Hers selber Anzeiger.
^n 64 Heröfeld, den 10. August. 1N59>
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis teiicl* Seit bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt bet üblidie Post» «ufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller. bet Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
den Major von Heimrod vom Leibgarde-Regiment zum Oberstlieutenant,
den Major von Ost er hausen vom Leibgarde- Regiment zum Commandeur des Schützen-Bataillons,
_ den Hauptmann Martelleur vom 3. Infanterie-Regiment zum etatsmäßigen Major im 1. Infanterie-Regiment, Kurfürst, zu ernennen.
dem Hauptmann von Stockbansen, Platzmajor von Cassel, den Charakter als Major zu verleihen, ben Premierlieutenant von Nordeck botu 1. Infanterie-Regiment, Kurfürst, zum Hauptmann und Compagnie Chef im 3. Infanterie Regiment,
den Premierlieutenant von Baumbach vom 2. Infanterie-Regiment zum Hauptmann und 2ten Divisions-Adjutanten zu ernennen,
den Premierlieutenant Otto, a la suite des 3. Infanterie - Regiments, von der Stelle eines 2ten Adjutanten der 1. Infanterie Brigade zu entbinden und zum 1. Infanterie-Regiment, Kurfürst, zu versetzen, sowie
den Secondlieutenant von Roques vom 2, Infanterie-Regiment zum Premierlieutenant in demselben zu ernennen.
Der Myrtenkranz.
Erzählung von Carl Teschner.
Der Director des Irrenhauses zu Boulogne, Dr. Sahr, führte einen berühmten Philanthropen, welcher die Wohlthätigkeits- und Heilanstalten von ganz Europa besuchte, um Materialien zu praktischen Verbesserungen
Vorschlägen zu sammeln, in seinem Institut von Zelle zu Zelle, welche durchgängig mit weiblichen Irren besetzt waren.
, "Sie lernen", begann Dr. Sahr an der ersten Zelle fangen Corridors, „gerade in den Wohnungen weiblichch: Wahnsinnigen die schwärzesten Nachtseiten des ^ebens kennen, und Sie würden schaudern, wenn
Sie nicht bereits eine Fülle von großen Erfahrungen besäßen. Hier ist ein Mädchen, die ihren Geliebtes einen talentvollen, aber excentrischen Künstler, aus Eifersucht mit einem kühlenden Trunke vergiftete, weil sie fürchtete er könne die Geliebte weniger fu ßn finden, als die Madonna, die er nach einer modernen Ninon de Lenclos malte. Sie weint ununterbrochen Tag und Nacht und ringt sich die Hände blutig. Wenn sie genesen sollte, muß sie vor die Assisen."
„Diese", sagte er an einer zweiten Zelle, „rast seit zwei Jahren wie eine Furie, weil ihr bis zur un-. männlichen Schwäche gutmüthiger Gatte in Folge ihrer grenzenlosen Verschwendungs- und Putzsucht verarmte und sie ohne Schuld in die peinliche Lage versetzte, ihre Blöße nicht mehr bedecken zu können? Sie ist zum Skelet abgezehrt und geht ihrer Auflösung entgegen.
Diese Dritte wurde irrsinnig von Calais zurückgebracht, wohin sie ihrem Manne, einem schlechten Gesellen nachgeeilt war, als er sie heimlich verlassen hatte, um mit einer Tänzerin nach England zu fliehen. Sie kam zu spät; das Schiff, welches den Treulosen davon trug, hatte bereits den Anker gelichtet."
„Es ist entsetzlich", rief der Philanthrop mit innerer Bewegung, „welche Verwüstungen im Garten der Menschheit die Entsittlichung, jene furchtbare Schlange, anrichtet!
Der Director führte ihn zur vierten Zelle. „Hier ist", sagte er seufzend, „die Tochter eines meiner treue» ften Freunde, eine Dame aus feiner Familie und noch Jungfrau; sie hat eine Erziehung genossen, wie sie wenigen ihres Geschlechts zu Theil wird. Aber sie verbrachte den größten Theil ihrer Mußezeit mit dem Lesen der Dichter ihres Vaterlandes und raubte sogar, als der Vater ihrer schwärmerischen Manie Einhalt gebot, dem Schlafe seist Recht, um heimlich zu lesen. Sie wollte eine große Dichterin werden und fand ihr Pantheon im Irrenhause. Der Kranz, den Sie auf ihrem Haupte sehen, ist der Lorbeerkranz ihres eingebildeten Ruhmes; so geschmückt zog sie mehre Male, mit weißem langwallendem Kleide angethan, zum Gespötte des Pöbels durch die Straßen, um sich als vermeintlich gekrönte Dichterin bewundern zu lassen, bis ihre Familie sich genöthigt sah, sie in diesem Hause den Blicken der Welt zu entziehen. Sie wird wild, wenn der Kranz ihr fehlt.