Hcrsfeldcr Anzclgcr.
R<». «O. Hersfeld/ den 27. Juli. 1859*
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> Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst- geruht:
den Geheimen Cabinetsrath Sigmund v. Meyer von der Stelle eines Ministers des Kurfürstlichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten zu entbinden;
den Major von Humbert vom 1. Infanterie- Regiment, Kurfürst, mit Pension als Oberstlieutenant ausscheiden zu lassen, und
den Hülfs-Expedienten Heinrich Braunhof zu Kassel zum Kanzlisteu im Finanz-Ministerium provisorisch zu ernenne».
Dre Belagerung von Wittenberg.
' Drangsale im wahren Sinne des Worts hat die ehemalige Sachsenstadt Wittenberg, die Wiege der christlichen Reformation und der sächsischen Gelehrsamkeit, im Frühjahr 1813 erlebt: Drangsale, die wenn es zu beweisen gilt, daß die Franzosen in Deutschland sich oftmals nicht wie Soldaten der Civilisation, sondern als raffinirte Barbaren betrugen, als laute und unwiderleg- liche Anklagen gelten und zu Kassandrarufen für die Gegenwart werden. Denn in der altberühmten Universitätsstadt Wittenberg benahmen sich die peinigenden Gäste nicht wie Helden, die, von der Gloire trunken, gegeN-die Besiegten höchstens einen großherzigen Humor Mir Schau tragen, sondern wie vandalische Kohorten, berauscht vom Haß gegen Deutschland, und zwar nicht blos die Gemeinen, sondern auch und vorzugsweise die hohen und höchsten Officiere. Der König August hatte sich, den Nacken unter das schlimme Joch der Nothwendigkeit beugend, dem Rheinbünde angeschlosseu und willig die Eroberer in seinen Marken ausgenommen; er hatte ihnen Alles geopfert: unabhängige Majestät, Reichthum, und die Liebe taufender seiner mißvergnügten Unterthanen, und er durfte dafür wenigstens schonende Behandlung des Volkes und Respectirung freniden Eigenthums hoffen; aber die Franzosen betrugen sich nicht wie Bundesgenossen, sondern wie erbitterte Feinde. Dafür daß
die sächsischen Truppen, die man zu Landesverräthern gepreßt hatte, sich gegen die Russen an der Düna wie Löwen schlugen, schändeten bald nachher die edlen Bundesgenossen ihre sächsische Heimat.
Im Januar und Februar zogen die zerlumpten und hungernden Trümmer der „großen Armee", aus Rußland zurückkehrend, durch Wittenberg. Die Herzoge von Bas- sano und Castiglione (Augereau), die Generale Sebasti« am, Pino und Latour-Maubourg, waren darunter. Marschall Victor folgte ihnen mit großen, halb zerrütteten Haufen nach und ordnete die Besetzung Wittenbergs an. Zwei frische Bataillone aus Frankreich, die sich durch Raub und Ausschweifung dafür zu rächen schienen, daß sie so spät m den „Garten Europa's" geführt wurden, rückten mit einer zahlreichen Schaar habsüchtiger Kriegs- commissare, Secretäre, Couriere, Postofficiantcn ac. in die Stadt und besetzten nach dem Plane des Ingenieur- obersten Tressart sogleich Thore und Wälle, ohne daß von den vormarschirenden Russen auch nur eine Spur zu entdecken gewesen wäre. Außerdem beglückte die Huld des Herzogs von Bellnno (Sictor) Wittenberg mit dem Peststoff des Nervenfiebers, indem er die lebendigen Leichen der „großen Armee" daselbst einquartirte. Die Durchmärsche, verbunden mit drückenden Requisitionen, nahmen kein Ende. Der ganze flüchtige Schwall: der Vicekönig von Italien, der Marschall Gonvioi/St. Cyr, die Generale Lorgne und Dumas, und mehre hundert Stabsofficierc halfen wie Vampyre an den Resten des Wohlstandes saugen, welche die Octobertage des Jahres 1806 übrig gelassen hatten. Abgesehen von den "endlosen, auszehrenden Durchmärschen, befanden sich bereits am 7. März so viel Franzosen in der Sradt, daß jedes Haus mit zehn bis dreißig Mann belegt war, und ein Theil der Regimenter sogar bivouakiren mußw. Jetzt würde der- Anfang der Verwüstung gemacht, unter welcher Witenberg bis zum 12. Ianuar 18 14 seufzte. Die Bedrücker schlugen die Bäume der Alleen zu Wacht- feneryolz nieder. Auf den umliegenden Dörfern raubten die so gepriesenen Garderezimeuter den Bauern Ochsen, Kühe und Schafe und verdarben das Fleisch derselben, das sie nicht verzehren konnten. Damit nicht zufrieden setzten sie den geängsteten Bewohnern das Bayonnet auf die Brust, um Geld und Schmuck zu erpressen. Am