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Hers selber Anzeiger.

sr*. 65» Hersfeld, den 13. August. 1859*

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Somabends. — Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; oei den Postanstalteii kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen unb die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Kassel, am 11. August 1859.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst und Allerhöchstderen Gemahlin, Ihre Durchlaucht bje Fürstin von Hanau, sind heute mit Gefolge nach Scheveningen abgereist.

Seine Königliche Hoheit der Karrfürst haben allergnädigst geruht:

den Hauptmann von Nordeck vom 3. Infante­rie-Regiment zum 1. Infanterie-Regiment, Kurfürst, zu versetzen, sowie

den Hauptmann und 2ten Divistons - Adjutanten 'von Baumbach a la suite des 2. Infanterie- Regiments zu setzen.

Der Myrtenkranz.

Erzählung von Carl Teschner.

(Fortsetzung und Schluß.)

Henry, weniger kaltblütig als ein geborener Eng­länder, raste, als er diesen Brief- empfing, und schalt Harriet eine ungetreue Verrätherin. Die unglückliche duldete Alles und ließ sich schweigend zum Altare schlep­pen. Während ihr Bräutigam mit stolzen Blicken trium- phirend um sich blickte und ihr Vater sich in eitlem Uebermuth blähte, stand sie wie eine lebendig» Leiche vor dem segnenden Priester. Als sie als Gattin Lord Havertheen's aus der Kirche zurückkehrte, fand sie einen frischen Myrtenkranz vor, den Henry ihr mit einer Ver­wünschung gesandt hatte. Sie drückte den Kranz mit Inbrunst an ihre Lippen und schloß ihn als Reliquie ein. Master Steward mußte auf seines reich geworbe­nen Schwiegersohnes Antrieb seinen Abschied vom Staats­dienste nehmen und das Palais beziehen, welches der £ - Tn v N^e der Mohamed-Baths zu Brighton befaß und nach der Hochzeit mit Harriet bewohnte, um einen Theil der glänzenden Badesaison zu genießen. Nach vierzehn Lagen nöthigte er sein Weib, mit ihm auf seine

geerbten Landgüter in der Grafschaft Kent zu reisen, während der Vater in Brighton zurückblieb. Anf den Gütern des Lords begann ein wildes Treiben. Er lud eine Menge gleichgesinnter Genossen ein, trieb sich mit ihnen Tage lang auf der Zagd umher und verbrachte die Nächte bei rauschenden Trinkgelagen. Harrtet mußte freundlich kredenzen und äls sie nach dem ersten Male die Wiederholung mit Ekel verweigerte, zeigte der Ge­nial sich , gemein und gab ihr mit dürren Worten zu verstehen, daß sie sich glücklich preisen müsse, weil er sie aus einer Bettlerin zur Lady gemacht. Diese gefühl­lose Kränkung, in Gegenwart Dritter wiederholt, gab der Gesundheit der Lady Harriet den letzten Stoß. Sie fing an zu kränkeln und konnte das Zimmer nicht mehr verlassen. . Lord Havertheen sandte sie mit ihrer Kam­merfrau nach Brighton zurück.

Der—Trauungsart und eine zweimonatliche Tren­nung hatten in Henry's Seele die Erinnerung an Har­riet nicht zu ersticken vermocht; er liebte sie noch mit dem ganzen Feuer des ersten Geständnisses und hatte sich nach verrauchtem Zorne zeschwore», sie nicht zu ver­gessen. Harriet war kaum sechs Tage zurückgekehrt, so bestach er die Kammerfrau md schlich in ihre Wohnung. Harriet sank erschreckt auf ein Lwpha, als er wie ein mahnender Geist erschien.

„Verzeihe mir, Harri«," flüsterte er, vor ihr nie» derknieend und mit Jnbruist ihre Hände küssend, „wenn ich Gewalt und List verenigte, um Dich wiederzusehen; ich bedarf Deiner und kam nicht leben, ohne in Dein Antlitz zu schauen. Du hft einst meine Seele mit ho­hen Gedanken erfüllt, hast meinen Geist mit Sehnsucht nach Rubin zu hehrem schaffen angespornt, und jetzt wolltest Du mir nichts ntBr sein, Harriet? Jetzt woll­test Du mit herzlosem Bwußtsein mir den Dolch in die Brust stoßen?"

Die kranke Lady wehre den Stürmischen mit aller Macht ab und wollte sicherheben, aber er hielt ihre Knie krampfhaft umfaßt uv verhinderte es.

„Du bist an einen ohen Wüstling verheiratet," fuhr Henry aufgeregt fortsich will glauben, baß Dein Herz sich, dem eisernen Wien des Vaters fügen mußte; aber jetzt, wo Du offenbaroerlassen bist, wo Lord Ha­vertheen bereits einer frazösischen Abenteurerin, die