Hcrs seid er Anzeiger.
N-r. TG. Hers selb, den 17. August. 18SS.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal' 7z Sgr.; beiden Postanstalten kommt der nblicke Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bet Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
den bisherigen Hegeförster und Fasanenjäger Johann Georg Rack zu Wilhelmshöhe nunmehr pro- visorisch zum Hof-Holz- und Kohlen- Magazins.Verwalter zu ernennen;
den Rechtspraktikanten Ernst Wilhelm Bickell in Cassel zum Untergerichtsanwalte bei den Justizämtern zu Nentershausen und Sontra mit den: Wohnsitz in Nentershausen zu bestellen;
die erledigte Pfarrei Niedenstein in der Klasse Güdensberg dem Pfarrer Johann Conrad Peters zu Steinbach-Hallenberg,
die erledigte Pfarrei Oedelsheim in der Klasse Gottsbüren dem Pfarrer Abraham Cöster zu AU teuhasungeu,
die erledigte Pfarrei Amönau in der Klasse Wetter dem Pfarrer Schön hals zu Hass'enhausen, zu übertragen,
den zu der erledigten Pfarrei Haueda in der Klasse Zierenberg präsentirten Candidaten Philipp Rom- mcl aus Oberkaufungen zu bestätigen, und
dem Dr. med. Franz König aus Rotenburg die Praxis als Arzt, Wundarzt lr Klasse und Geburts^ Helfer mit dem Wohnorte Homberg zu gestatten,
den Amts Actuar Friedrich Huhn von Spangenberg in gleicher Eigenschaft zum Justizamte in Kirch- hain zu versetzen.
Des FM vsrr Ayorr.
Die Todsünden der französischen Jakobiner sind in taufenden von treffenden Schilderungen der Welt verkündet worden; bis auf die geheimsten, kleinsten Falten wurden die Charaktere und die Grausamkeiten der cxtre- men Revokutionsmänner anfgedeckt, deren Streben dahin ging, einen von den Philosophen erträumten Musterstaat durch Barbarei zu gründen, und es gibt kaum einen Ort in dem weiten, schönen Frankenreiche, woselbst während der verschiedenen Phasen per ersten französischen
Revolution nicht wenigstens einmal jener Paroxysmus mit d'er obligaten „Heiligen." Guillotine grassirt hätte.
Die große Zahl derjenigen Männer, welche 1789 in der Ueberzeugung, es müsse endlich die purificirende Hand an die Schäden und Gebrechendes Staats gelegt werden, die Nationalversammlung conffttuirten, war gewiß fern von der Idee, daß die Bewegung der Nation nach wenigen Jahren schon im politischen Wahnsinn, in gemeinen Grausamkeiten und entsetzlichen Verbrechen gipfeln könnte. Wenn sie sich entschlossen, den auf dem Bürgerthume haftenden schweren Druck, die Schändlicy- keiten der Generalpächter, die Bosheiten des Adels gegen die Bauern und die rücksichtsloseste Verschwendungssucht des Hofes endlich zu beseitigen, so geschah es in der Zuversicht, daß die Gewalthaber in ihrem eigenen Interesse Nachgiebigkeit, Besserung zeigen würden. Als diese Zuversicht aber zu eitler Täuschung ward, da entflammten die politischen Leidenschaften, und aus Haß, Rachegefühl und Verzweiflung erwuchsen Rolcheiten und viehische Genußsucht. Es ist hinreichend bekannt, wie der Thron endlich stürzte, die Häupter des KönigSpaars auf dem Schaffot fielen und von den zur Gewaltherrschaft gelangten Sansculotten unter Marat's, Danton s, Robcspicrre's rc. Leitung ein durch das ganze Land gehendes Morden der Verdächtigen angeordnet und ausgeführt ward; wie die edler gesinnten Provinzen aber sich für Recht und Menschlichkeit erhoben und meist niedergeschlagen wurden; es giebt indeß noch geschichtliche Episoden, welche zum Theil nur in Familienerinnerungen fortleben und für weitere Kreise mittheilenswerth sind.
Kaum drei Stunden von Lyon entfernt lag am Ufer des Rhone die schöne Besitzung des Grafen Aymar, zum Flecken Verraix gehörig. Der dreißig Jahre alte Graf, seit 1785 verbeirathet, hatte hörige Bauern, aber er erleichterte ihnen die Dienste, welche sie zu leisten hatten, in der humansten Weise und erließ sie in Krankheitsund Nothfällen ganz. Wenn einem oder dem andern seiner Bauern Saatgetreide fehlte, so schenkte ihm der Graf von seinen Speichervorräthen. Wirklicher, namentlich unverdienter Noth, half er in seinen Umgebungen stets ohne Eigennutz ab, so daß er von Dankbaren und Würdigen innig verehrt ward. Dennoch hatte er Feinde, welche nur den rechten Moment erwarteten, um ihm zu