Mp. 57. HerSfeld, den 16. Juli. 1859*
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Ein deutsches Husarenstückchen anS dem Jahre 1809.
Von E. Heusinger.
Es war in der Umgegend von Borna, einem nicht weit von Altenburg gelegenen Städtchen, vor dessen Thoren der Heldenherzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig, auf seinem berühmten Zuge von Böhmen an die Küsten der Nordsee, in der Nacht vom 24. Juli mit seiner tapfern schwarzen Schaar bivouakirte, wo von den Lieutenants v. Nochow und Heugel II. ein Coup ausgeführt wurde, welcher das Corps als ein günstiges Vorzeichen seines gefahrvollen Unternehmens in eine höchst fröhliche Stimmung versetzte. So kühn das Wag- pfuf, so glücklich wurde es ausgeführt. Möge es als ein Muster zur Nachachtung für unsere jetzt von Vaterlandsliebe so herrlich begeisterten jungen Krieger, und zur Erinnerung an jene große lehrreiche Zeit, nach den Aufzeichnungen des damaligen Lieutenants -Heugel, hier einen Platz finden.
„Am 25. Juli commandirte mich der Herzog persönlich, ehe noch das Corps von Altenburg aufgebrochen war, mit vier Husaren nach Borna zu reiten, um für das ganze Corps, welches dort Mittag machen sollte, die nöthigen Portionen und Rationen zu requiriren. Rasch ritt ich von Altenburg ab und begegnete auf der Höhe vor Borna einem Revierjäger, den ich anhielt und examinirte. Als derselbe mir erzählte, daß Borna von feindlicher Cavallerie besetzt sei, behielt ich ihn bei mir damit unser Abmarsch dem Feinde nicht zu früh verrathen werde, stellte zwei Husaren auf Vorposten und schickte den dritten an den Major von Scriver, welcher •n dem Tage die Avantgarde befehligte, um über das Gehörte Rapport abzustatten und um Verhaltungsbefehle zu bitten; den. vierten behielt ich bei mir zurück. In Erwartung meiner Ordre, verdoppelte ich meine Auf- merksamrelt von dem eingenommenen Standpunkte, wel. cher mir die Gegend deutlich zu übersehen gestattete. Nach Verlauf von einer Stunde kam der Lieutenant von Nochow mit nenn Husaren und dem Befehl daß ich vercini mit ihm nach Borna vorrücken, aber einen Zu- ßzmmenstoß mit dem Feinde, wo er sich draußen zeige, v^rsterden sollte. Wir gingen mit den gewöhnlichen
Sicherheitsmaßregeln vor. Bei den ersten Häusern vo« Borna augekommen, ließ v. Nochow das Kommando auf» marschiren und ertheilte die nöthigen Befehle. Mit gezogenem Säbel sprengten wir mitten auf den Marktplatz, wo wir statt der erwarteten feindlichen Truppen den gesummten Magistrat versammelt fanden, der über unser unerwartetes Erscheinen sehr verwundert that. Auf unsere Frage e> fuhren wir, daß vor einer halben Stunde ein Transport von achtzehn einspännigen Wagen mit Militäreffecten unter Bedeckung von fünfzig Mann Infanterie und zwei Offiewren auf der Straße von Dresden abgezogen sei. — Wir waren in Verlegenheit, was zu beginnen. Was wir unternahmen, geschah auf unsere Verantwortung. Ein rascher Entschluß mußt« jedenfalls gefaßt werden I
Von Nochow sagte sich zu mir wendend: Wollen Sie mich begleiten, so ließe es sich versuchen, die Burschen eiuzuholen; ich denke, wir fangen sie."
Nochow hatte mir im Augenblick keine Befehle zu ertheilen, da ich die gemessene Ordre hatte, die Ankunft des Herzoges in Borna zu erwarten; nur gesuchsweise konnte er auf mich einwirken. Aber die Versuchung war zu lockend, ich sagte zu.
In größter Eile, aber mit besonnener Umsicht, bestellte ich bei dein Magistrate das Doppelte der nöthigen Rationen, um gewiß zu sein, das Einfache zu bekommen, und fügte die Drohung hinzu, daß ein strenges Gericht über die Stadt kommen würde, wenn das Geforderte nicht zur bestimmten Zeit geliefert würde. Dann mach« ten wir Kehrt, und folgten trotz der enormen Tageshitze dem Transporte im schönsten Trabe.
Als wir nach einer guten Stunde zwischen den Dörfern Kitscher^und Steinbach angekommen waren, gab uns eine dichte Staubwolke das Zeichen, daß wir nicht mehr weit vom Wagenzuge entfernt waren.
„Nochow, als der Aeltere im (Sommanbo, ertheilte mit Umsicht die Ordre; in zwei Reihen im vollen Pferdeslauf an dem Zuge vorbei zusprengen, den vordersten Wagen anzubalten und das Geschrei: Infanterie vor! zu erheben. Da wir dabei selbst eine undurchdringliche Staubwolke aufwirbelten, -so hatte die 'Kriegslist den glücklichsten Erfolg. Die Feinde, welche uns erst spät bemerkten, wurden überrascht; ehe sie sich von ihrer