Wirthschaft."
Noch Vielerlei redete der gute Vetter, und so gelangten wir an das Haus der begrabenen Susanne. Hier gab es keine Trauerleute, kein Trauereffen, nicht