HcrsfeIdcr Anzeiger.
55, Hersfeld, den 9. Juki. 1«59>
Der „Hersfelder Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis beHd« den bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7a Sg .; dei den Postaustatteu kommt der übliche Post> ausschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller^ bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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-seine Königliche Hoheit der Kurfürst huben allergnädigst geruht:
den ordentlichen Kriminalgerichts-Assessor Hermann Wetzell in Marburg zum Justizbeamten bei dem Justizamte in Windecken und
den Garnisons-Auditeur Conrad Dallwjg in Kassel zum Justizbeamten bei dem Justizamte in Veckerhagen
zu bestellen;
die erledigte Pfarrei Ginnheim in der Klasse'Bok- kenheim dem Pfarrverweser Ernst Sopp aus Fulba zu übertragen,
die Probatoren Heinrich Aßmus und Conrad Völker bei der Oberfinanzkammer zu Rentmeistern, Ersteren nach Schmalkalden und Letzteren nach'Herrenbreitungen provisorisch zu ernennen.
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Mn Dev Grenze
Novelle von Marie von Roskowska.
(Fortsetzung.)
Einige Monate gingen vorüber. Franja hatte nicht Ursache gehabt, ihren Entschluß zu bereuen, denn Georg hatte sich, und nicht ganz ungern, darein ergeben. Sie hatte liefen, herben Schmerz empfunden, allein das Bewußtsein, recht gehandelt zu haben, ist immer ein Trost, und die Nothwendigkeit, zu arbeiten, oft ein Glück. Sie hatte in der Wirthschaft zu thun, auch machte ihr Berko viel Sorge. Er war wieder kränker geworden und lange in Gefahr,
Seine Fieberphantasten verriethen ihr, was ihr sonst im Traume nicht eingefallen wäre. Seine Blindheit und sein ruhiges, freundschaftliches Benehmen gegen sie hat'e sie, und jeden Andern, in ihm immer nur s>en Jugendgespielen und brüderlichen Freund erblicken lasten. Sre erschrak, als er im Delirium von seiner heißen Liebe für sie sprach, und hielt seine Worte anfangs für eine Ausgeburt des Fiebers. Doch bald er- Merte sie sich mancher Aeußerung oder Bewegung, die W früher unw illkurlich entschlüpft war, und von ihr
^ ^tet worden. Dann ließ ihr auch die VAtuche Gewalt, welche ihre Stimme auf den Kranken übte, seinen Zweifel an seinen Empfindungen.
Sie dachte zwar mit einem stechenden Weh im
Herzen: „Wärmn hat Georg nicht das ehrliche, treue Herz Berko's? Ich hätte dann nie die Thränen geweint, die ich jetzt vergieße. Und zu denn einen Unglück, das schon groß genug ist. kommt noch das zweite. Die herzliche Zuneigung des armen Blinden ist für uns Beide ein Elend.».
Berko genas endlich. Er suchte sich nun ein anderes Quartier und trat die Wanderung mit seiner Gusla wieder an. Mch kam er häufig und die alte Frau machte ihm immer lebhafte Borwürfe, wenn er sie während seines Aufenthalts im Torfe nicht oft be, suchte. Die gehabte Sorge und Mühe, selbst die auf# gewendeten Kosten, welche der arme Blinde Voraussicht lich nie erstatten konnte, hatte ihn ihr lieb gemacht wie einen leiblichen Enkel.
Franja sprach mit ihm nicht mehr über Georg, den sie früher oft znm Gegenstände ihrer Unterhaltung ge- wäblt. Indeß hatte dies Schweigen nicht allein in der Absicht, Berko's Gefühle zu schonen, seinen Grund. Die Großmutter redete auch nicht mehr von dem Treulosen, nachdem sie einige Male ihrem Unwillen gegen ihn in kräftigen Ausdrücken Luft gemacht. Uebrigens kannte die Alte, so wenig wie andere Leute, die wahre Ursache der Trennung des Brautpaars. Der Oberst hatte Geheimhaltung befohlen, und da Georg nicht im Stabsorte bliev, hatte Niemand Gelegenheit sein Glück zu ahnen.
Es war eine Scheu und Verlegenheit in das Verhältniß Franja's und Berko's gekommen, die ihnen vorher durchaus fremd gewesen. Ihr war es unmöglich, so unbefangen und vertraulich wie sonst gegen ihn zn sein, obgleich sie noch achtsamer auf seine kleinen Bedürfnisse und überhaupt weicher und theilnehmender gegen ihn. war. Er hatte ihr gegenüber auch seinen bisherigen Halt verloren. Sie war nicht mehr eines Ander» glückliche Braut — sie war frei; das machte ihn unsicher, denn für'ihn war sie doch auf-immer Der» loren. Und seine Liebe war durch ihre Pflege in seiner Krankheit, wie durch ihre größere Fürsorge eben nicht vermindert werden.
Eines Tages sang Berko seinen beiden Freundinnen eines der Licblingsiiedcr der asten Frau vor. Franja lauschte mit ganzer Seele auf seine Stimme, welche die Macht zu haben schien, Georg's Bild aus ihrem