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£ er ? selber Anzeiger.

St*. 63» HerSfeld, den 3. August. 1859.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7J Sgr.; oei den Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei« Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den «Hauptmann Schindler, a la suite des 1. Infanterie Reginients (Kurfürst), und

den Hauptmann Geßner, a la suite des 3ten Infanterie-Regiments, in den genannten Regimentern einrangiren zu lassen, sowie

den Oberstlieutenant von Apell, a la suite des Schützen - Bataillons, mit Pension ausscheiden zu lassen.

Die Verbrennung von EberSverg.

Es schmerzte den Kaiser Franz tief, daß ihm der korsische Eroberer theils durch den Frieden von Preß- burg, theils durch das Abfordern seiner Tochter Marie Louise, die er unter den gegebenen Verhältnissen nicht versagen zu können glaubte, gedemüthigt und zu einem Schattenkaise.r entwürdigt hatte. Daher ersah er, von vielen Seiten gedrängt, den 9 April 1809 als den Tag, an welchem der Friede mit Frankreich und den Rhein- bundsstaaten an allen Grenzen der österreichischen Mo- narchie aufhörte, und zwar mit der bestimmt ansgesproche- lien Absicht, die Franzosen aus Deutschland gänzlich hinauszuwerfen.

Die Hauptarmee unter Erzherzog Karl überschritt am 10. April den J»n, und brach in Las seit dem pres- burger Frieden zu Bayern geschlagene ehemalige öster­reichische Gebiet ein. Mit Windeseile erschien aber Na­poleon auf dem Platze der Actionen und rückte, unter» stützt durch die Rheinbündler, seine hochtrabenden Pxo- claniatiouen vor sicher sendend und der Welt zum hundertsten Male Freiheit, Frieden ni d Glückverheißend,

, tapfern, aber an Cavallerie und Artillerie weit L k ^etn österreichischen Heere so hart auf den Hals, daß der geniale Karl trotz aller Anstrengungen bei Re- gensburg, Pfaffenhofen, Thaun, Abeudsberg, Landshut, Eckmuyl und Ebersberg mehr oder minder bedeutende Treffen verlor.

Unaufhaltsam rückten die Franzosen über Braunau,

Ried, Wels, Steher rc. gegen Wien vor. Zwischen Wels und Steher, unterhalb Linz, an der Traun, auf einer Anhöhe, lag das schöne Städtchen Ebersberg mit etwa 3090 Einwohnern, sämmtlich Deutsche. Diese Position hatte militärische Wichtigkeit, den» sie beherrschte, mittels eines Castells, auf der directen Straße Linz St. Pölten Wien, eine Brücke über den Fluß. Sie wurde gehalten von den, durch die bisherigen Schlachten decimirten Corps des Erzherzogs Ludwig und des Gene­rals Hiller.

Der Herzog von Jstrien, General Qudinot, und der Herzog von Rivoli, griffen sie an. Kurz vor Ebers« berg stieße» die italienischen und corsischen Jäger auf den österreichischen Nacktrab. General Claparede, wel­cher den französischen Vortrab befehligte, ließ mit Ka­nonen auf die Stadt schießen, weil er hörte, es liege ein Castell dahinter.

Schon hierdurch entstand in tym von Holz erbauten Häusern ein Brand, der vielleicht gelöscht worden sein würde, wenn dazu Zeit gewesen wäre, allein die Fran­zosen waren den Oesterreichern so dicht aus den Fersen, daß der Kampf um Ebersberg sich unmittelbar entwickelte und die ersten Tirailleurs Claparede's, kühne corsische Scharfschützen, mit den Oesterreichern vermischt, in die Stadt eiudrangeii, natürlich um großentheils sofort ver­nichtet zu werden. Beide Parteien schlugen sich mit der größten Erbitterung und Wuth. Wohl wußten die Oesterreicher, und die Geschichte bat es bestätigt, daß wenn die Franzosen zum zweiten Male Herren Deutsch­lands wurden, sie weit schlimmer hausen würden, als 1805 und 1806.

, In dieser Ueberzeugung, und in dem durch das mehrhundertjährige schlechte Benehmen der Franzosen gegen Deutschland hervorgcrnfeiien Nationalhasse, besetz­ten sie p8e Mauer, jeden Baum, jedes Fenster und jedes Dach. Ihre Kugeln säeten Tod und Verderben in die Reihen der Feinde, so daß diese es selbst in geschlossenen Trupps vergeblich versuchten, in die Straßen einzudringen.

Da griffen sie zu einem barbarischen Mittel: sie zündeten auf zwei Seiten die Stadt an, und da das Feuer nirgend Widerstand, vielmehr in jedem der höl« zernen^Häuser reichliche Nahrung fand, so glich Ebersberg in kurzer Zeit einem Flammenmeere. Niemand konnte