Hersfelder Anzeiger.
Mp. 67» Hersfeld, den 20. August. 1859t
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst Haben allergnädigst geruht:
den Feldwebel im 1. Infanterie-Regiment (Kurfürst) Ludwig Loderhose aus Frankenberg zum Expedj- tionsgehülfen auf dem Bahnhöfe zu Cassel auf Widerruf zu ernennen.
Der Fall von Lyon.
(Fortsetzung und Schluß.)
Geld war der Angelpunct, dem Lerouge selbst das Rachegefühl unterordnete. Während daher sein Schwiegervater Aumont an der Spitze einiger heruntergekommenen^ Bauern von Lerouge verlangte, daß der Graf das Lchaffot besteigen solle, ließ der Majre aus Habsucht mit dem Letzter» sich in Hinterhandlungen ein und versprach, ihn heimlich zu befreien, wenn er die verhei, ßene Summe verdoppele. Graf Ahmar gab sein Ehrem Wort und forderte seine Kinder. Erst jetzt wurde der Maire gewahr, daß er dies Verlangen nicht erfüllen könne. Aber seine Habsucht gab ihm eine Lüge ein. Er habe, sagte er dem Grafen, die Kinder, gegen welche er als ihr ehemaliger Lehrer Liebe hege, um ihrer Sicherheit willen nach Lyon zu einer ihm befreundeten Familie gesandt; wolle dieser nun seine Gemalin vorausgehen lassen und allein zurückbleiben, bis er das versprochene Geld angewiesen, so werde der Rettungsplan gelingen. Der .Graf ging in diese Falle und nahm Abschied von seiner Gemalin, nachdem diese von Lerouge eine bestimmte Adresse erhalten. Der Maire Lerouge bestimmte seinen Schwiegervater durch die lockende Aussicht auf Theilung des Gewinns, seinen Plan anzuneh- ?mt Um aber den Pöbel zu befriedigen, sollte ein an» Lter Royalist als Graf Aymar hingerichtet werden. Diese ^ll gelang. Das bluttrunkene Volk jauchzte, als der glattgejchorene, bartlose Kopf des vermeintlichen Gra> sen unter dem Fallbeile hervorrollte. In der auf diese trugenfcye Hinrichtung folgenden Nacht trat Lerouge mit seinem Schwiegervater tief verhüllt in des Grafen
Gefängniß und forderte ihn auf, mitzugehen, um das versteckte Geld abzuliefern und dann frei von dannen zu wandeln. Im Geheimen hatten sie sich verabredet, den Grafen, wenn sie im Besitz des Geldes seien, dennoch sogleich zu ermorden und zu verscharren oder ins Wasser zu werfen. Graf Aymar, scharf bewacht, führte die beiden Verschwornen in ein Dickicht des Schloßparks und bezeichnete ihnen die Höhlung eines Baumes als Versteck des Geldes. Sogleich stürzten sich Lerouge und Aumont, jeder dem Andern vorauseilend, auf die angedeutete Stelle. Lerouge ließ die mitgenommene Blendlaterne fallen und in dichter Finsterniß entspann sich am Fuße des Baumes zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn ein wilder Ringkampf; jeder wollte Sieger sein, um das Geld nicht theilen zu müssen. Graf Aymar benutzte bieten Augenblick und entfloh, lächelnd über die gelungene List.
Glücklich erreichte er die Straße von Lyon, aber eine Viertelstunde davon, sah er sein Weib in Thränen gebadet sich entgegen kommen. Lisette, welche sie aus Lerouge's Befehl nach Lyon begleitet, hatte ihr das schreckliche Ende ihrer Kinder offenbart. Diese Kunde zog das Herz des unglücklichen Vaters in krampfhaftem Schmerz zusammen, aber der allgemeine Wuthausbruch der Republicaner legte ihm die Pflicht auf, Demuth zu heucheln, etwas Anderes zu scheinen, als er war. Er hüllte seinen Leib in grobe Kleider und trug die Embleme der Republik, aber in seiner Seele kochte ein heißes Rachegefühl und es trieb ihn ein gewaltiges Sehnen dem Tage der Sühne entgegen. Dieser Tag schien nahe zu sein. In edle Zorneswuth versetzt durch Robespier- re's und seiner Banden scheußliches Verfahren gegen die Girondisten, stand die gemäßigt republicanische Bevölkerung Lyons in Verbindung mit vielen royalistisch Gesinnten gegen die Schreckensherrschaft auf. Da legte auch Graf Aymar die edelmännische Tracht wieder an, erhob die Fahne der gerechten Empörung und half, einer der Tapfersten an der Spitze der Känipfer, die Jakobiner vom Stadtregiment vertreiben. Ganz Lyon ward ein Schauplatz wilden Bürgerkampfes.
„Schlagt die jakobinischen Hunde todt!" predigte das Conventsmitglied Jsnard; „fehlen Euch Waffen, so nehmt Keulen, fehlen Keulen, so scharrt die Knochen