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Nr. 56» Hersfeld, den 13. Juli. 1859+

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A?N -er Grenze.

Novelle von Marie von Roskowska.

(Schluß )

Im Herbst kam ein Brief mit einigen Geschenken fair die Pflegerinnen Berko's von dessen Oheim. Er schrieb, daß er mit seinem Neffen nach Wien reisen werde, um einen berühmten Augenarzt zu Rathe zu ziehen.

Nachdem die Körper- und Geisteskräfte der alten Frau immer mehr abgenommen hatten, schlief sie endlich sanft ein. Franja fühlte sich unsäglich einsam und ber* lasten. Obgleich die meisten Dorfbewohner ihr freund­lich zugelhau, waren sie doch Fremde, und sie vermißte die ernste, innige Theilnahme, welche man nur im Kreise seiner Familie findet. Ihre Gedanken schweiften oft zur Vergangenheit zurück, hasteten indeß selten bei dem Andenken Georg's, desto öfter aber bei dem Berko's. Dieser ließ nichts von sich hören, allein im Grunde ihres Herzens lag die Gewißheit, er werde wieder- kchren.

Sie erfuhr, Georg sei nach längerer Abwesenheit nach dem Stabsorte zurückgekommen und nächstens solle seine Hochzeit sein. Die Familie Jankowisch, ja, das ganze Dorf gerieth über Lies Ereigniß in die größte Aufregung, nur Franja blieb so ruhig, daß sie fiel/selbst darüber wunderte.

An einem Frühlingstage hielt ein leichtes Fuhr­werk vor ihrem Hause. Ein junger Mann sprang her­aus und eilte in den Garten. Die Operation war ge­lungen, Berko sah durch die Büsche ein weibliches Ge­wand schimmern, und davon, daß sie es sei, überzeugte ihn daS Lied, welches sie sang, und die Stimme, welcher er in,seiner Blindheit oft andächtig gelauscht.

Franja bemerkte ihn erst, als 'er neben ihr war und warf sich mit einem Freudenrufe in seine Arme. Beschämt wollte sie sich im nächsten Augenblicke znrück- ziehen, allein er gestattete das nicht sogleich.

Beiden schien es, die Gegenwart "knüpfe unmittel­bar an die ferne Vergangenheit an, in der sie als Kinder mit einander gespielt, und alles Dazwischenliegende sei ein wüster Traum. granja^ Liebe für Georg war völ­lig erloschen und hatte einer vielleicht noch innigern für Berko Platz gemacht.

Als Franja mit Berko vor dem Traualtar stand,

war es die Empfindung eines reichen, ungetrübten Glücks welche die schöne Braut beseligte.

Georg wurde bald nach seiner Verheirathung Lieu­tenant, doch empfand er schon nach Unser Zeit nicht mehr die Befriedigung und Glückseligkeit, welche er einst mit dieser immens hohen Rangstufe in der menschlichen Gesellschaft für unzertrennlich gehalten; er wünschte Capitain oder mindestens Oberlieutenant zu sein. Seine Ehe war ziemlich glücklich Josephine war in ihn sehr verliebt und gab ihm niemals zu verstehen, daß sie sein Glück gemacht habe; er seiner Seits war nicht undank­bar, obgleich er oft im Stillem wünschte, seine Frau möchte ein Decennium jünger unb etwas weniger häßlich sein. Indeß sühnte er er sich auch damit ziemlich aus, als nach Jahr und Tag sein ehemaliger Capitain sein Schwager ward; die schöne Theresia war unerbittlich geblieben, doch das zweite Fräulein sehr glücklich, Frau Hauptmann zu werden.

Stojan erhielt durch seinen Schwager Berko die Mittel, einen Vieband^l zu beginnen und treibt diesen in Bosnien in großartigen Maßstabe.

An Preussen.

Du ritterliches Land, das Blücher's Wiege, Das Scharnhorst, Gneise na» und Aork geboren Hast du den alten Kampfesmuth verloren?

Blick' aufwärts! sieh', die Helden deiner Siege, Sie zeigen dir die Bahn, die du zu gehen; Auf, Preußen, auf! laß' deine Fahnen wehen!

Im blutig-schweren Kampfe, der begonnen,

Um Völkerrecht unb um der Kronen Ehre, G'en jene alt napoleon'sche Lehre, Stehst zaudernd du, von fränk'scher List umsponnen; Des Corsen Geist steigt aus dem Grabe wieder, Und du zertrittst sie nicht, die blut'ge Hyder!?

Unsel'ge Politik, auf die du bauest!

O, zaud're nur — es wird die Stunde schlagen, Wo du, bereuend wie in früh'ren Tagen, Des Feindes Trug und Hinterlist durchschauest,